12. Oktober 2004 · Quelle: MAz

Leid darf nie vergessen werden

Ehe­ma­lige Häftlings­frauen aus Polen erin­nern an Warschauer Auf­s­tand

KARSTEN LEWERENZ FÜRSTENBERG

Bevor sich die ehe­ma­li­gen pol­nis­chen Häftlings­frauen gestern im Zel­len­block
der Mahn- und Gedenkstätte Ravens­brück mit anderen über­leben­den
Ravens­brück­erin­nen zur Gedenk­feier für den 60. Jahrestag des Warschauer
Auf­s­tands ein­find­en, kom­men sie ein­er Pflicht nach, die sie ein Leben lang
gern erfüllen wer­den: An der Mauer der Natio­nen gedenken sie unter Trä­nen
der tausenden Frauen, die im früheren Konzen­tra­tionslager Ravens­brück
kalt­blütig und bru­tal von den SS-Scher­gen ermordet wor­den sind. Blu­men leg­en
die Frauen aus Polen genau­so an der Tafel nieder, die vor dem Zel­len­bau im
Gedenken an die Polin­nen ange­bracht wurde, die die Hölle von Ravens­brück
zwis­chen 1939 und 1945 ertra­gen mussten.

Begleit­et wer­den die sieben Frauen während ihres dre­itägi­gen Kurza­ufen­thalts
in Deutsch­land von Gisela Multhaupt, Vor­standsmit­glied des Inter­na­tionalen
Fre­un­deskreis­es der Mahn- und Gedenkstätte Ravens­brück.

Im Gespräch mit der MAZ erzählt die Köl­ner­in, dass sie bere­its seit 1991
enge und fre­und­schaftliche Kon­tak­te zu den Polin­nen pflegt. Daher ist sie
mit den Lebens- und Lei­dens­geschicht­en der Frauen sehr gut ver­traut.
Leoko­r­dia Kac­zorows­ka, Han­na Wal­czuk, Euge­nia Kar­cz, Mar­i­an­na Bogusz,
Stanis­lawa Tkaczyk und Mar­i­an­na Janows­ka haben das Grauen des Lagers
über­lebt, gedenken heute der­er, die in Ravens­brück ihr Leben ließen. Die
Schick­sale der Frauen ähneln sich, als 14-jährige Jugendliche, eigentlich
noch Kinder, wur­den sie direkt nach dem Warschauer Auf­s­tand aus der Heimat
ver­trieben, ins Konzen­tra­tionslager ver­schleppt, hier erniedrigt und
gequält. Hier mussten sie mit anse­hen wie Väter, Müt­ter, Geschwis­ter,
Fre­undin­nen und Lei­dens­ge­fährtin­nen erbar­mungs­los umge­bracht wur­den. Heute
hal­ten sie die Erin­nerun­gen an die Gräuel wach, sor­gen dafür, dass sich
der­ar­tige Bar­barei nie, niemals wieder­holt. Sigrid Jacobeit, Lei­t­erin der
Mahn- und Gedenkstätte Ravens­brück, erin­nert in ihrer Begrüßung an die
Opfer, die nicht über­lebt haben. Sie unter­stre­icht ihre Freude darüber, dass
die Polin­nen gern der Ein­ladung der Gedenkstätte und des Inter­na­tionalen
Fre­un­deskreis­es gefol­gt sind. Die Frauen hät­ten sehr viel Leid durch­leben
müssen. Dieser Tage aber hät­ten sie viel Schönes erlebt, sei es in Berlin,
in Fürsten­berg oder in Neustre­litz.

Botschaftssekretär Witold Les­ni­ak bedankt sich im Namen von Botschafter
Andrzej Byrt für die Ein­ladung. Beson­ders froh ist er darüber, dass die
Frauen nicht allein angereist sind. Euge­nia Kar­cz beispiel­sweise wird von
Vet­ter Alexan­der, Mar­i­an­na Bogusz von Enkel Pawel begleit­et. “Das Unrecht,
das Leid darf niemals vergessen wer­den”, sagt Les­ni­ak. Umso wichtiger sei
es, dass die heutige Jugend die Wahrheit über das Grauen des Faschis­mus
erfährt. Er erin­nert daran, dass der Warschauer Auf­s­tand — eine der größten
Schlacht­en des Zweit­en Weltkrieges — allein auf pol­nis­ch­er Seite etwa 200
000 Men­schen­leben kostete. Mehr als 40 000 seien anschließend in deutsche
Konzen­tra­tionslager — 12 000 nach Ravens­brück — ver­schleppt wor­den. Bevor
Han­na Wal­czuk schließlich an die schreck­liche Zeit im Lager erin­nert,
bedankt sich Witold Les­ni­ak bei Gedenkstät­ten­lei­t­erin Sigrid Jacobeit und
der Stu­dentin Angela Götz mit Büch­ern über den Warschauer Auf­s­tand.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Beiträge aus der Region

Cot­tbus — Im Kampf gegen die Bedeu­tungslosigkeit gibt sich die NPD als Küm­mer­er. Mit ein­er Art Bürg­er­wehr streifen Aktivis­ten durch die Stadt. Die Aktio­nen sor­gen für Befrem­den.
INFORIOT – Som­mer, Sonne, Camp­ing! Hier­mit präsen­tieren wir die vierte Aus­gabe des Infori­ot Fes­ti­val-Guide für Bran­den­burg.
INFORIOT Mit ein­er neuen Kam­pagne will die NPD in Bran­den­burg die Frei­willige Feuer­wehr ‘unter­wan­dern’. Auf ihrer Face­book-Seite fordert die NPD ihre Anhän­gerIn­nen und Sym­pa­thisan­tInnen auf, sich aktiv in den Frei­willi­gen Feuer­wehren des Lan­des zu engagieren. Mit der Kam­pagne erhofft sich die Recht­saußen-Partei eine Ver­tiefung regionaler Ver­ankerung und Akzep­tanz in diesem äußerst ange­se­henen Bere­ich des Ehre­namts.

Opferperspektive

Termine für Potsdam

NSUwatch Brandenburg

Termine für Berlin

Netzwerk Selbsthilfe

Suche

  • Kategorien


  • Regionen



Inforiot