28. September 2005 · Quelle: MAZ

Lernen mit Iro und Minirock?

Mit bunt gefärbtem Iroke­sen­schnitt oder sexy Minirock zur Schule? In der Schülerzeitung die geheimen Hob­bys des Math­elehrers aufdeck­en? Die MAZ hat sich ein­mal umge­hört, welche Rechte man als Schüler eigentlich hat und wo der Spaß aufhört. Die Leit­er von fünf großen Gym­nasien im Kreis Ober­hav­el gaben MAZ-Mitar­beit­er Kon­rad Litschko Auskun­ft über Schüler­rechte außer­halb der Hau­sor­d­nung.

Darf ich mit meinem Heavy-Met­al-Shirt zur Schule erscheinen?

Na klar! Laut Artikel zwei, Absatz eins des Grundge­set­zes hat jed­er Men­sch das Grun­drecht auf freie Ent­fal­tung sein­er Per­sön­lichkeit. Das gilt natür­lich auch für Schüler. Welch­es Hemd du dir anziehst, ist also ganz allein deine Sache. Mit ein­er Aus­nahme: “Gegen recht­sex­treme Shirts gehen wir natür­lich vor”, so Gerd Meusling, Direk­tor des Hohen Neuen­dor­fer Marie-Curie-Gym­na­si­ums. Uwe Mirau, Chef des Hen­nigs­dor­fer Puschkin-Gym­na­si­ums, hat dafür eigens eine Liste mit rechter Sym­bo­l­ik im Büro zu liegen. “Vor Jahren mussten wir deswe­gen mal Schüler nach Hause schick­en, heute gibt´s da eigentlich keine Prob­leme mehr.”

Darf die Schulleitung unsere Schülerzeitung zen­sieren?

Schülerzeitun­gen unter­liegen wie die MAZ oder andere Pub­lika­tio­nen dem Presserecht. Das heißt: Per­sön­liche Enthül­lungs­geschicht­en über den Klassen­lehrer ohne dessen Zus­tim­mung oder Belei­di­gun­gen gehen nicht. Von Zen­sur ste­ht da allerd­ings nichts. “Da hat­ten wir noch nie Prob­leme”, sagt Ulrich Ehren­berg, Leit­er des Strittmat­ter-Gym­na­si­ums in Gransee. Allerd­ings set­zen die Schulen auf Präven­tion. In fast allen Gym­nasien wer­den die Jun­gredak­teure von Lehrern betreut. Aus­nahme: das Louise-Hen­ri­ette-Gym­na­si­um in Oranien­burg. “Wenn uns ein Artikel nicht gefällt, spreche ich mit den Schülern”, so Doris Elert, Direk­torin des Gym­na­si­ums. Zen­sur gäbe es nicht. Schüler allerd­ings bericht­en, dass vor eini­gen Jahren eine Seite ihrer Schulzeitung überklebt wer­den musste.

Wie oft darf ich schwänzen?

Hier greift das Lan­dess­chulge­setz, die Schulen im Kreis haben da wenig Hand­lungsspiel­raum. Uwe Mirau weiß es genau: “In der Sekun­darstufe dür­fen es nicht mehr als zehn Fehlzeit­en in zwei Monat­en oder 14 Fehlzeit­en im hal­ben Jahr sein.” Son­st dro­ht der Schul­ver­weis. Im Strittmat­ter-Gym­na­si­um müssen Volljährige ihre Abwe­sen­heit dann auch schon mal vor der Lehrerkon­ferenz ver­ant­worten. Sollte es nicht zum Auss­chluss kom­men, dro­ht immer noch das Sitzen­bleiben. Siebt- bis Zehn­tk­lässlern kön­nen fürs Schwänzen nicht so schnell ver­wiesen wer­den, da gibt es vorher noch Elternge­spräche und Jugen­dar­beit­sange­bote. Diet­mar Schiewe, stel­lvertre­tender Schulleit­er am Vel­tener Hed­wig-Boll­ha­gen-Gym­na­si­um, hat eine beson­dere Regelung: “Wer bei Klausuren fehlt, schreibt am Sonnabend nach. Das nervt doch einige.”

Kön­nen die Lehrer etwas gegen meinen Iroke­sen­schnitt machen?

Nein. Da gilt wieder die freie Ent­fal­tung der Per­sön­lichkeit. “Wir haben da zwei Kan­di­dat­en im Haus, das wird toleriert”, so Diet­mar Schiewe vom Boll­ha­gen-Gym­na­si­um.

Wofür kann ich von der Schule fliegen?

Es gibt Erziehungs- und Ord­nungs­maß­nah­men. Während erstere milde Strafen bein­hal­ten, zählen Schul­ver­weise zu let­zeren Mit­teln und somit zu den schw­eren Geschützen. In Ober­hav­el sehen die Leit­er Dro­gen und bewusste Gewalt als Ver­weis­grund Num­mer eins. “Das muss man aber von Fall zu Fall entschei­den”, meint Doris Elert vom LHG.

Und wie kurz darf mein Minirock jet­zt sein?

Es gilt erneut Artikel zwei des Grundge­set­zes. In Ober­hav­el will damit aber noch nie­mand ein Prob­lem gehabt haben. Zu kurz soll dann aber auch nicht sein. Oder wie Diet­mar Schiewe sagt: “Wenn der Slip mehr zu sehen ist als das Röckchen, hört die Mode auf.”

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