10. September 2003 · Quelle: BM / Berliner Zeitung

Mann zu Tode geprügelt: Angeklagte streiten Mordabsicht ab

(BM) Frank­furt (O.) — Wegen der bru­tal­en Tötung eines Arbeit­slosen müssen sich
seit Dien­stag drei Män­ner vor dem Landgericht Frank­furt (Oder) ver­ant­worten.
Die Staat­san­waltschaft wirft den 19 bis 28 Jahre alten Angeklagten Mord und
schw­eren Raub vor. Sie sollen einen 25-jähri­gen Frank­furter im März durch
Schläge mit Fäusten und Flaschen sowie ein Beschuldigter durch Messer­stiche
so schw­er mis­shan­delt haben, dass er verblutete.

Die drei Angeklagten strit­ten am ersten Prozesstag ab, dass sie das Opfer
töten woll­ten. In Erk­lärun­gen räumten sie nur ein, den Mann geschla­gen und
getreten zu haben. Der Hauptbeschuldigte Stephan B. (19) gab nach Aus­sage
seines Anwalts auch zu, mehrfach mit ein­er Met­all­stange und einem Mess­er auf
den Mann los­ge­gan­gen zu sein.

Bei einem Trinkge­lage habe die Fre­undin des mitangeklagten Daniel S. (21)
angerufen und gesagt, sie sei begrap­scht wor­den, sagte Mar­co S. (28) zum
Anlass der Tat. Daraufhin seien die drei zur Woh­nung des ver­meintlichen
Grap­sch­ers gezo­gen und hät­ten die Tür einge­treten. Der gesuchte Mann sei
nicht zu Haus gewe­sen. Auf dem Sofa habe das spätere Opfer gele­gen, so die
Anklage, auf das die Angeklagten nun einge­droschen hät­ten. So soll Stephan
B. mit der vollen Wucht seines damals 110 Kilo­gramm schw­eren Kör­pers auf den
liegen­den Mann gesprun­gen und ihn dann auch noch als lebende Dartscheibe für
Wurf­spiele mit dem Mess­er miss­braucht haben. Dann habe B. mehrfach tief in
die Beine des Opfers gestochen.

Aus Lust am Töten


Drei Män­ner ste­hen in Frank­furt (Oder) wegen eines beson­ders bru­tal­en Mordes
vor Gericht

(Berlin­er Zeitung) FRANKFURT (ODER). Enri­co schlief auf der Wohnz­im­mer-Couch, als am 28. März
gegen Mit­ter­nacht die Woh­nungstür einge­treten wurde. Drei junge Män­ner
stürmten wütend here­in und fragten ihn nach einem Frank. Enri­co wusste
nicht, wo der Gesuchte war. Vielle­icht wusste er auch gar nicht, wer Frank
war. Denn Frank wohnte nicht in der Plat­ten­bau­woh­nung in Frank­furt (Oder),
deren Tür die Män­ner eben einge­treten hat­ten. Enri­co jeden­falls zuck­te mit
den Schul­tern. Sieben Stun­den später starb der 26-Jährige an den
Ver­let­zun­gen, die ihm die nächtlichen Besuch­er zuge­fügt hat­ten.

Die betrunk­e­nen Män­ner hat­ten mehrere Bier­flaschen und eine gläserne
Kaf­feekanne auf seinem Kopf zertrüm­mert, sie hat­ten ihn mit Füßen getreten
und auf ihn eingeschla­gen. Ein­er der Angreifer soll Enri­co mit Anlauf
mehrfach ins Gesicht getreten haben und auf ihm herumge­sprun­gen sein — “wie
auf einen Tram­polin”, so sagten die Mitangeklagten aus. Später schleud­erte
der­selbe Mann dann noch ein Wurfmess­er auf Enri­co, der zusam­mengekrümmt auf
der Couch lag. “Als Dartscheibe benutzt” habe der Haup­tangeklagte sein
Opfer, sagt der Staat­san­walt.

Pure Mord­lust

Schw­er nachzu­vol­lziehen ist, warum die Män­ner — alle­samt bere­its wegen
Gewalt­de­lik­ten jus­tizbekan­nt — über­haupt auf ihr Opfer los­gin­gen. In jen­er
Nacht waren sie los­ge­zo­gen, um Frank “eine Rüge zu erteilen”. Der soll kurz
zuvor die Fre­undin eines der Angreifer am Busen berührt haben. Als das Trio
Frank nicht fand, schlu­gen sie auf Enri­co ein.

Am Dien­stag begann im Landgericht Frank­furt (Oder) der Prozess gegen die
drei Angreifer. Der Staat­san­walt wirft ihnen Mord vor. Der jüng­ste der
Angeklagten — ein 19-Jähriger — soll aus pur­er Mord­lust getötet haben. Die
anderen bei­den — zwei Brüder im Alter von 21 und 28 Jahren — aus Habgi­er.
Denn als sie die Woh­nung ver­ließen, in der der Schw­erver­let­zte blu­tend auf
dem Sofa zurück­blieb, nah­men sie noch dessen Geld­börse, sein Handy samt
Ladegerät sowie dessen Playsta­tion mit. Den Angeklagten dro­hen lebenslange
Haft­strafen, wenn das Gericht sie nach dem Erwach­se­nen­strafrecht wegen
Mordes verurteilt. Die drei Män­ner strit­ten am Dien­stag ab, in
Tötungsab­sicht gehan­delt zu haben.

Stephan B., der laut Anklage am bru­tal­sten und aus Lust am Töten vorge­gan­gen
sein soll, sitzt mit ver­schränk­ten Armen neben seinem Vertei­di­ger. Der
19-Jährige ist kräftig gebaut, sein Gesicht wirkt noch kindlich. Er, der
schon ein­mal wegen Raubes verurteilt wor­den war, lässt seinen Anwalt das
Geständ­nis wider­rufen, das er bei der Polizei abgelegt hat. Anson­sten sagt
er nichts am ersten Ver­hand­lungstag. Von den bei­den Brüdern spricht nur der
ältere. Der jün­gere, den die Staat­san­waltschaft als “gefährlichen
Inten­siv-Krim­inellen” ein­schätzt, schweigt. Nach Angaben eines
Gerichtssprech­ers war er erst vier Wochen vor der Tat aus dem Gefäng­nis
gekom­men, dort hat­te er eine fast vier­jährige Haft­strafe unter anderem wegen
räu­berisch­er Erpres­sung abge­sessen.

Die drei Män­ner sitzen seit Anfang April in Unter­suchung­shaft. Für den
Prozess sind noch vier Ver­hand­lungstage ange­set­zt. Voraus­sichtlich am 23.
Sep­tem­ber soll das Urteil verkün­det wer­den.

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