3. August 2012 · Quelle: Opferpespektive

Landkreis verweigert traumatisiertem Opfer rechter Gewalt den Auszug aus dem Heim in Bad Belzig

Bad Belzig - In einem Offenen Brief an die Behörden im Landkreis Potsdam-Mittelmark klagt die Opferperspektive das Verhalten der Behörden gegenüber dem Flüchtling William K. als menschenunwürdig an.

Sehr geehrte Damen und Herren,

wir wen­den uns mit diesem Brief an die Öffentlichkeit und an die Ver­ant­wortlichen in der Stadt Bad Belzig, weil wir das Vorge­hen der Ver­wal­tung des Land­kreis Pots­dam-Mit­tel­mark gegenüber dem Flüchtling William K. als men­sche­nun­würdig eracht­en. Wir fordern die Ver­wal­tung des Land­kreis­es auf, dem Antrag Her­rn K.s auf Auszug aus dem Flüchtling­sheim stattzugeben und die Leis­tungskürzun­gen zurück zunehmen.

William K. lebt seit April 2008 in dem Flüchtling­sheim in Bad Belzig, derzeit mit ein­er Dul­dung. Seit Dezem­ber 2011 wurde er zweimal Opfer rechter Angriffe. Seit­dem lei­det er unter den psy­chis­chen Fol­gen dieser Attack­en. Herr K. befind­et sich auf­grund sein­er Trau­ma­tisierung durch die Angriffe in ther­a­peutis­ch­er Behand­lung. Allerd­ings ist es ihm nicht möglich, in dem über­füll­ten Flüchtling­sheim die drin­gend benötigte Ruhe zur Gene­sung zu find­en. Im April dieses Jahres stellte er mit Unter­stützung der Opfer­per­spek­tive e.V. einen Antrag, um aus dem Wohn­heim in eine pri­vate Woh­nung umziehen zu kön­nen. Anfang Juli, nach fast drei Monat­en Bear­beitungszeit, lehnte der Land­kreis diesen Antrag ab. Diese Ver­weigerung der Ver­wal­tung Her­rn K.s Umzug zu genehmi­gen, wider­läuft einen Land­kreis­beschluss. In diesem heißt es: Flüchtlin­gen soll ein möglichst schneller Auszug aus dem Wohn­heim ermöglicht wer­den. Am 2. August 2012 erhielt er vom Sozialamt ein Bescheid über Kürzun­gen sein­er monatlichen Leis­tun­gen auf 184 €. Für William K. führt dies zu ein­er weit­eren Ver­schlim­merung sein­er Leben­sum­stände. Diese Maß­nahme ist unfass­bar, vor dem Hin­ter­grund, dass erst kür­zlich das Ver­fas­sungs­gericht Leis­tungskürzun­gen für Asyl­be­wer­berIn­nen als ver­fas­sungswidrig erk­lärte. Zukün­ftig sollen Asyl­suchen­den 336 € als Min­i­mal­be­trag zur Ver­fü­gung stehen.

Die Weigerung­shal­tung und der Kürzungswillen der ver­ant­wortlichen Stellen führen zu ein­er weit­eren Zus­pitzung der Not­lage William K.s. Diese Mis­sach­tung des gesund­heitlichen Zus­tands des Flüchtlings ist ein Skandal.

Wir als Opfer­per­spek­tive sind entset­zt über das Aus­län­der­be­hörde. Nicht nur wer­den hier Han­deln des Sozialamtes und der Beschlüsse des Land­kreis­es und des Bun­desver­fas­sungs­gerichts ad absur­dum geführt, schlim­mer noch wird wissentlich der gesund­heitliche Zus­tand eines Opfers ras­sis­tis­ch­er Gewalt über­gan­gen und missachtet.

Wir fordern den Land­kreis erneut auf, Her­rn K. den Auszug aus dem Heim zu ermöglichen sowie die unverzügliche Rück­nahme der Leis­tungskürzun­gen. Wir zählen auf die Unter­stützung durch Ihre Ämter.

Danke.

Pots­dam, den 3. August 2012

Kopi­en an:

Info­cafe Der Winkel
Bürg­er­büro Stadt Belzig
Kreistags­büro Pots­dam-Mit­tel­mark
Sozialamt Pots­dam-Mit­tel­mark
Lan­drat Pots­dam-Mit­tel­mark
Zen­tralver­wal­tung Bad Belzig
Bürg­er­meis­terin Bad Belzig
Mobiles Beratung­steam Potsdam

Infor­ma­tio­nen zu den Angrif­f­en auf William K.

Seit mehreren Jahren engagiert sich William K. in Bad Belzig und set­zt sich für eine tol­er­ante und weltof­fene Stadt ein. Er trainierte Jugend­mannschaften in einem Belziger Fußball­club und unter­stützt regelmäßig das Info­café Der Winkel. Der erste rechte Angriff auf William K. ereignete sich im Rah­men seines dor­ti­gen Engage­ments. Nach­dem zwei Män­ner am späten Nach­mit­tag des 12. Dezem­ber 2011 in dem Info­cafe Der Winkel Gäste beschimpften und durch Herr K. der Räum­lichkeit­en ver­wiesen wur­den, belei­digten sie ihn vor der Tür ras­sis­tisch und schlu­gen ihn mit ein­er Glas­flasche an den Kopf. Der zweite Angriff ereignete sich am späten Abend des 22.03.2012. Herr K. war auf dem Weg in das Heim, als er in der Nähe des Schwimm­bades ras­sis­tisch beleidigt

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