11. Dezember 2003 · Quelle: LR

Massentumult im toom-Markt

Zu einem Massen­tu­mult ist es gestern gegen 15.15 Uhr im Elster­w­er­daer toom-Lebens­mit­tel­markt gekom­men. Nach Aus­sagen der Polizei haben zwei Asyl­be­wer­ber aus dem Heim in Hohen­leip­isch ver­sucht, Waren einzukaufen, die
sie auf die von ihnen vorgelegten Gutscheine nicht hät­ten beziehen können. 

Im konkreten Fall soll es sich um einen Som­mer­anzug gehan­delt haben. 

Als die Verkäuferin an der Kasse die bei­den Kun­den darauf aufmerk­sam machte, sei es zu hefti­gen Dis­puten gekom­men, in die dann auch noch Mitar­beit­er der Infor­ma­tion ein­be­zo­gen wor­den seien. Vor Wut habe ein­er der Asylbewerber
nach Polizeiaus­sagen dann den umstrit­te­nen Anzug zerrissen. 

Die Mark­tleitung hat­te inzwis­chen die Polizei informiert, die mit einiger Verzögerung ein­traf, da man ander­weit­ig dien­stlich gebun­den gewe­sen sei. Dem Mark­tleit­er und dem Detek­tiv des Haus­es sei es unter Mith­il­fe einiger
männlich­er Kun­den gelun­gen — inzwis­chen hät­ten nach Polizeiangaben fast 50 Mark­tbe­such­er das Geschehen ver­fol­gt — die bei­den Her­ren ruhig zu stellen.
Die Auseinan­der­set­zung soll dann erneut eskaliert sein, als die Polizei bei­de Män­ner gebeten habe, ihnen aufs Revi­er zu fol­gen. Dabei sollen die Asyl­be­wer­ber einem Polizis­ten in den Ober­schenkel gebis­sen und dem anderen eine schwere Prel­lung im recht­en Handge­lenk zuge­fügt haben. Let­zter­er hätte sich in ärztliche Behand­lung begeben und sei danach dien­stun­fähig geschrieben worden. 

Die Polizei hat bei­de Män­ner schließlich wegen Wider­stands gegen Voll­streck­ungs­beamte festgenom­men und in Hand­schellen abgeführt. 

Die gegen­wär­tige Prax­is der Bezahlung mit­tels Gutschein anstelle von Bargeld stößt bei den Asyl­be­wer­bern auf wach­senden Unmut. Das bestätigte auf RUND­SCHAU-Nach­frage auch eine Mitar­bei­t­erin des Asyl­be­wer­ber­heimes. Demnach
erhal­ten die Asyl­be­wer­ber monatlich Gutscheine, mit denen über­wiegend Lebens­mit­tel und kleinere Bek­lei­dungsstücke (Sock­en, Unter­wäsche) erwor­ben wer­den können. 

Darüber hin­aus gebe es vom Sozialamt speziell aus­gewiesene Gutscheine für Som­mer- und Win­ter­bek­lei­dung zum Einkauf in vorgeschriebe­nen Geschäften. 

In einem Schreiben haben sechs Asyl­be­wer­ber auf die ihrer Mei­n­ung nach missliche Sit­u­a­tion hingewiesen und gefordert, ihnen ab Jan­u­ar 2004 keine Gutscheine, son­dern wieder Bargeld auszuhändigen. 

Am Zahlt­ag, dem 5. Jan­u­ar 2004, wollen sechs Unterze­ich­n­er des «Komi­tees der Flüchtlinge und Asyl­suchen­den Hohen­leip­isch» keine Gutscheine mehr entgegen
nehmen. In einem Schreiben an die Polizei­wache Elster­w­er­da, das Ord­nungsamt Hohen­leip­isch, das Sozialamt und die Aus­län­der­be­hörde in Herzberg, Amnesty Inter­na­tion­al und weit­ere Gremien haben sie um die Genehmi­gung gebeten, am
5. Jan­u­ar «gegen unsere schlecht­en Lebens­be­din­gun­gen und gegen den Gebrauch der Gutscheine zu protestieren.»

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