11. Dezember 2006 · Quelle: LR

Lübbener sollten nicht hinter den Gardinen stehen

«Ger­ade im Inter­esse mein­er Kinder ist es wichtig, Aktio­nen gegen Gewalt und Extrem­is­mus zu unter­stützen» , sagt Ingolf Burisch, Hand­baller der TSG Lübben, zu der Kundge­bung «Lübben beken­nt Farbe gegen Extrem­is­mus» . Sie find­et heute von 11 bis 17 Uhr auf dem Mark­t­platz statt. Lübbens Kom­mu­nalpoli­tik­er und Kirchen haben sie ini­ti­iert, weil heute Rechts- und Link­sex­trem­is­ten durch die Stadt marschieren wollen. 

Als beängsti­gend empfind­et Ingolf Burisch «die zunehmende Radikalisierung und Ver­ro­hung in Teilen unser­er Gesellschaft. Human­is­tis­che Grundw­erte müssen fes­ter Bestandteil unseres Zusam­men­lebens sein.» Sein Teamkol­lege Mirko Wolschke will heute als Hand­baller der TSG demon­stri­eren, «weil ich als Sportler gegen jede Form von Extrem­is­mus bin.» Er hoffe, dass viele Sportler zum Mark­t­platz kom­men. «Nur dadurch kann man für unsere Stadt ‚Flagge’ zeigen.»

Für Detlef Brose ist es als Lehrer, Mit­glied des Vor­stands des Touris­musvere­ins Lübben und des DRK selb­stver­ständlich, «Farbe zu beken­nen» . Er hoffe, «dass die Lübben­er nicht hin­ter den Gar­di­nen stehen.»
«Die sich dem Zug der Recht­sex­trem­is­ten anschließen, vertreten eine undemokratis­che Denkweise. Rechte Denke, Men­schen­ver­ach­tung müssen bekämpft wer­den» , sagt Ivonne Lin­de­mann , Sozialar­bei­t­erin in der Lübben­er Jugend­freizeit­ein­rich­tung «insel» .

Super­in­ten­dentin Ulrike Voigt wird heute während der Kundge­bung das Wort ergreifen. Denn sie sei «froh und dankbar dafür, dass wir in ein­er demokratis­chen Gesellschaft leben. Zu lange habe ich erlebt, dass Men­schen, die anders dacht­en und glaubten als die Herrschen­den, aus­ge­gren­zt und zum Ver­s­tum­men gebracht wur­den.» Deshalb wolle sie sich dafür ein­set­zen, «dass unsere Demokratie lebendig, offen und vielfältig bleibt» .

Das Klinikum Dahme-Spree­wald und das Lübben­er Reha-Zen­trum wer­den sich an der Kundge­bung beteili­gen, informieren ihre Geschäfts­führer Jut­ta Soulis und Jan Büch­er . Denn «wir sind für alle Men­schen da, egal welch­er Nation­al­ität, Kon­fes­sion, Haut­farbe oder poli­tis­ch­er Überzeu­gung» . Extrem­is­mus sei mit «einem enor­men Imageschaden für die Region ver­bun­den» . Die Stadt dürfe keine «no go area» wer­den. Ohne Touris­mus habe sie keine Zukun­ft. Ein weit­eres Motiv sei, dass «wir der Ver­ant­wor­tung jedem einzel­nen unser­er Mitar­beit­er gegenüber gerecht wer­den wollen» .
Der Luck­auer Haup­tauss­chuss hat­te beschlossen, den Lübben­er Demokrat­en heute zur Seite zu ste­hen. Es sei «lei­der festzustellen» , sagt Stadtverord­neter Olaf Schulze (CDU), «dass Rechts- und Link­sex­treme übers Land ziehen – Sen­ften­berg, Seelow, jet­zt Lübben. Wie lange wer­den sie das machen? Wenn sie keine Gegen­wehr erfahren, ist zu befürcht­en, dass sie sich dauer­haft festsetzen.»
«Wir haben die gemein­same Pflicht» , appel­liert Lan­drat Mar­tin Wille (SPD), «speziell hier in der Kreis­stadt Flagge zu zeigen.» Der Aufruf zur Kundge­bung gegen Extrem­is­mus wirke über die Stadt­gren­zen hin­aus, wie die «tolle Reak­tion der Luck­auer» zeige. Als «Gold wert» schätzt Wille den Ver­such von Grün-Weiß Lübben ein, ein Fußball­spiel zu ver­schieben, damit sich das Team an der Kundge­bung beteili­gen kann. Er hoffe, dass der heutige Tag «die Gemein­schaft der Demokrat­en zusam­men­schweißt» , so Wille. «Heute wer­den die Recht­en ihr Gesicht zeigen, auch die Lübben­er. Das wird hof­fentlich zu Reak­tio­nen in Fam­i­lien und im Fre­un­deskreis führen, indem die bürg­er­schaftliche Diskus­sion, mit jenen die dort mit­marschieren, beginnt.»

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