23. Juli 2003 · Quelle: MAZ

Mamavi wird heute aussagen

RATHENOW Der Hauptzeuge wird nun doch erst nach dem Prozess abgeschoben.
Heute um 13 Uhr find­et am Rathenow­er Amts­gericht der Prozess gegen einen
recht­sex­tremen Schläger statt, der den Asyl­be­wer­ber Ora­bi Mamavi im Dezem­ber
ver­gan­genen Jahres ver­prügelt und belei­digt hat.

Hauptzeuge ist Ora­bi Mamavi. Ob er aus­sagen kann, war lange Zeit ungewiss.
Denn das Asyl­begehren von Mamavi wurde inzwis­chen abgelehnt. Für den 24.
Juli ist seine Abschiebung fest­ge­set­zt.

Kreis­sprech­er Har­ald Sempf bestätigte, der Land­kreis habe einem Ersuchen der
Staat­san­waltschaft, auf die Abschiebung zu verzicht­en bis der Prozess vor­bei
ist, nicht entsprochen. Es gebe, so Sempf vor eini­gen Tagen bere­its zur MAZ,
viele Möglichkeit­en, Mamavis Aus­sage vorher aufzunehmen. Falls das Land
jedoch die Kosten für Mamavis län­geren Aufen­thalt übernehme, so Sempf, könne
man die Abschiebung später anset­zen.

Dazu wird es nun nicht kom­men. Der Prozess find­et heute statt. Allerd­ings
ist nicht sich­er, ob das Strafver­fahren tat­säch­lich bis zum 24. Juli — das
ist der Tag, an dem Mamavi abgeschoben wer­den soll — abgeschlossen ist.
Immer­hin hätte der Angeklagte die Möglichkeit, nach dem Amts­gericht­surteil
die näch­ste Instanz anzu­rufen.

Die Forderung des Kreis­es an das Land, es solle die Kosten für Mamavis
Aufen­thaltsver­längerung übernehmen, stieß im Jus­tizmin­is­teri­um und im
Innen­min­is­teri­um auf wenig Ver­ständ­nis. “Das ist allein Sache des Kreis­es”,
sagten Sprech­er der bei­den Min­is­te­rien. Zuständig sei in diesem Fall die
havel­ländis­che Aus­län­der­be­hörde. Ein Sprech­er des Innen­min­is­teri­ums ver­wies
darauf, dass man Asyl­be­wer­ber in solchen speziellen Sit­u­a­tio­nen auch später
abschieben kann. Es habe schon Fälle gegeben, wo ver­längert wor­den sei

Der Vere­in “Opfer­per­spek­tive” stellte für Ora­bi Mamavi eine Peti­tion an den
Land­tag. Die Ange­höri­gen des Peti­tion­sauss­chuss­es tre­f­fen sich heute zu
ein­er außeror­dentlichen Ferien­sitzung. Dann wird das Begehren auf die
Tage­sor­d­nung genom­men.

Ging es dem Vere­in Opfer­per­spek­tive zunächst haupt­säch­lich darum, Ora­bi
Mamavi den Aufen­thalt für den Prozess zu ermöglichen, ver­fol­gt man nun
andere Ziele. Kay Wen­del von der “Opfer­per­spek­tive: “So psy­chol­o­gisch
wichtig für das Opfer Mamavi die Kon­fronta­tion mit dem Täter im Gerichtssaal
ist, so mak­aber ist es, Mamavi dieses Recht zu gewähren um ihn zwei Tage
später abzuschieben.” Auf­schub allein sei keine Lösung. Mamavi solle ein
dauer­haftes Bleiberecht erhal­ten “als Wiedergut­machung für das, was er von
ras­sis­tis­chen Tätern in neun Jahren Rathenow erlit­ten hat.”

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Beiträge aus der Region

Am 15. und 22. Sep­tem­ber fand ein Prozess am Amts­gericht Oranien­burg statt, bei dem ein ras­sis­tisch motiviert­er Angriff auf einen Paket­boten aus dem Sep­tem­ber ver­gan­genen Jahres ver­han­delt wurde. Das Gericht sah es als erwiesen an, …
Ein bun­desweites anti­ras­sis­tis­ches Bündnis von We’ll Come Unit­ed und
mehr als 40 Organ­i­sa­tio­nen, Ini­tia­tiv­en und Grup­pen ruft unter dem Mot­to „Unit­ed against Racism – Für eine Gesellschaft der Vie­len!“ auf zu dezen­tralen Aktion­sta­gen.
Nach ver­suchtem „Sturm auf den Reich­stag“ in Berlin: Havel­ländis­ch­er Aktivist der „Jun­gen Alter­na­tive“ soll laut der neu-recht­en Pub­lika­tion „Junge Frei­heit“ gestern aus der Jugen­dor­gan­i­sa­tion der AfD aus­ge­treten sein.

Opferperspektive

Logo de rOpferperspektive Brandenburg

NSUwatch Brandenburg

Polizeikontrollstelle

Logo der Polizeikontollstelle - Initiative zur Stärkung der Grund- und Bürgerrechte gegenüber der Polizei

Netzwerk Selbsthilfe

Termine für Potsdam

Termine für Berlin

Suche

  • Kategorien


  • Regionen



Inforiot