24. August 2005 · Quelle: ND

Kratz-Klopapier siegte über Hakle feucht

(Neues Deutsch­land) »Wie gelingt es ein­er Frau, der schein­bar alle Voraus­set­zun­gen dafür fehlen, die höch­ste Stufe zu erk­lim­men…«, fragt der Pots­damer Jour­nal­ist Matthias Krauß. Gemeint ist CDU-Kan­zlerkan­di­datin Angela Merkel, über die Krauß ein Buch geschrieben hat, das aus­drück­lich keine Biografie ist.

Gestern trafen die druck­frischen Exem­plare beim Ver­leger Ron­ny Schnei­der im sach­sen-anhaltischen Ander­beck ein, mor­gen ist Buch­premiere im Pots­damer Club »Pub à la Pub« mit Land­tagspräsi­dent Gunter Fritsch (SPD) und Beate Tyron vom Fernsehsender RBB. Das nun aus­gerech­net ein Jour­nal­ist über Merkel pub­liziert, dessen eigentlich­es Feld seit anderthalb Jahrzehn­ten der Bran­den­burg­er Land­tag ist, aus dem er für »Neues Deutsch­land« und andere Zeitun­gen berichtet, dies mag ver­wun­dern. Doch Krauß störte es, dass bei den Büch­ern über die CDU-Vor­sitzende die spezielle Ost-Sicht fehle. »Dieses A‑Dur kann ich liefern«, meint der Mann, der wie Merkel im Märkischen aufgewach­sen ist.

Schließlich war Merkels Mut­ter Her­lind Kas­ner acht Wochen nach der Geburt der Tochter aus Ham­burg in den bran­den­bur­gis­chen Ort Quit­zow über­ge­siedelt, wo der Vater eine Pfarrstelle über­nom­men hat­te. 1957 zog die Fam­i­lie nach Tem­plin, wo Angela 1973 das Abitur ablegte. Dien­stags zur Chris­ten­lehre und mittwochs zum Pio­nier­nach­mit­tag, so habe er es einst auch selb­st getan, berichtet Krauß.

Doch die Jugend in Bran­den­burg zählte 1991 nichts. Damals wollte Merkel CDU-Lan­desvor­sitzende wer­den und unter­lag in der Abstim­mung dem West-Import Ulf Fink, erin­nert der Buchau­tor. Später räumte Merkel Konkur­renten aus dem West­en rei­hen­weise aus dem Weg. Damit siegten »Dialek­tik über Beschei­d­wis­serei«, Messe der Meis­ter von Mor­gen über Jugend forscht, »Kratz-Klopa­pi­er über Hak­le-Feucht« und »Pon­ny Pedro über Flip­per«.

Das Buch ist mit einem gehöri­gen Schuss Humor und ohne Gehäs­sigkeit geschrieben. Bei­des ist wohtuend. Krauß nimmt Merkel gegen west­deutsche Vorurteile in Schutz und er stellt sich vor, wie schön es doch sein kön­nte, wenn eine marx­is­tisch geschulte Kan­z­lerin in Deutsch­land das Rud­er übern­immt und eine »längst über­fäl­lige deutsche Per­e­stroi­ka« ein­leit­et.

Doch dann kommt er zu dem Schluss, dass sich auch mit Merkel nichts ändern würde und die Unter­schicht­en weit­er zum Verzicht aufge­fordert wären. Nach dieser Meth­ode ist ein ums andere Kapi­tel gestrickt. Erst erhält die Kan­di­datin etwas Lob, aber am Ende fällt die Kri­tik umso ver­nich­t­en­der aus. Zum Beispiel rühmt Krauß den tat­säch­lich aus eigen­er Kraft erre­icht­en Auf­stieg der Pfar­rerstochter nicht ohne den Hin­weis, die Welt­geschichte zeige, dass es oft nicht die Genialen, son­dern meist nur die Mit­telmäßi­gen seien, die an der Spitze ste­hen.


Matthias Krauß: »Das Mäd­chen für alles. Angela Merkel – ein Annäherungsver­such«, Ander­beck-Ver­lag, 196 Seit­en, illus­tri­ert, 12,90 Euro, Buch­premiere: mor­gen, 16 Uhr, im Club »Pub à la Pub« in der Bre­ite Straße 1, Pots­dam

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