14. Mai 2006 · Quelle: Indymedia

Kundgebung in Wollin

Bericht von der Kundge­bung am 6. Mai 2006 in Wollin/Brandenburg bei K. Gro­pler, ehe­ma­liger SS-Ange­höriger und Teil­nehmer am Mas­sak­er im August 1944 in Sant Anna/Italien

(Gegen den Schlussstrich auf Indy­media, Bilder hier) Im Rah­men des bun­desweit­en Aktion­stages zu den Mas­sak­ern in Sant Anna durch die 16. Panz­er­grenadier­di­vi­sion, bei dem sieben ehe­ma­lige Ange­hörige dieses SS-Ver­ban­des an ihren Wohnorten besucht wur­den, mobil­isierte die Ini­tia­tive gegen den Schlussstrichn sowie die VVN-Berlin zu ein­er Kundge­bung ins bran­den­bur­gis­che Wollin. Hier lebt Karl Gro­pler, Jahrgang 1923, der vom Mil­itärg­ericht in La Spezia gemein­sam mit neun anderen ehe­ma­li­gen SS-Ange­höri­gen im Juni 2005 zu lebenslanger Haft wegen sein­er Beteili­gung an dem Mas­sak­er verurteilt wurde.

An der Kundge­bung am 6. Mai 2006nahmen cir­ca 50 Per­so­n­en teil. Beim vere­in­barten Tre­ff­punkt an der Abfahrt von der Auto­bahn, waren bere­its drei PKWs mit Faschos, die sich jedoch schnell nach Wollin ver­pis­sten, es sich aber nicht nehmen ließen, demon­stra­tiv die Leute abzufilmen.

Bei der Ein­fahrt in den Ort fiel als erstes ein Trans­par­ent ins Auge: “Wollin begrüßt seine Gäste”. Ob sie uns damit mein­ten? Bere­its im Vor­feld war in der regionalen Presse erstaunlich aus­führlich und sym­pa­thisierend über die Hin­ter­gründe der Mobil­isierung informiert wor­den. Mehrere Jour­nal­is­ten hat­ten sich die Mühe gemacht, in den Ort zu fahren und Leute direkt zu den Vor­wür­fen gegen Gro­pler zu interviewen.

Eben­falls anwe­send waren sechs Wan­nen Bullen, die sich zu Beginn der Haupt­strasse aufge­baut hat­ten, in der Gro­pler wohnt. Sie macht­en anfangs ziem­lich Stim­mung, indem sie beton­ten, dass “die Bevölkerung” ziem­lich schlecht auf uns zu sprechen sei, da die ganze Angele­gen­heit “von außen so hochgeschaukelt” wor­den sei. Sie kön­nten daher nicht für unsere Sicher­heit garantieren, wenn wir uns außer­halb der genehmigten Route bewe­gen würden.

Die 50 Leute stell­ten sich dann mit dem Laut­sprecher­wa­gen auf. Die Leit­trans­par­ente lauteten: “Opfer entschädi­gen, NS-Täter bestrafen” sowie: “Sofor­tige Anklageer­he­bung gegen SS-Täter wegen Sant Annna”.

Die Faschos waren eben­falls zur Stelle und skandierten Naziver­brechen ver­harm­losende Parolen. Damit war schnell Schluss.

Die Bullen macht­en dann die Zufahrt zur Haupt­strasse ziem­lich dicht, so dass nur noch wenig Hin und Her zwis­chen Kundgebungsbesucher/inne/n und Dorf­bevölkerung zu verze­ich­nen war. Den­noch gin­gen mehrere der Demon­stran­tinnen auf die doch zahlre­ich­er als erwartet auf der Straße Ste­hen­den zu und verteil­ten Flug­blät­ter. Erstaunlich viele nah­men diese Flug­blät­ter ent­ge­gen und hörten sich die Rede­beiträge an. Natür­lich gab es aber auch viele Kom­mentare wie: Jet­zt lasst doch den alten Mann in Ruhe oder, Jet­zt muss doch mal langsam gut sein mit diesen Sachen.

Dann bewegte sich die Demon­stra­tion bis zur Haus­num­mer 11 in der Haupt­strasse und damit in Sichtweite des Haus­es von Karl Gro­pler, der dort in Num­mer 16 wohnt. Dort gab es Rede­beiträge zum his­torischen Hin­ter­grund von Sant Anna, zur jus­tiziellen Aufar­beitung von NS-Ver­brechen, es gab Orig­i­nal-Zitate von Über­lebende, die aus dem Film “Tode­sen­gel” (2002) geschnit­ten waren sowie eine Grußadresse von dem Über­leben­den Enio Mancini.

Dazwis­chen wurde ital­ienis­che Par­ti­sa­nen­musik abgespielt.
Außer­dem wurde eine kleine Ausstel­lung zwis­chen Bäu­men aufge­hängt, auf der die wichtig­sten Fak­ten zu dem Mas­sak­er in Sant Anna nachge­le­sen wer­den kon­nten. Und auch hier blieben Bewohner/innen ste­hen, um sie sich anzusehen.
Nach einein­halb Stun­den war die Kundge­bung zuende. Sie wurde mit der Ankündi­gung been­det, so oft wiederzukom­men, bis Gro­pler im Zug nach Ital­ien sitzt, um seine Haft anzutreten oder ein Ver­fahren hier eröffnet werde.

Vor Ort waren einige Jour­nal­is­ten, unter anderem der rbb, der abends einen Fernse­hbeitrag aussendete, und auch ein hol­ländis­ch­er Journalist.

Die Presse im Vor­feld wie im Nach­hinein und auch die Stim­mung vor Ort zeigen deut­lich, dass wir unser erstes Ziel erre­icht haben, das Schweigen in Wollin zu durch­brechen und im Rah­men des Aktion­stages Öffentlichkeit über das Mas­sak­er wie über noch lebende Täter herzustellen. Eine gute Erfahrung, an die wir jet­zt anknüpfen können.

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