16. Dezember 2002 · Quelle: Märkische Allgemeine

Lächerlicher Aufmarsch in Teupitz

TEUPITZ — Rein­er Onck­en war nicht da. Was hätte den schenken­ländis­chen Amts­di­rek­tor Sam­stag in sein Büro ziehen sollen? Vielle­icht aufzuar­bei­t­ende Akten. Wohl kaum die kleine Demon­stra­tion und das große Polizei-Aufge­bot.

Nur 38 Neon­azis protestierten gegen Onck­en, weil der ihnen am Volk­strauertag den “Helde­nauf­marsch” auf dem Hal­ber Wald­fried­hof ver­wehrte. Min­destens 200 Demon­stran­ten hat­te der Ham­burg­er Recht­sex­trem­ist Chris­t­ian Worch angemeldet. Etwa so stark war das Polizeiaufge­bot in und um Teupitz.

“Eigentlich hat­ten wir auf Glat­teis gehofft”, so Bürg­er­meis­ter Karsten Kuhl. Dann hät­ten sich noch weniger Demon­stran­ten auf dem Mark­t­platz gesam­melt. “Nor­maler­weise ist hier sam­stags bis elf, zwölf Uhr noch viel Betrieb”, sagte Kuhl. Dies­mal kamen kaum Kun­den in die kleinen Geschäfte. Sowohl die Jalousien der Eis­diele als auch der Apotheke waren run­terge­lassen. “Die Leute tre­f­fen auch selb­st Sicher­heitsvorkehrun­gen”, meinte Kuhl und ging in Rich­tung “Bohrs Brücke” hin­unter zum Teupitzer See.

Auf dem zuge­frore­nen Gewäss­er zogen Schlittschuh­läufer ihre Kreise. Zur Mit­tagsstunde läuteten die Glock­en der Heilig-Geist-Kirche. Eine halbe Stunde später ris­sen zwei aufgeschreck­te Mark­tan­wohn­er ihre Fen­ster auf: Laut­sprecher­laut ver­las Worch seinen Getreuen die Aufla­gen der Polizei: Wed­er Gle­ich­schritt noch Uni­formteile waren erlaubt. Fol­glich durfte nie­mand Springer­stiefel tra­gen. Also set­zte sich der Zug laut­los auf der genau vorgeschriebe­nen Strecke in Bewe­gung. Bis zur Sporthalle und nicht weit­er. Hier stand eine Polizeikette. Dahin­ter demon­stri­erten rund 20 PDS-Anhänger und ‑Sym­pa­thisan­ten. Aus Schöne­iche war Tobias Dreher (Sozial­is­tis­che Deutsche Arbeit­er­ju­gend) gekom­men, “um diesem lächer­lichen Auf­marsch was ent­ge­gen­zuset­zen”. Froh darüber, dass es so erbärm­lich abge­laufen sei, zeigte sich die PDS-Kreisvor­sitzende Karin Weber. Schlimm sei, dass Neon­azis zu solchen Aktio­nen gegen eine Per­son aufrufen dür­fen. Da fehle nicht mehr viel, “und sie schmeißen Ander­s­denk­enden die Scheiben ein.”

Als Worch am Markt zur Abschlussrede anset­zte, war auch Karsten Kuhl wieder da. Neben ihm stand der Groß Köris­er Bürg­er­meis­ter Detlef Rog­gan, um seinem “Kol­le­gen moralis­chen Bei­s­tand zu leis­ten.” Erstaunt ver­nah­men bei­de Worchs Ankündi­gung, näch­stes Jahr um die gle­iche Zeit erneut gegen den Amts­di­rek­tor demon­stri­eren zu wollen. Dann wird Onck­en, der am 30. April 2003 in den Ruh­e­s­tand geht, wieder nicht da sein.

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