15. Februar 2006 · Quelle: Beratungsstellen

Mehr Angriffe gegen junge Alternative in Brandenburg

Neun Beratungsstellen für Opfer recht­sex­tremer Straf- und Gewalt­tat­en verze­ich­nen für die östlichen Bun­deslän­der und Berlin eine Zunahme rechtsmo­tiviert­er Gewalttaten.

Recher­chierte Gewalttaten

Im Jahr 2005 erlangten die Opfer­ber­atungsstellen Ken­nt­nis von ins­ge­samt 614 rechtsmo­tivierten Gewalt­tat­en. Dies sind 63 Angriffe mehr als im Vor­jahr. Die meis­ten Fälle wur­den in Sach­sen (154) gezählt, gefol­gt von Sach­sen-Anhalt (129) und Bran­den­burg (128). Von den 614, in ihrer Inten­sität sehr unter­schiedlichen Angrif­f­en, waren min­destens 910 Per­so­n­en betrof­fen. In nahezu 90 Prozent der Fälle han­delte es sich um Kör­per­ver­let­zungs­de­lik­te. In 300 Fällen richtete sich die Gewalt gegen junge Men­schen aus linken und alter­na­tiv­en Milieus. In 182 Fällen war Ras­sis­mus die ver­mutete primäre Tatmotivation.

Im Ver­gle­ich zu den recher­chierten Fällen aus den Vor­jahren wur­den vor allem in Berlin ein deut­lich­er Anstieg von rechtsmo­tivierten Gewalt­tat­en reg­istri­ert. Die in Berlin tätige Beratungsstelle führt dies haupt­säch­lich auf eine Zunahme von Angrif­f­en in den Bezirken Trep­tow-Köpenick und Friedrichshain zurück. In Sach­sen bleibt die Säch­sis­che Schweiz ein Bren­npunkt recht­sex­tremer Gewalt. Hier wur­den lan­desweit von der zuständi­gen Beratungsstelle die meis­ten Gewalt­tat­en mit rechtem Hin­ter­grund gezählt. In Sach­sen-Anhalt ver­meldet die Mobile Beratung für Opfer rechter Gewalt aus dem Harzge­bi­et eine Zunahme von szene­typ­is­chen Gewalt­tat­en. Im Durch­schnitt waren hier zwei Gewal­tak­te pro Monat zu verze­ich­nen. In Bran­den­burg wur­den in Pots­dam mit 22 Angrif­f­en die meis­ten rechtsmo­tivierten Angriffe fest­gestellt. Die in Bran­den­burg tätige Beratungsstelle ver­meldet zwar einen Rück­gang ras­sis­tis­ch­er Angriffe, gle­ichzeit­ig jedoch eine deut­liche Zunahme von Gewalt­tat­en gegen junge Men­schen aus dem linken und alter­na­tiv­en Milieu. Dieser Trend wird von allen Beratungsstellen bestätigt. Das gilt auch für Meck­len­burg-Vor­pom­mern, wo die Fal­lzahlen im Ver­gle­ich zu den Vor­jahren in etwa gle­ich geblieben sind.

Es muss betont wer­den, dass die veröf­fentlicht­en Zahlen lediglich einen Trend abbilden. Generell ist von ein­er hohen Dunkelz­if­fer auszuge­hen. Diese wird für Thürin­gen dadurch erhöht, dass die dort tätige Beratungsstelle durch eine gerin­gere per­son­elle Ausstat­tung nicht in allen Land­kreisen mit der gle­ichen Inten­sität nach Opfern recher­chieren und diese berat­en kann. Auf das ganze Land hochgerech­neten muss bei Thürin­gen daher mit höheren Zahlen gerech­net werden. 

Wie schon in den Jahren zuvor han­delte es sich bei der über­wiegen­den Mehrzahl der Fälle um spon­tane Tat­en, die im öffentlichen Raum stat­tfan­den. Vor allem in den genan­nten Schw­er­punk­t­ge­bi­eten verze­ich­nen die Beratungsstellen jedoch einen Anstieg von organ­isierten Gewal­tak­ten. Es wird angenom­men, dass dieser Trend seine Ursache in ein­er zunehmenden Struk­turierung der recht­en Szene hat.

Beratungsfälle

Die Beratungsstellen betreuten im ver­gan­genen Jahr ins­ge­samt 1020 Kli­entIn­nen, darunter 794 Per­so­n­en, die direkt zu Opfern recht­sex­tremer Gewalt­tat­en gewor­den waren. Es han­delte sich dabei um 675 Män­ner und 118 Frauen. Min­destens 331 der berate­nen Per­so­n­en waren Flüchtlinge, Migran­tInnen und Aussied­lerIn­nen. Zum über­wiegen­den Teil wur­den die Opfer dieser Grup­pen aus ras­sis­tis­chen Motiv­en ange­grif­f­en. Bei 316 berate­nen Per­so­n­en han­delte es sich um jugendliche Opfer, die sich mehrheitlich einem alter­na­tiv­en Milieu zuge­hörig fühlten. In 70 Prozent der Fälle erstreck­te sich der Beratungs- und Begleitung­sprozess über mehrere Monate.

Die neun Pro­jek­te zur Beratung von Opfern recht­sex­tremer Straf- und Gewalt­tat­en arbeit­en seit dem Herb­st 2001 auss­chließlich in den neuen Bun­deslän­dern und Berlin. Sie wer­den primär durch das Bun­de­spro­gramm „Civ­i­tas – ini­tia­tiv gegen Recht­sex­trem­is­mus in den neuen Bun­deslän­dern“ des Bun­des­fam­i­lien­min­is­teri­ums gefördert. Kern­bere­ich der Pro­jek­te ist die auf­suchende Beratung und langfristige Begleitung von Opfern recht­sex­tremer Gewalttaten.
Seit 2003 fassen die Beratungsstellen die Ergeb­nisse ihre Recherchen nach gemein­samen Kri­te­rien zusam­men und veröf­fentlichen jährlich einen sta­tis­tis­chen Überblick.

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