12. November 2004 · Quelle: MAZ

Leben in der Warteschleife


“Invis­i­ble — ille­gal in Europa” / Filmge­spräch mit Andras Voigt und Annette

Flade

(MAZ, Ulrich Crüwell) Andreas Voigt kommt zur Film­premiere ger­adewegs aus dem Gefäng­nis in
Leipzig, wo er Zakari besucht hat. Zakari ist ein­er der Helden im neuen Film
des preis­gekrön­ten Doku­men­taris­ten. “Invis­i­ble — ille­gal in Europa”, der am
Mittwochabend zur 25. Öku­menis­chen Friedens­dekade im Film­mu­se­um gezeigt
wurde, erzählt aus €päis­ch­er Per­spek­tive die Geschicht­en von fünf
ille­galen Flüchtlin­gen, die mit­ten unter uns leben — ohne Papiere und ohne
jegliche Absicherung. Etwa eine Mil­lion Men­schen leben ille­gal in
Deutsch­land — 100 000 alleine in Berlin, weiß die Pots­damer
Aus­län­der­seel­sorg­erin Annette Flade zu bericht­en.

Ein­er von ihnen ist der mit­tler­weile inhaftierte Zakari, der vor zehn Jahren
aus Alge­rien flüchtete. Sein Asylge­such wurde abgelehnt. “Das Urteil ist
unan­fecht­bar, liest Zakari dem Zuschauer in gebroch­en­em Deutsch vor. Ganze
neun Jahre lebte Zakari ille­gal in Deutsch­land, bis eine Polizeikon­trolle in
Leipzig dem exis­ten­tiellen Ver­steck­spiel ein Ende machte. Nun dro­he die
Abschiebung, erzählt Voigt beim Filmge­spräch und kündigt an, für Zakari
kämpfen zu wollen — not­falls mit ein­er Peti­tion beim säch­sis­chen Land­tag.

Voigt näherte sich der Prob­lematik aus ein­er €päis­chen Per­spek­tive und
zeigt bedrück­ende Innenauf­nah­men von Gefäng­nis­sen in Hol­land und im
spanis­chen Ceu­ta. Mit Geldern der €päis­chen Union wurde in Ceu­ta, ein­er
spanis­chen Exlave an der marokkanis­chen Küste, ein Fes­tungswall aus
meter­ho­hem Stachel­drahtza­un gebaut. Oumar aus Guinea Bis­sau ver­sucht diesen
Zaun zu über­winden, um nach Europa zu gelan­gen. “Ich habe nur ein Ziel und
das ist Europa”, sagt er. Die Flucht nach Europa gelingt. Oumar wartet in
einem €päis­chen Gefäng­nis in Afri­ka auf seine Abschiebung. Beim Leipziger
Doku­men­tarfilm­fest hat der Film den Euro­pean Docu­Zone Award gewon­nen, was
einen Kinos­tart im näch­sten Früh­jahr ermöglicht. Im Sep­tem­ber 2005 wird der
Streifen dann auf Arte zu sehen sein.

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