21. Juni 2004 · Quelle: MOZ

Mehr Zivilcourage gefordert

Wriezen (MOZ) Für mehr Zivil­courage und das Ende der Tol­er­anz gegenüber Ras­sis­mus sind am Sonnabend, 19. Juni, etwa 80 Demon­stran­ten durch die Innen­stadt gezo­gen. Der von einem Großaufge­bot der Polizei begleit­ete Protestzug war eine Reak­tion auf den Über­griff von Anfang Juni, der auf dem
Wriezen­er Mark­t­platz einem 15-Jähri­gen fast das Leben gekostet hätte. Der geistig behin­derte Junge syrisch­er Abstam­mung war aus ein­er Gruppe her­aus frem­den­feindlich beschimpft und mit ein­er Rasierklinge ver­let­zt worden. 

Zu der Demon­stra­tion hat­ten die Bad Freien­walder Alter­na­tive und die eben­falls in der Kurstadt ansäs­sige Basis­gruppe der Jun­gen Demokraten/Jungen Linken aufgerufen, die nach eige­nen Angaben zusam­men auf knapp 20 Mit­glieder kom­men. Für die Bad Freien­walder Alter­na­tive geißelte Kay Priefert (38)
nicht nur den Anschlag auf den Jugendlichen an sich, den er
men­schen­ver­ach­t­end nan­nte. “Mich empört auch, dass kein­er dem Opfer Hil­fe anbot, als es unter Schock ste­hend und blu­tend quer durch die Fußgänger­zone ran­nte”, sagte der Hauptver­anstal­ter der Demo. 

Für Swe­ta Meschkapowitz (17) von der Basis­gruppe der Jungen
Demokraten/Jungen Linken steckt hin­ter dem feigen Über­griff Sys­tem. “Wer nicht rein­passt, wer nicht deutsch ist, wer links ist, wer behin­dert ist, wer schwul oder les­bisch ist, ist ständig Pöbeleien aus­ge­set­zt. Und wird zuweilen eben auch ange­grif­f­en, ver­prügelt und abgestochen”, rief sie ins
Megaphon. Dies sei bru­tale Real­ität im selb­st ernan­nten tol­er­an­ten Bran­den­burg, urteilte die Bad Freienwalderin. 

Zu den weni­gen Erwach­se­nen, die den Zug begleit­eten, gehörte Regi­na Hein­rich (47) aus Dan­nen­berg. Die Ver­wal­tungslei­t­erin der Fachk­linik in der Kurstadt betonte, dass es wichtig sei, immer wieder Zeichen gegen Frem­den­hass zu setzen. 

Der Demon­stra­tion war die Aufmerk­samkeit viel­er sich­er, die am Straßen­rand standen oder aus dem Fen­ster schauten. 

“Leute, lasst das Glotzen sein, kommt herunter, rei­ht Euch ein”, skandierten die Protestieren­den bei ihrem Marsch — verge­blich. Es sei die Gle­ichgültigkeit, die Pas­san­ten zu Mit­tätern mache, urteilte Swe­ta Meschkapowitz. 

Die Demo ver­lief friedlich. Auch danach gab es in Wriezen keine Ausschreitungen.

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