22. April 2005 · Quelle: MAZ

Marsch nach Dangelsdorf

BELZIG Ein Gedenkmarsch, der an den Todes­marsch von rund 600 ehe­ma­li­gen
Insassen des KZ-Außen­lagers Roeder­hof erin­nern soll, find­et am kom­menden
Son­ntag, dem 24. April, statt.

An diesem Tag vor 60 Jahren war angesichts der nahen­den amerikanis­chen und
sow­jetis­chen Trup­pen die Evakuierung des Lagers ange­ord­net wor­den. Lediglich
72 Frauen blieben zurück, weil sie so krank oder geschwächt waren, dass sie
nicht mehr gehen kon­nten. Neun Frauen star­ben auf dem Marsch, sechs von
ihnen wur­den erschossen. Vera Koldovas Erin­nerun­gen — sie über­lebte den
Marsch — sind von Ger­hard Dorbritz in der Broschüre “Der Roeder­hof in
Belzig” fest­ge­hal­ten wor­den. Darin heißt es unter anderem: “Gegen Abend
begann der Todes­marsch. Der Lagerkom­man­dant gab bekan­nt, dass jed­er, der die
Flucht ver­sucht, erschossen wird. Auf dem Todes­marsch wur­den viele
erschossen, doch nicht wegen Fluchter­grei­fung, son­dern wegen voll­ständi­ger
Erschöp­fung. Wir nah­men die älteren und schwachen Kam­eradin­nen in die Mitte,
um sie vor den Kugeln der SS zu schützen. Nicht immer gelang es uns. Die SS
holte sie dann aus unseren Rei­hen, erschoss und warf sie in den
Straßen­graben.” Vera Koldo­va selb­st kon­nte eine Ruhep­ause vor Görzke nutzen
und flüchtete in der Nacht mit sechs weit­eren tschechis­chen Kam­eradin­nen.
Von Zerb­st aus wurde sie von der Roten Armee über Bernau nach Polen
gebracht. Von dort ging es in ihre Heimat — Plzen. Am 23. Jan­u­ar 1985 hat­te
die Belziger Stadtverord­neten­ver­samm­lung den Beschluss gefasst, Vera Koldo­va
die Ehren­bürg­er­schaft zu ver­lei­hen.

“Wir wollen mit unser­er Aktion nicht nur an diesen Todes­marsch erin­nern,
son­dern auch der Toten gedenken”, sagt Burkhard Alexan­der Pranke vom
Förderkreis Roeder­hof. “Aufgerufen sind alle Bürg­er, mit uns einen Teil des
Weges zu gehen, der damals von den Frauen zurück­gelegt wer­den musste.” Wie
Pranke sagt, soll der Gedenkmarsch gegen 10 Uhr im Grü­nen Grund begin­nen.
“Gegen 11.30 Uhr wird es einen Stopp in Lüb­nitz geben, eine Stunde später
geht es weit­er über Benken Rich­tung Dan­gels­dorf. Zir­ka 15.30 Uhr soll der
Marsch dort been­det sein”, so der Mitini­tia­tor. Der Ort war die erste
Tage­se­tappe. Dort mussten die Frauen die Nacht im Wald ver­brin­gen.

Tre­ff­punkt für den Gedenkmarsch ist am Son­ntag, 10 Uhr, im Grü­nen Grund in
Belzig.

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