2. Juli 2003 · Quelle: Antifaschistische Recherchegruppe

Mehr Nazipropaganda

Im Raum Rathenow/Premnitz wur­den im ersten Hal­b­jahr 2003 mehr als 1200 Nazi­aufk­le­ber ent­fer­nt. Erhe­blich­er Anstieg gegenüber den Vor­jahren.

Verärg­ert reagierte so manch­er Rathenow­er Geschäfts­be­sitzer oder
Woh­nungsin­hab­er über die vie­len Nazi­aufk­le­ber, die er in den let­zten
Monat­en an seinen Schaufen­stern, Werbeschildern, Briefkästen und
Woh­nungs­fen­stern vor­fand. So schilderten es jeden­falls die betrof­fe­nen
Bürg­er in kleineren Gesprächen mit Antifas, während der Ent­fer­nung
dieser selb­stk­leben­den Zettel, die in Bild­nis­sen den NS
Kriegsver­brech­ers Rudolf Hess, das „Großdeutsche Reich“ und ähn­liche NS–Ästhetik ver­her­rlichen.

Allein die Stadt scheint kaum ein Inter­esse zu haben die Reste der NS–Propaganda von Verkehrss­childern und Straßen­lam­p­en zu ent­fer­nen.
In manchen Straßen­zü­gen sieht es aus wie nach ein­er gigan­tis­chen
Mate­ri­alschlacht. Und tat­säch­lich wur­den seit dem 01.Januar 2003
min­destens 1279 Nazi­aufk­le­ber im West­havel­land (1173 Rathenow, 102
Prem­nitz, 2 Döberitz, 2 Milow) von Antifaschis­ten und Polizei ent­fer­nt,
wobei der Schw­er­punkt mit 1275 in den let­zten drei Monat­en April, Mai,
Juni lag. Damit wur­den in drei Monat­en mehr als dop­pelt soviel
Nazi­aufk­le­ber ent­fer­nt als im gesamten Jahr 2002 (629) – dem bish­eri­gen
Max­i­mum.

Inzwis­chen kristallisiert sich hin­ter diesen Zahlen her­aus, dass es
beson­ders zu bes­timmten Anlässen zu einem extremalen Anstieg von NS–Propaganda, ins­beson­dere Nazi­aufk­le­bern, in der Region kommt. Bere­its
2002 taucht­en über 60% aller Nazi­aufk­le­ber während der Aktionswochen
zum 15. Todestag von Rudolf Hess auf. Im ersten Hal­b­jahr 2003 waren nun
vor allem der Geburt­stag von Rudolf Hess (26.April) und der 8.Mai
Anlässe.

Offen­sichtlich ver­sucht die Naziszene, und ins­beson­dere die in Rathenow,
durch ihre hohe Aktions­bere­itschaft, ver­meintliche poli­tis­che
Hand­lungs­fähigkeit zu demon­stri­eren. Da die Szene aber wegen ihrer
Gewalt­bere­itschaft gegen alles und jeden ver­rufen ist, eine konkret
poli­tisch arbei­t­ende Gruppe öffentlich, bis auf Out­ings auf Tex­tilien,
nicht in Erschei­n­ung tritt und auch die Rechtschrei­bung, Gram­matik sowie
der gesamte Stil der Aufk­le­ber, Plakate und Flug­blät­ter über­haupt wenig
überzeu­gend ist, soll hier von kein­er zunehmenden Gefahr für die Region
gesprochen wer­den. Lediglich die Aus­dauer, mit der die Naziszener­ie hier
seit 2001 bezüglich der Pro­pa­gan­da aktiv ist, ist bemerkenswert, zumal
die Lebens­dauer von Pro­pa­gan­da­ma­te­r­i­al kaum mehr als 24 Stun­den beträgt.

Anscheinend ver­birgt sich hin­ter dem Han­deln dieser Per­so­n­en ein fes­ter
Wille bzw. ein stark­er Irrglaube an eine Art „Umsturz von Rechts“ als
Ausweg aus dem Sta­tus Quo der auch in Zukun­ft deren Aktion­is­mus
vorantreiben wird.

Beobachtet muss deshalb auch die Entwick­lung des Ein­flusses
recht­sex­tremer Parteien im Raum Rathenow / Prem­nitz wer­den. Denn sowohl
von der wieder­erwacht­en NPD, die nach der Ein­stel­lung des
Ver­botsver­fahren mit Auf­forderun­gen zum Boykott von US – Waren im
Kon­text der US – Aggres­sion im Irak ein­mal mehr auf Anti­amerikanis­mus
set­zt, als auch von der DVU, die seit dem 19.Januar.2003 über einen
Kreisver­band Brandenburg/Havelland ver­fügt, wur­den im Mai und im Juni
2003 erhe­blich mehr Aufk­le­ber (NPD: 136, DVU: 251) ent­fer­nt als in den
Vor­jahren.

Antifaschis­tis­che Recherchegruppe

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