29. Januar 2005 · Quelle: MAZ

Mit Hakenkreuzen geschändet

(MAZ, 29.1., Anke Fiebranz, Ste­fan Kuschel) FALKENSEE Dass die Täter in der Nacht zum 27. Jan­u­ar im Geschichtspark Falkensee
zuschlu­gen, war kein Zufall. Sie woll­ten, dass ihre neon­azis­tis­chen Spuren
genau an dem Tag gefun­den wer­den, an dem die Welt der Opfer des
Konzen­tra­tionslagers Auschwitz gedachte. Das Ver­nich­tungslager war am
Don­ner­stag vor 60 Jahren durch die Sow­je­tarmee befre­it worden. 

Die Unbekan­nten, die in dieser Woche in Falkensee ihr Unwe­sen trieben,
schän­de­ten den Obelisken, der an die Opfer des Außen­lagers des ehe­ma­li­gen KZ
Sach­sen­hausen erin­nert, mit Hak­enkreuzen und klebten Din-A4-Blät­ter mit
anti­semi­tis­chen Parolen auf einen Gedenkstein. Diese Aktion sei
ziel­gerichtet gewe­sen und ste­he in direk­tem Zusam­men­hang mit dem Gedenken an
die Opfer der Nation­al­sozial­is­ten, zeigte sich Horst Sef­er­ens, Sprech­er der
Stiftung Bran­den­bur­gis­che Gedenkstät­ten, überzeugt. Die Täter woll­ten gerade
diese Opfer tre­f­fen: Das ehe­ma­lige KZ-Außen­lager in Falkensee ist ein Ort,
an den Über­lebende mit ihren schmer­zlichen Erin­nerun­gen in all den
Jahrzehn­ten nach dem Krieg immer wieder zurück­kehrten. Auch von den 500
ehe­ma­li­gen Häftlin­gen, die man Mitte April zu den Ver­anstal­tun­gen zum 60.
Jahrestag der Befreiung des KZ Sach­sen­hausen erwartet, wer­den nicht wenige
den Geschichtspark auf­suchen, machte Sef­er­ens deut­lich. In Falkensee
herrscht der­weil Entset­zen über den rechts­gerichteten Anschlag. “Darüber
kann man nur empört sein, das ist grausam”, sagte PDS-Fraktionschefin
Rose­marie Thür­ling. Sie schließt nicht aus, dass die Tat im Geschichtspark
eine “Gegen­reak­tion” sein kön­nte auf die umfan­gre­iche und nach ihrer Ansicht
mitunter über­frachtete Berichter­stat­tung in den Medi­en zum 60. Jahrestag der
Befreiung des Konzen­tra­tionslagers Auschwitz. “Ich bin wirk­lich entsetzt
darüber, dass das aus­gerech­net in dieser Zeit passiert ist”, sagte Erhard
Sten­zel, Vor­sitzen­der der PDS Falkensee und im Zweit­en Weltkrieg
Wider­stand­skämpfer in der franzö­sis­chen Résistance. 

“Ich bin der Mei­n­ung, dass gegenüber dem Recht­sex­trem­is­mus und den Neonazis
eine härtere Gan­gart eingeschla­gen wer­den muss”, so der 79-Jährige. Es könne
nicht sein, dass Neon­azis in deutschen Par­la­menten sitzen und durch das
Bran­den­burg­er Tor marschieren. “Ich verurteile das auf das Schärfste.” 

Nach dem Anschlag in Falkensee ermit­telt die Kripo unter anderem wegen des
Ver­dachts der Volksver­het­zung. Zeu­gen, die in der Nacht zum 27. Januar
Beobach­tun­gen in der Nähe des Geschichtsparkes gemacht haben, die mit der
Tat zusam­men­hän­gen kön­nten, sollen sich unter (07 00) 33 33 03 31 oder unter
www.internetwache.brandenburg.de melden.

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