7. Juni 2004 · Quelle: MAZ

Mahlow-Jamaika-Birmingham

Das Fun­da­ment ein­er Brücke von Mahlow nach Birm­ing­ham ist gebaut. Am
Woch­enende besucht­en drei enge Fre­unde Noël Mar­tins den Jugend­sozialvere­in
Fre­unde der Her­bert-Tschäpe-Schulen. Gemein­sam beri­et man, wie ein
dauer­hafter Kon­takt aufzubauen ist zwis­chen dem märkischen Ort, wo Noël
Mar­tin 1997 einen aus­län­der­feindlichen Angriff nur quer­schnitts­gelähmt
über­lebt hat, und der britis­chen Stadt, wo der Jamaikan­er zu Hause ist.

“Wir brauchen jeman­den in Birm­ing­ham, der für uns Kon­tak­te zu Vere­inen oder
Schulen knüpft”, sagt Uwe Schüler vom Schulfördervere­in und der Ini­tia­tive
Tol­er­antes Mahlow. Bis­lang lief die Verbindung nur direkt über Noël Mar­tin,
den Mahlow­er Jugendliche zweimal besucht haben. Eine dritte Fahrt wird es im
Herb­st geben. “Vielle­icht schaf­fen wir es, dass die Schüler in Zukun­ft bei
Gast­fam­i­lien wohnen und nicht in ein­er Pen­sion”, so Schüler.

Die Gäste vom Woch­enende wollen sich dafür in Birm­ing­ham ein­set­zen. Sie
trafen unter anderem mit den Jugendlichen zusam­men, deren Fahrt im Herb­st
anste­ht, und besucht­en die Stiftung Großes Waisen­haus in Pots­dam, die den
Noël-und-Jacque­line-Mar­tin-Fonds ver­wal­tet. “Wir sind sehr enge Fre­unde von
Noël”, sagt Bern­hard Parke über sich, Edwin Williams und Leroy Siwell, drei
“Jamaikan­er mit britis­chem Pass”. Alle drei erfuhren damals über den Vor­fall
in Mahlow nur per Tele­fon. “Es hieß, er hat­te einen Unfall. Ich war zwar
geschockt, aber dachte mir noch, dass solche Dinge eben passieren”, erzählt
Williams. Erst später beka­men sie die Details mit, vor allem dass es kein
Unfall, son­dern ein Über­fall gewe­sen war. Sie wussten, dass es Ras­sis­mus in
Deutsch­land gibt. “Aber das gilt nicht für ein ganzes Land, nur für eine
Min­der­heit, und das kommt über­all vor”, so Williams. “Aber wir wis­sen auch,
dass man nur ein Stre­ich­holz braucht, um ein Feuer zu ent­fachen.”

Beson­ders nah geht das Schick­sal dem alten Schul­fre­und Leroy Siwell, dem
Noël Mar­tin einst half, nach Großbri­tan­nien zu kom­men und sich dort zurecht
zu find­en: “Noël war für mich alles, jet­zt helfe ich ihm, denn er hat eine
Tragödie nach der anderen erlebt.” Der Über­fall, das Gefes­selt-Sein an den
Roll­stuhl, der Tod von Ehe­frau Jaque­line. Früher sei Noël Mar­tin ein
“Fit­ness-Freak” gewe­sen, ergänzt Parke: “Jet­zt würde er dem­jeni­gen sein Haus
schenken, der ihn auf­ste­hen und hin­aus­ge­hen ließe.”

In Eng­land wurde Noël Mar­tins Fall über Fernse­hen und Zeitun­gen zwar
bekan­nt. “Doch die Leute vergessen, wenn sie den Mann gar nicht ken­nen, um
den es geht”, sagt Parke. Auch deshalb wolle er den Kon­takt nach Mahlow
nutzen, um Men­schen mit ver­schiede­nen Kul­turen zusam­men­zubrin­gen: “Die
Kinder sind unsere Zukun­ft. Wenn wir sie nicht richtig erziehen, dann
brin­gen sie ihren Kindern später auch nicht das Richtige bei.” Sein
zwölfjähriger Sohn Troy lernt sog­ar Deutsch in der Schule und würde gern mal
in die Bun­desre­pub­lik kom­men. Der Wun­sch kön­nte sich bald erfüllen. Wenn
möglich soll im kom­menden Jahr eine Jugend­gruppe aus Birm­ing­ham Mahlow
besuchen und in zwei Jahren sollen ein oder zwei englis­che Teams bei der
Freizeit-Welt­meis­ter­schaft im Fußball teil­nehmen, die an der Tschäpe-Schule
vor­bere­it­et wird.

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