28. Januar 2012 · Quelle: [A] Antifaschistische Linke Potsdam

Lasst uns einstehen für eine neue, bessere Gesellschaft”

Potsdam: 70 bei Gedenken an Auschwitz-Befreiung / Dokumentation des Redebeitrags der AALP

Die Tra­di­tion des Gedenkens in dieser Form beste­ht nun schon seit eini­gen Jahren: Auch am ver­gan­genen Fre­itag, die Befreiung des KZ Auschwitz jährte sich zum 67. Mal, ver­sam­melten sich Pots­damer Antifaschist_innen am Mah­n­mal der Opfer des Faschis­mus zum würdi­gen Gedenken.

Etwa 70 Men­schen hörten die Rede eines Genossen vom VVN-BdA, der anmah­nte, dass eine aktive und wirk­same Gedenkpoli­tik nur im Herzen der Stadt und nur mit wirk­lichem Engage­ment stat­tfind­en kann. Nach dem Vor­tra­gen eines Gedicht­es von Paul Celan, ein­er Minute des Innehal­tens und dem Nieder­legen von Blu­men und Kerzen wurde das Gedenken am sow­jetis­chen Ehren­fried­hof fort­ge­set­zt. Auch die dort gehal­tene Rede der [a] antifaschis­tis­chen linken pots­dam forderte ein, aus der Ver­gan­gen­heit Schlüsse zu ziehen, sich heute aktiv gegen reak­tionäre Entwick­lun­gen einzuset­zen und ein Wegschauen und Hin­nehmen kein weit­eres Mal zu
akzep­tieren.


Text der Rede der [A] Antifaschis­tis­chen Linken Pots­dam

Wir haben uns heute, nach mit­tler­weile langer link­er Pots­damer Tra­di­tion, zusam­menge­fun­den um an die Befreiung des Konzen­tra­tionslagers Auschwitz vor 67 Jahren zu erin­nern.

Damals erre­ichte die Rote Armee das größte Ver­nich­tungslager der deutschen Konzen­tra­tionslager, die wie ein Netz über­all im deutschen Ein­fluss­bere­ich nach der Machtüber­nahme durch die Nation­al­sozial­is­ten ab 1933 errichtet wur­den.

In ihnen wur­den Mil­lio­nen Men­schen zur Arbeit gezwun­gen, gequält, gefoltert, viele getötet. Auch in Auschwitz waren bei der Ankun­ft der Befreier_innen ger­ade noch um die 7000 Men­schen am Leben, von denen viele in den fol­gen­den Tagen, Wochen und Monat­en durch Entkräf­tung und Krankheit star­ben.

Doch diese Men­schen legten Zeug­nis über den Massen­mord in Auschwitz ab. Zeug­nis über die ca. 1,5 Mil­lio­nen Toten, die in Auschwitz vor allem ver­gast, aber auch erschla­gen, ver­hungert oder an Krankheit gestor­ben sind. Eben­so wurde bekan­nt, dass an Erwach­se­nen und Kindern unmen­schliche und sinnlose medi­zinis­che Exper­i­mente durchge­führt wurde, die den Betrof­fe­nen maßlose Qualen, oft­mals aber sog­ar den Tod bracht­en. Trotz allem formierte sich auch hier Wider­stand.

Die schein­bare Auswe­glosigkeit brachte Sol­i­dar­ität unter den Gefan­genen her­vor, aber auch spon­ta­nen Auf­stände oder Fluchtver­suche.

Auschwitz — der wirk­liche gewor­dene Alp­traum des Has­s­es. Hass vor allem auf Men­schen, die als Jüd_innen klas­si­fiziert wur­den. Der in Deutsch­land sich seit langer Zeit entwick­elte Anti­semitismus machte es möglich, dass so viele Men­schen­leben in Lagern wie Auschwitz, Maj­danek, Buchen­wald, Sobi­bor, Belzec, Tre­blin­ka aber auch in den Wälder Osteu­ropas ver­nichtet wur­den. Dies geschah nicht nur durch überzeugte Nationalsozialist_innen, auch viele Bürger_innen sowohl in Deutsch­land, als auch Unterstützer_innen in den beset­zten Län­dern halfen beim Massen­mord: als Polizeibeamt_innen, die Men­schen fes­t­nah­men, schlu­gen und erschossen, als Mitar­beit­er _innen der Reichs­bahn, welche die Massen­trans­porte in die Lager organ­isierten, als Nachbar_innen von Fein­den des NS-Regime, die denun­zierten, als Anwohner_innen ein­er Straße, die wegschaut­en oder applaudierten als die Trans­porte an ihnen vor­bei führten, als Ange­hörige der deutschen Wehrma­cht oder mit ihr ver­bün­de­ten Armeen, die das Fort­führen des Mor­dens mil­itärisch ermöglicht­en, sich an Erschießun­gen beteiligten oder Aktio­nen der Ver­nich­tung absicherten. Die Schuld betraf eine ganze Gen­er­a­tion. Und sie bet­rifft uns heute. Als Ver­ant­wor­tung.

Nie wieder darf geschehen, was damals passierte.

Ger­ade 2011 wurde uns vor Augen geführt welch einen lan­gen Weg wir noch vor uns haben.

Eine nazis­tis­che Mord­gruppe tötet über Jahre ungestört in Deutsch­land und ver­höh­nt seine Opfer aufs Unmen­schlich­ste.- Und das alles unter den Augen der Repres­sion­sor­gane.

Während in Dres­den bei antifaschis­tis­chen Demon­stra­tio­nen Tausende von der Staats­macht überwacht, ver­prügelt und gejagt wur­den, scheint es so, dass Nazis mit staatlichen Geldern und trotz 182 Toten seit 1990 hofiert wer­den. Dies muss uns wieder daran erin­nern, dass in Deutsch­land Antifaschis­mus keine Uni­form trägt und nicht beim Ver­fas­sungss­chutz arbeit­et. Nur die Men­schen, die Faschis­mus als Mei­n­ung ablehnen und diesem mit allen Mit­teln ent­ge­gen­treten, Men­schen, die die Gefahren ein­er faschis­tis­chen Gesellschaft auch als eine Gefahr aus der so genan­nten „Mitte der Gesellschaft“ erken­nen und den Extrem­is­mus­be­griff ablehnen, weil dieser Antifaschis­mus krim­i­nal­isiert und mit Faschis­mus gle­ich­set­zt, kön­nen Nazis in Deutsch­land dauer­haft bekämpfen.

Ger­ade in Ungarn kön­nen wir sehen wie eine kon­ser­v­a­tive Regierung im Bünd­nis mit neuen Nazis an die Macht kam. Diese kann selb­st als Mit­glied der EU ein­fach­ste demokratis­che Zugeständ­nisse an seine Bürger_innen abschaf­fen ohne, dass ein Auf­schrei durch andere Staat­en ging.

Pogrome gegen Roma und Sin­ti, die ins­beson­dere auch in Osteu­ropa stat­tfind­en sowie steigende Mor­drat­en an so genan­nten „Aus­län­dern“ und linken Oppo­si­tionellen in vie­len osteu­ropäis­chen Staat­en, ja nicht ein­mal die Ehrung von Ange­höri­gen der Waf­fen-SS in Est­land, führt zu irgen­dein­er Reak­tion der bürg­er­lichen Demokrat_innen.

Daher lasst uns heute nicht nur an die Betrof­fe­nen des Unrechts, die Opfer der Gewalt durch die Nationalsozialist_innen, die Soldat_innen der alli­ierten Armeen und an die vie­len Men­schen denken, Wider­stand leis­teten.

Lasst uns auch gemein­sam kämpfen gegen die nazis­tis­che Bedro­hung, gegen jede Verk­lärung oder Ver­harm­lo­sung des Geschehenen. Lasst uns ein­ste­hen für eine neue, bessere Gesellschaft ohne Krieg und Faschis­mus.

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