10. April 2002 · Quelle: Märkische Allgemeine

Lentzke: Genmanipulierte Kartoffeln im Freilandversuch

LENTZKE — Einen Frei­land­ver­such mit gen­tech­nisch verän­derten Kartof­feln plant die Pots­damer Fir­ma “Plant­tech Biotech­nolo­gie” auf einem Ack­er bei Lentzke. Auf ein­er rund zwei Hek­tar großen Fläche sollen zwis­chen 2002 und 2005 jährlich bis zu 12 500 trans­gene Kartof­felpflanzen ange­baut wer­den — zu Forschungszweck­en. Bei einem rei­bungslosen Abschluss des derzeit laufend­en Genehmi­gungsver­fahrens kön­nte die Aus­saat bere­its Mitte Mai begin­nen.

 

Ins­ge­samt 22 unter­schiedliche Kartof­fellinien der Sorte “Desirée” will Plant­tech auf der eigens gepachteten Fläche bei Lentzke (Flur 4, Flurstück 48) pflanzen. “Es han­delt sich dabei um Kartof­feln, deren Stärkeme­tab­o­lis­mus genetisch verän­dert wurde”, teilte die Plant­tech-Mitar­bei­t­erin Ursu­la Uwer auf Fra­gen der MAZ mit. Die Eigen­schaften der Stärke wur­den kün­stlich verän­dert. Zu Markierungszweck­en wur­den in die Kartof­feln Gene einge­führt, die die Erdäpfel resistent machen gegen bes­timmte Antibi­oti­ka und gegen den Her­bizid­wirk­stoff Phos­phinotricin, wie aus ein­er Bekan­nt­machung des Berlin­er Robert-Koch-Insti­tutes (RKI) zu ent­nehmen ist. Zum Teil wür­den die einzel­nen Lin­ien bere­its seit 1996 in Frei­land­ver­suchen getestet, zum Teil han­dele es sich um neue Lin­ien: “In Labors und Gewächshäusern haben wir sämtliche Pflanzen aber schon hergestellt und getestet”, sagt der Biologe Markus Röver vom RKI. Doch um weit­er forschen zu kön­nen, braucht­en die Plant­tech-Wis­senschaftler mehr Mate­r­i­al. Deshalb sei der Frei­land­ver­such in Lentzke nötig.

 

“Bis zum 15. April kön­nen Ein­wen­dun­gen gegen das Vorhaben bei uns ein­gere­icht wer­den”, informiert Markus Röver. Sein Insti­tut ist die für Gen­ver­suche zuständi­ge Genehmi­gungs­be­hörde. Nach Ablauf dieser Frist wer­den die Ein­wen­dun­gen gesichtet und bew­ertet. Wenn dann auch das Umwelt­bun­de­samt und die Biol­o­gis­che Bun­de­sanstalt für Land- und Forstwirtschaft sowie das Land Bran­den­burg keine Ein­wände erheben, wird die Genehmi­gung für den Frei­land­ver­such erteilt. Gefahren für Men­sch und Umwelt sieht Röver durch die Aus­saat nicht: Kartof­feln stam­men ursprünglich aus Südameri­ka und fän­den deshalb unter den mittel€päischen Wildpflanzen keine Kreuzungspart­ner. Darüber hin­aus wür­den Maß­nah­men getrof­fen, die eine sichere Durch­führung der Ver­suche gewährleis­teten. Ähn­lich sieht das auch der Fehrbelliner Biologe Peter Stal­lknecht: “Bei uns gibt es kaum artver­wandte Nachtschat­tengewächse, mit denen sich die Gen-Kartof­feln kreuzen kön­nten.” Gen­ver­suche seien deshalb nichts anderes als das, was die Men­schen seit Jahrhun­derten durch das Zücht­en macht­en.

 

Dieser Auf­fas­sung wider­spricht Thomas Janosch­ka. Der Sprech­er des “Barn­imer Aktions­bünd­niss­es gegen Gen­tech­nik” hält es für dur­chaus möglich, dass die in Lentzke ange­baut­en, genetisch verän­derten Kartof­feln auskreuzen wer­den, sich also unge­wollt mit natür­lichen Pflanzen mis­chen. Das Barn­imer Aktions­bünd­nis arbeit­et seit mehreren Jahren gegen die lan­desweit derzeit drei Frei­land­ver­suche. “Auch gegen den Stan­dort Lentzke wer­den wir aktiv wer­den”, kündigt Janosch­ka an. “Wir sind prinzip­iell gegen die Vorstel­lung, die Natur durch Gen­tech­nik am Reißbrett entwer­fen zu kön­nen. Der Men­sch sollte nicht ver­suchen, Gott zu spie­len.

 

Vor eini­gen Jahren kam es schon ein­mal zu einem Frei­land­ver­such in der Prig­nitz: Die Fir­ma Novar­tis säte in einem Pilot­pro­jekt in Burgha­gen bei Per­leberg gen­tech­nisch verän­derten Raps aus. Das Exper­i­ment wurde nach Bürg­er­protesten im zweit­en Jahr nicht wieder­holt.

 

In Lentzke ist der geplante Anbau der Gen-Kartof­feln bish­er kein The­ma: “Disku­tiert wird darüber im Dorf meines Wis­sens nicht”, sagt Bürg­er­meis­ter Hans-Peter Erd­mann. “Durch die Aus­lage der Unter­la­gen im Neu­rup­pin­er Amt für Immis­sion­ss­chutz und die Bekan­nt­machung des RKI sei den geset­zlichen Bes­tim­mungen über die Beteili­gung der Öffentlichkeit ja Genüge getan, find­et der Bürg­er­meis­ter. Im Gemein­der­at wurde das The­ma bish­er nur nichtöf­fentlich behan­delt.

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