12. Oktober 2003 · Quelle: Lacoma

Lacoma wird am Montag geräumt

Seit Fre­itag ist es klar — Am Mon­tag, den 13. Okto­ber 2003 erwarten wir die Räu­mung
der beset­zten Häuser und der Kul­tursche­une in Laco­ma. Wir pla­nen friedliche Protes­tak­tio­nen auf dem Dach und der Strasse. Bitte kommt zahlre­ich und mit kreativ­er Energie.

Ab Mon­tag wer­den Teile des Dor­fes Laco­ma (Lako­ma) defin­i­tiv abge­bag­gert. Polizei, BGS, Kripo haben sich angekündigt.

Seit Fre­itag haben wir die Däch­er der Kul­tursche­une und eines weit­eren Haus­es
beset­zt und somit die von Vat­ten­fall geplanten Abrisse ver­hin­dert. Wir fühlen uns
dazu genötigt, da Vat­ten­fall son­st zu keinen anderen Ver­hand­lun­gen bere­it war und ist. Wir set­zen unsere Gesund­heit gewalt­frei ein, um mit Vat­ten­fall in weit­ere
Ver­hand­lun­gen einzutreten. Dem Großkonz­ern wäre es ohne weit­eres möglich die Abrisse der Gebäude des Dor­fes bis zur Klärung der rechtlichen Lage auszuset­zen.

Strate­gis­ches Ziel der Aktion ist natür­lich die Erhal­tung der Teich­land­schaft. Um für die ca. 100 bedro­ht­en Arten (z.B. Biber) zu sprechen, hal­ten wir es für zwin­gend
notwendig, die Häuser und die Dorf­struk­tur zu erhal­ten. Diesem Ziel gegenüber haben hohe und höch­ste poli­tis­che Gremien (EU, OECD, Bun­destag, Land­tag) Zus­tim­mung
sig­nal­isiert.

Hin­ter­grund­in­for­ma­tio­nen

Zum 30.9. 2003 hat Vat­ten­fall einen Großteil der Nutzungsverträge in Laco­ma
gekündigt und plant die betrof­fe­nen Häuser in Kürze abzureißen. Die Genehmi­gung für
den Bau der Entwässerungsleitun­gen, mit denen die Abrisse begrün­det wer­den, liegt
jet­zt und in abse­hbar­er Zeit noch nicht vor. Ver­schiedene Gespräch­sange­bote des
Laco­ma e.V. bezüglich ein­er Weit­er­nutzung der Häuser bis zum Beginn des Baus der
Leitung, hat Vat­ten­fall aus­geschla­gen. Da zum jet­zi­gen Zeit­punkt nicht klar ist, ob
es einen Plan­fest­stel­lungs­beschluß geben wird und ob Braunkohle in Zukun­ft noch
wirtschaftlich sein kann, ist ein Abriss zum jet­zi­gen Zeit­punkt ver­früht und
wahrschein­lich unnötig. Trotz­dem möchte Vat­ten­fall schon jet­zt abreißen, um Fak­ten
zu schaf­fen.

Dies hat fol­gende Gründe:

1. Um die Bewohn­er, die sich für den Erhalt der Teich­land­schaft ein­set­zen, zu
vertreiben, und sich die Zer­störung der­sel­ben zu erle­ichtern.

2. 2005 begin­nt der EU Emis­sion­shan­del. Das heißt, dass für jede emit­tierte Tonne
CO2 Zer­ti­fikate gekauft wer­den müssen. Braunkohle als kli­maschädlich­ster
Energi­eträger muss sich dann ein­er neuen Wirtschaftlichkeit­sprü­fung unterziehen
Deshalb ver­sucht die Braunkohlesparte Vat­ten­falls, jet­zt schnell viel Geld in
den Tage­bau Cot­tbus Nord zu investieren. Die einzige Über­leben­schance der
Braunkohle ist, dass die Ver­luste bei ein­er Stil­le­gung des Tage­baus durch schon
investiertes Geld, die Ver­luste, die der Tage­bau ab 2005 sowieso machen wird,
über­steigt.

Die Entschlossen­heit Vat­ten­falls schon jet­zt abzureißen, zeigt wie groß die
Befürch­tung Vat­ten­falls ist, dass ein Abriss 2005 wegen der man­gel­nden
Wirtschaftlichkeit nicht mehr möglich sein wird.

3. Das bei der EU Kom­mis­sion anhängige FFH (Flo­ra Fau­na Habi­tat) — Ver­fahren hat sehr gute Chan­cen auf Erfolg. Ähn­lich zum Fall Müh­len­berg­er Loch bei Ham­burg ver­sucht Vat­ten­fall das Dorf und im Anschluß das Teichge­bi­et zu zer­stören, bevor
das Ver­fahren greift.

Um diese Entwick­lung zu ver­mei­den, haben sich Bewohn­er und Fre­unde des Dor­fes für eine Beset­zung der Kul­tursche­une und eines weit­eren Haus­es entschlossen, um die
Abrisse zu ver­hin­dern. Das ist die einzige Chance um uns für unser Anliegen bei Vat­ten­fall Gehör zu ver­schaf­fen.

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