29. November 2006 · Quelle: Inforiot

Kundgebung gegen Rassismus und rechte Gewalt

INFORIOT Am gestri­gen Nach­mit­tag (27. Novem­ber 2006) fand in Cot­tbus eine Kundge­bung unter dem Mot­to: “Gegen Ras­sis­mus und rechte Gewalt” (Aufruf)
statt.

Zwis­chen 16 und 18 Uhr demon­stri­erten unge­fähr 50 Per­so­n­en gegen die Behand­lung von Flüchtlin­gen und Migran­tInnen in Cot­tbus und die zum All­t­ag gehören­den ver­balen und phyis­chen Angriffe mit ras­sis­tis­chem Hin­ter­grund. Die Polizei war mit ca. 15 Beamten vor Ort, welche die Teil­nehmenden kon­tinuier­lich abfilmten.

Zur Kundge­bung hat­ten anti­ras­sis­tis­che und antifaschis­tis­che Grup­pierun­gen aus Cot­tbus und Umge­bung aufgerufen. Cham­ber­lain, ein­er der Organ­isatorIn­nen der Ver­anstal­tung und Mit­glied der Flüchtlingsini­tia­tive Bran­den­burg erk­lärte zu den Hin­ter­grün­den: “Es gab ver­schiedene Moti­va­tio­nen für die Durch­führung der Ver­anstal­tung. Ein­er­seits wer­den Flüchtlinge auch in Cot­tbus mit Maß­nah­men wie der Res­i­den­zpflicht und dem Gutschein­sys­tem schikaniert. Sie dür­fen nur in bes­timmten Läden einkaufen, sie dür­fen sich nicht poli­tisch betäti­gen und sind in ihrem Recht auf Bewe­gung eingeschränkt, da sie Cot­tbus nicht ver­lassen dür­fen. Ander­er­seits gibt es aber auch einen Ras­sis­mus, der Men­schen allein auf­grund ihrer Haut­farbe trifft. Wenn Du als Schwarz­er, egal ob Stu­dent oder Flüchtling, in Cot­tbus auf die Straße gehst, begeg­nen Dir die Leute mit ein­er unglaublichen Agres­siv­ität. Es gibt immer Aus­nah­men, aber die Regel ist, dass sich Leute in dein­er Gegen­wart abfäl­lig äußern und dich ganz offen anpö­beln.”

Zur Sit­u­a­tion im Cot­tbusser Asyl­be­wer­ber­heim befragt, erk­lärt Cham­ber­lain: “Die Flüchtlinge im Heim in Sach­sendorf leben sehr isoliert.” Nach dem Umzug in das Neubauge­bi­et habe sich die Lage insofern verbessert, dass man nicht mehr in einem “Dschun­gel­heim” mit­ten im Wald unterge­bracht sei, aber ins­ge­samt sei die Ein­rich­tung nach wie vor sehr abgele­gen. Im Umfeld des Haus­es wer­den immer mehr Wohn­blöcke ein­fach abgeris­sen. “Wenn das so weit­erge­ht, dann befind­et sich das Heim irgend­wann wieder im Wald.”, meint Cham­ber­lain hierzu iro­nisch. Neben der räum­lichen Iso­la­tion halte aber auch die Angst vor Repres­sio­nen viele Asyl­be­wer­berIn­nen von poli­tis­ch­er Organ­isierung ab.

Neben der Flüchtlingsini­tia­tive hiel­ten Vertreter von The Voice Rede­beiträge. Die Sam­ba­gruppe Berlin über­mit­telte ein Gruß­wort. Von einem Mit­glied der SDAJ wurde ein Rede­beitrag ver­lesen, der sich mit der verkürzten Kap­i­tal­is­muskri­tik von Rechts auseinan­der­set­zte.

Im Anschluss an die Ver­anstal­tung habe es einen Naz­iüber­griff auf vier Per­so­n­en, welche sich auf dem Heimweg befan­den, gegeben, berichtete uns ein Teil­nehmer. Eine Gruppe von Per­so­n­en, die mit Pullovern mit Auf­schriften wie Asgard und Autonome Nation­al­is­ten bek­lei­det waren, habe die Kundge­bung­steil­nehmerIn­nen tätlich ange­grif­f­en. Bish­er liegen uns hierzu allerd­ings keine näheren Infor­ma­tio­nen vor. Der Press­es­telle der Cot­tbusser Polizei war der Über­griff bis heute Mit­tag eben­falls noch nicht bekan­nt.

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