14. Juni 2005 · Quelle: PNN

Massengrab mit Kriegsheimkehrern?

(dpa, PNN) Frank­furt (Oder) — Im Umgang mit einem in Frank­furt (Oder) ver­muteten Mas­sen­grab aus dem Zweit­en Weltkrieg sucht die Stadt nach einem Kom­pro­miss. Ober­bürg­er­meis­ter Mar­tin Patzelt (CDU) kündigte gestern Gespräche mit dem Land Bran­den­burg, dem Volks­bund Deutsche Kriegs­gräber­für­sorge und dem pri­vat­en Eigen­tümer des Are­als an. „Wir müssen das Mach­bare aus­loten.“ Auf dem Gelände sollen über Tausend gestor­bene Kriegsheimkehrer liegen. 

„Es sind schwierige Ver­hand­lun­gen“, sagte Patzelt. Das The­ma sollte am Mon­tagabend dem Haup­tauss­chuss behan­delt wer­den. Gle­ich nach der Som­mer­pause hofft der Kom­mu­nalpoli­tik­er klare Vorstel­lun­gen über die weit­ere Vorge­hensweise vor­legen zu können. 

„Frank­furt war der Ent­las­sung­sort für alle deutschen Sol­dat­en, die im Osten waren“, sagte Rolf Hüb­n­er vom Kreisver­band des Volks­bun­des Deutsche Kriegs­gräber­für­sorge. Von 1945 und 1950 passierten etwa 1,2 Mil­lio­nen Men­schen das Lager am Stad­trand. Viele von ihnen star­ben noch auf dem Trans­port oder kurz nach ihrer Ankunft. 

Um 1945/46 war die Sterblichkeit­srate beson­ders hoch, da die Sow­je­tu­nion nur Kranke ent­lassen hatte. 

Die ein­stige Begräb­nis­stätte für Heimkehrer war später zum Teil als Fried­hof erhal­ten geblieben. 1973/74 wur­den 1888 Tote auf den Haupt­fried­hof umge­bet­tet. Nach neuen Namenslis­ten sollen aber rund 3200 Tote dort begraben gewe­sen sein. Deshalb wer­den auf dem jet­zt betonierten Platz die sterblichen Über­reste von rund 1300 Men­schen ver­mutet. Patzelt sagte, unter der inzwis­chen bebaut­en Fläche kön­nten keine Such­grabun­gen ver­an­lasst werden. 

Der His­torische Vere­in zu Frank­furt (Oder) erhielt vor eini­gen Jahren einen anony­men Brief, demzu­folge bei Bauar­beit­en Anfang der 90er Jahre außer­halb des ehe­ma­li­gen Heimkehrerfried­hofs Gebeine ent­deckt wor­den waren. Der Fund wurde damals nicht gemeldet. Die dort ansäs­sige Fir­ma ist zwis­chen in Insol­venz gegangen. 

Der Brief sei ein­er der Anlässe gewe­sen, eine Studie zum Schick­sal der Heimkehrer zu erar­beit­en, sagte Hüb­n­er. Die Unter­suchung wurde vom His­torischen Vere­in, dem Ver­band der Heimkehrer, Kriegs­ge­fan­genen und Ver­mis­s­te­nange­höri­gen sowie dem Volks­bund erar­beit­et und im April 2005 der Stadt und dem bran­den­bur­gis­chen Innen­min­is­teri­um vorgelegt.dpa

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