5. März 2008 · Quelle: Uwe Hädicke

Letschiner Oberschüler auf Bildungsfahrt nach Auschwitz

Die 10. Klasse der Ober­schule Letschin besuchte mit ihren Betreuern Mar­ti­na Fröh­lich (Lehrerin) und Jana Behrend (Schul­sozialar­bei­t­erin) das ehe­ma­lige deutsche Konzen­tra­tionslager Auschwitz, im heute pol­nis­chen Oswiec­im
gele­gen, und die alte Königs- und zugle­ich Haupt­stadt Polens, die Touris­ten­metro­pole Kraków (Krakau). Die Organ­i­sa­tion der Fahrt lag in den Hän­den des Jugendzen­trums FRIZZ, der Seelow­er Kindervere­ini­gung. Uwe Hädicke, deren Vor­sitzen­der, begleit­ete die Gruppe. „Seit mehreren Jahren
haben bieten wir uns den Schulen als Part­ner für die die inhaltliche und organ­isatorische Durch­führung solch­er Bil­dungs­fahrten für Jugendliche und junge Erwach­sene an. Dass diese Offerte großer Nach­frage beson­ders bei den
Schulen in der Region erfährt, freut uns“, so der Vere­in­schef. Das Deutsch-Pol­nis­che Jugendw­erk, die Aktion Süh­neze­ichen- Friedens­di­en­ste, der Land­kreis Märkisch-Oder­land, der Lokale Aktion­s­plan MOL, der
Schulfördervere­in sowie der Land­tagsab­ge­ord­nete Wolf­gang Heinze (Die Linke) und die Eltern der Schüler ermöglicht­en diese Pro­jek­t­fahrt.

In Krakau selb­st führte die Gruppe Erkun­dun­gen zu Spuren jüdis­chen Lebens
durch. Lebten hier vor dem 2. Weltkrieg mehr als 70.000 Juden, waren es nach
1945 nur wenige Hun­dert, die den Gaskam­mern entkom­men kon­nten und
über­lebten. Im Gal­izis­chen Muse­um Krakaus erfuhr die Gruppe unter anderem,
was die Ghet­toisierung Tausender Juden in der Zeit des 2. Weltkrieges
bedeutete, aber vor allem auch, welche Vielfalt und kul­tureller Reich­tum
auf­grund dieser Ver­brechen ver­loren ging.

Ab Anfang 1940 wur­den die Ghet­tos gegen die Außen­welt abgeriegelt, ab 1941
waren sie auch das Ziel von Depor­ta­tio­nen aus Deutsch­land. Zu den Ghet­tos in
Krakau, Warschau und in vie­len anderen Orten auf pol­nis­chem Boden kamen ab
Juni 1941 mit dem Über­fall auf die Sow­je­tu­nion die Ghet­tos in Ost­polen,
Litauen, Est­land und Let­t­land, Weißrus­s­land und in der Ukraine hinzu. Die
Ghet­tos bilde­ten eine Etappe in der Geschichte des Holo­caust, sie waren bei
allem Leid und Elend, bei allen Tragö­di­en, die sich dort abspiel­ten, jedoch
noch nicht die Hauptschau­plätze des Völk­er­mordes. Sie waren in den Jahren
1940 bis 1943 Wartesäle zur Ver­nich­tung, Vorhöfe der Hölle,
Zwis­chen­sta­tio­nen für die Lager, in die die Men­schen dann zum Zweck ihrer
Ermor­dung deportiert wur­den. Durch inter­es­sante Erzäh­lun­gen ein­er Ref­er­entin
des Muse­ums wurde das Wis­sen der Schüler über Geschichte, Leben, Ver­fol­gung
und heutiges Leben der Juden erweit­ert. In Vor­bere­itungsver­anstal­tun­gen
wur­den die Schüler an die The­matik herange­führt. Auch durch den Film
„Schindlers Liste“ war ein Auss­chnitt der Geschehnisse im Krakau zu Zeit­en
der Naz­i­herrschaft den Schülern bekan­nt, so dass die Führun­gen an diesem
Wis­sen anset­zen kon­nten. Am Gedenkstein an der ehe­ma­li­gen Erschießungswand
des ehe­ma­li­gen KZ legte die Letschin­er Gruppe Blu­men für die Opfer dieser
Massen­ver­nich­tung nieder. Allein im KZ Auschwitz bezahlten mehr als 1,5
Mil­lio­nen Men­schen, zumeist Juden, die Poli­tik des Rassen­wahns mit ihrem
Leben.

Auch 63 Jahre nach der Befreiung vom Hitler­faschis­mus und dem schlimm­sten
Kapi­tel deutsch­er Geschichte mah­nte Jurek Bochen­s­ki, er brachte als
Muse­ums­führer im ehe­ma­li­gen KZ Auschwitz der Gruppe an zwei Tagen die
Maschiner­ie des Todes im Stamm­lager Auschwitz und in Auschwitz-Birke­nau
nahe, dass es nie wieder solche Ver­brechen an Men­schen geben dürfe. „Redet
mit Euren Fam­i­lien, Fre­un­den und später ein­mal mit euren Kindern über das,
was ihr hier erfahren und ver­mit­telt bekom­men habt, dass sich dieses Leid
niemals mehr wieder­holen wird“. Die Schüler erfuhren viel über die
Organ­i­sa­tion des Grauens im größten Ver­nich­tungslager, das nahezu akribis­che
Pla­nen und Umset­zen der Tötungside­olo­gie. „Die Beispiele der
Einzelschick­sale wie die von Edek und Mala, die uns in einem Vor­trag
geschildert wur­den, macht­en uns sehr trau­rig“, so Schü­lerin Ari­ane Opol­s­ki.

Zur Vor­bere­itung dieser fün­ftägi­gen Gedenkstät­ten­fahrt informierten sich die
Jugendlichen in den zurück­liegen­den Wochen in der Gedenkstätte „Seelow­er
Höhen“ und im „Muse­um Mar­ty­rologii“ Slon­sk über die Geschehnisse in ihrer
Heima­tre­gion im 2. Weltkrieg. Das Slonsker Muse­um erin­nert an das Zuchthaus
und eines der ersten deutschen Konzen­tra­tionslager im dama­li­gen Son­nen­burg.
Zu den bekan­ntesten deutschen Häftlin­gen gehörten der
Frieden­sno­bel­preisträger Carl von Ossi­et­zky, der Dichter Erich Müh­sam und
der Jurist Erich Lit­ten. 1942 erhielt das KZ ein spezielles Pro­fil: Hier
wur­den nun Wider­stand­skämpfer aus den beset­zten Gebi­eten inhaftiert, die
durch den „NN-Erlass“ bei „Nacht- und Nebel“ aus ihrer Heimat ver­schleppt
und nach Son­nen­burg deportiert wur­den. Im Jan­u­ar 1945, kurz vor der
Befreiung des Lagers durch die Rote Armee, ermordete ein Son­derkom­man­do der
SS 819 der Insassen in ein­er Nacht bin­nen zwei Stun­den. Nur vier von den
Häftlin­gen über­lebten das Mas­sak­er.

Die pol­nis­che Wahrnehmung und Bew­er­tung der Geschichte war in diesem Jahr
erst­ma­lig für die Schü­ler­gruppe dahinge­hend möglich gewor­den, dass der
Kus­tor des Muse­ums Mar­ty­rologii aus Slon­sk, Blazej Kacz­marek (61), die
Letschin­er Gruppe nach Krakau und Auschwitz begleit­ete.

Neben dem Besuch der Gedenkstät­ten lern­ten die Schüler auch den his­torischen
Stadtk­ern Krakaus ken­nen: das Königss­chloss, den Wawel und die berühmten
Tuch­hallen. Beein­druckt waren die Schüler auch von den
Weltkul­turerbe-Schätzen, die sie beim Besuch der berühmten Salzberg­w­erke in
Wil­icz­ka ent­deck­ten.

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