11. September 2003 · Quelle: Diverse

Münchens Polizei vereitelt offenbar Attentat

Sprengstoff bei Recht­sex­trem­is­ten gefun­den / Ermit­tler nehmen sechs Tatverdächtige fest

(Berlin­er Zeitung) MÜNCHEN/POTSDAM. 10. Sep­tem­ber. Die Münch­en­er Polizei hat fünf Män­ner und
eine 18-jährige Frau wegen des Ver­dachts festgenom­men, einen
Sprengstof­fan­schlag geplant zu haben. Unter den Tatverdächti­gen befind­et
sich auch ein 37-jähriger Mann aus Bran­den­burg. Andreas J. war am
Dien­stag­mor­gen in einem kleinen Ort in der Uck­er­mark von der Polizei gefasst
wor­den. Er soll inzwis­chen wieder auf freiem Fuß sein. Bish­er war er für die
Polizei ein unbeschriebenes Blatt. Er soll wed­er durch Gewalt­straftat­en noch
durch Pro­pa­gan­dade­lik­te aufge­fall­en sein.

Soko TNT

Wie die Polizei in München am Mittwoch mit­teilte, seien zunächst bei der
Haus­durch­suchung im Süden Münchens zwei Hand­granat­en, Muni­tion sowie rund 14
Kilo­gramm sprengstof­fverdächtiges Mate­r­i­al gefun­den wor­den. “Darunter befand
sich min­destens 1,7 Kilo­gramm TNT-Sprengstoff”, sagte Münchens
Polizeis­prech­er Peter Reichl. Sprengstoff und Muni­tion gehörten offen­bar
einem 27-jähri­gen Recht­sex­trem­is­ten, der bere­its wegen eines ver­sucht­en
Tötungs­de­lik­tes ver­haftet wor­den war.

Da die Polizei nach diesem Fund von einem geplanten Sprengstof­fat­ten­tat
aus­ging, wurde eine 20-köp­fige Son­derkom­mis­sion mit dem Namen “TNT
gegrün­det. Die Ermit­tlun­gen der Soko führte die Beamten zu weit­eren drei
Tatverdächti­gen aus München, die der recht­sex­tremen Grup­pierung
Kam­er­ad­schaft Süd ange­hören sollen, einem Beschuldigten aus
Meck­len­burg-Vor­pom­mern sowie zu Andreas J. aus der Uck­er­mark.

Am Dien­stag­mor­gen wur­den sie von der Polizei festgenom­men, darunter auch
Mar­tin Wiese. Der 27-Jährige ist laut Polizei eine bekan­nte Fig­ur aus der
Neon­azi-Szene und informeller Führer der Kam­er­ad­schaft Süd. Der
recht­sex­trem­istis­chen Grup­pierung gehören rund 30 Neon­azis und Skin­heads an.
“Wiese hat hier schon mehrfach Demon­stra­tio­nen angemeldet. Er ist für uns
kein Unbekan­nter”, sagte Polizeis­prech­er Reichl. So habe er sich beson­ders
gegen die Wehrma­chts-Ausstel­lung in München engagiert.

Bei der Durch­suchung von Wieses Woh­nung in München fan­den die Beamten zwei
scharfe Schuss­waf­fen, mehrere Stich­waf­fen, eine Stre­itaxt, Sturmhauben sowie
umfan­gre­ich­es recht­sex­trem­istis­ches Pro­pa­gan­da-Mate­r­i­al. “Wann und wo der
Sprengstof­fan­schlag geplant gewe­sen ist, kon­nten wir noch nicht ermit­teln”,
so Peter Reichl. Fest ste­he, dass es sich um die bish­er größte Menge
Sprengstoff han­dele, die je in Bay­ern ent­deckt wor­den sei. Am 20. Sep­tem­ber
begin­nt in München das Okto­ber­fest.

Gegen alle Beteiligten wurde ein Ermit­tlungsver­fahren wegen des Ver­dachts
der Vor­bere­itung eines Sprengstof­fver­brechens sowie eines Ver­brechens nach
dem Kriegswaf­fenkon­trollge­setz ein­geleit­et. Gegen die 18-jährige Frau sowie
die Män­ner aus München sei Haft­be­fehl beantragt wor­den. Der Polizeis­prech­er
schwieg zu der Frage, ob die Beschuldigten Geständ­nisse abgelegt haben. “Wir
sind noch mit­ten in ein­er großen Ermit­tlung und damit lange nicht am Ende”,
sagte er.

Im Sep­tem­ber 1980 hat­te ein Recht­sradikaler einen Sprengstof­fan­schlag auf
das Münch­en­er Okto­ber­fest verübt. Dabei waren 13 Men­schen, darunter auch der
Atten­täter, ums Leben gekom­men.

Keine Spur nach Sach­sen

Dass der Fund in München mit dem Sprengstof­fkof­fer zusam­men­hängt, der Anfang
Juni dieses Jahres auf einem Bahn­steig des Dres­den­er Haupt­bahn­hofs gefun­den
wurde, kon­nte die säch­sis­che Polizei am Mittwoch auss­chließen. “Wir haben
bei unseren bay­erischen Kol­le­gen nachge­fragt, aber es gibt kein­er­lei
Bezugspunk­te”, sagte Lothar Hofn­er, der Sprech­er des säch­sis­chen
Lan­deskrim­i­nalamtes, der Berlin­er Zeitung.

Münch­n­er Polizei ver­hin­dert Bombe­nan­schlag

Sechs Per­so­n­en aus der recht­sex­tremen Szene festgenom­men — Keine genauen Atten­tat­spläne bekan­nt

(BM) München — Die Münch­n­er Polizei hat einen offen­bar von Recht­sex­trem­is­ten
geplanten Bombe­nan­schlag ver­hin­dert. Wegen des Ver­dachts der Vor­bere­itung
eines Sprengstof­fver­brechens nah­men die Ermit­tler fünf Män­ner und eine Frau
fest. Vier von ihnen gehören nach Polizeiangaben der recht­sex­tremen Szene
an. Wie die Polizei weit­er mit­teilte, fan­den die Beamten bei
Haus­durch­suchun­gen unter anderem rund 14 Kilo­gramm sprengstof­fverdächtiges
Mate­r­i­al — darunter 1,7 Kilo­gramm TNT -, Hand­granat­en, Schuss­waf­fen,
Sturmhauben, Muni­tion und umfan­gre­iche schriftliche Unter­la­gen. Ob
tat­säch­lich bere­its ein konkreter Anschlag geplant war, ste­ht nach Angaben
von Polizeis­prech­er Peter Reichl bish­er nicht fest. Innen­min­is­ter Gün­ther
Beck­stein (CSU) wertete den Ermit­tlungser­folg als Zeichen für das
entsch­iedene Vorge­hen Bay­erns gegen Neon­azis und Skin­heads. Die
Staat­san­waltschaft leit­ete gegen ein Ermit­tlungsver­fahren ein.

Nach Angaben von Polizeis­prech­er Reichl wur­den die Verdächti­gen am Mittwoch
“pausen­los” ver­hört. Ohne weit­eres hätte aus dem sichergestell­ten Mate­r­i­al
eine Bombe gebastelt wer­den kön­nen. Wann und wo ein Anschlag hätte
stat­tfind­en sollen, sei allerd­ings noch unklar.

Auf die Schliche kam die Polizei der Gruppe nach ein­er Schlägerei im Juli,
bei der ein 23-Jähriger von zwei ehe­ma­li­gen Skin­head-Kol­le­gen vor ein­er
Münch­n­er Gast­stätte zusam­mengeschla­gen wurde. Die bei­den 27 und 33 Jahre
alten Män­ner wur­den wegen ver­suchter Tötung ver­haftet. Bei ein­er
Haus­durch­suchung wur­den in der Woh­nung des 27-Jähri­gen Sprengstoff und
Waf­fen ent­deckt.

Eine wegen der daraufhin “nahe liegen­den Gefahr eines geplanten Anschlags”
gegrün­dete Son­derkom­mis­sion ver­haftete schließlich am Dien­stag bei ein­er
groß angelegten Durch­suchungs- und Fes­t­nah­meak­tion in München zwei Män­ner im
Alter von 27 und 23 Jahren und eine 18-jährige Frau. Außer­dem wur­den zwei
37-jährige Män­ner in Bran­den­burg und Meck­len­burg-Vor­pom­mern vor­läu­fig
festgenom­men.

Explo­siv­er Fund in rechter Szene

Polizei fand bei Durch­suchun­gen in der recht­sex­tremen Szene in München 14
Kilo­gramm Sprengstoff. Fünf Neon­azis in Bay­ern, Meck-Pomm und Bran­den­burg
ver­haftet, darunter Anführer Mar­tin Wiese. Ort und Zeit eines geplanten
Anschlags noch unklar

(TAZ) Die bay­erische Polizei hat möglicher­weise einen größeren Sprengstof­fan­schlag
von Mit­gliedern der recht­sex­tremen Szene ver­hin­dert. Bei mehreren
Durch­suchun­gen im Münch­n­er Süden und im Vorort Unter­schleißheim stell­ten
Ermit­tler des Lan­deskrim­i­nalamtes und ein­er Münch­n­er Kripo am Dien­stag
ins­ge­samt 14 Kilo­gramm Sprengstoff sich­er, darunter 1,7 Kilo­gramm TNT. Nach
Angaben eines Polizeis­prech­ers han­delt es sich um einen der größten
Sprengstoff-Funde in der recht­sex­tremen Szene in Deutsch­land. Unklar ist
bis­lang, wo ein Anschlag verübt wer­den sollte. Dage­gen stellte der Münch­n­er
Polizeivizepräsi­dent Jens Vier­ing fest, “dass man mit dieser
Sprengstoff­menge einen Anschlag mit erhe­blichen Fol­gen hätte verüben
kön­nen”.

Ins­ge­samt wur­den im Zusam­men­hang mit dem Fund drei Recht­sex­treme in Bay­ern
sowie zwei in Bran­den­burg und Meck­len­burg-Vor­pom­mern ver­haftet, ein weit­er­er
Tatverdächtiger saß bere­its in Haft — er brachte die Polizei erst auf die
Spur. Im Juli dieses Jahres ver­prügelte der Skin­head zusam­men mit einem
Fre­und einen Exkam­er­aden, der sich von der recht­en Szene los­ge­sagt hat­te.
Die Täter wur­den kurz darauf ver­haftet und sitzen wegen ver­suchter Tötung im
Gefäng­nis.

Durch Woh­nungs­durch­suchun­gen und Vernehmungen verdichteten sich Ver­mu­tun­gen,
dass zumin­d­est ein­er von ihnen Sprengstoff und Waf­fen ver­steckt haben
kön­nte. Neben dem Sprengstoff wur­den auch Hand­granat­en, scharfe Pis­tolen,
Muni­tion und ein Stahlrohr sichergestellt. Richard V&ou
ml;st vom bay­erischen LKA
betonte, dass man mit­tels eines solchen Stahlrohrs eine gefährliche
Split­ter­bombe her­stellen kann. Zwei ähn­liche Bomben mit ins­ge­samt 1,3
Kilo­gramm TNT hat­te der Recht­sex­trem­ist Gun­dolf Köh­ler 1980 auf dem Münch­n­er
Okto­ber­fest gezün­det — damals kamen 13 Men­schen um, darunter auch der
Atten­täter. Dass möglicher­weise ein erneuter Anschlag auf die in anderthalb
Wochen begin­nende “Wiesn” geplant war, wies Polizeivizepräsi­dent Vier­ing als
“völ­lige Speku­la­tion” zurück. Trotz­dem ermit­telt nun eine 20-köp­fige
Son­derkom­mis­sion namens “TNT”, ob weit­ere Sprengstof­fan­schläge geplant sein
kön­nten.

Laut Polizei lagen zunächst keine Erken­nt­nisse über genaue Anschlagspläne
oder ‑ziele vor. Derzeit werde das bei den Durch­suchun­gen beschlagnahmte
Mate­r­i­al — darunter zahlre­iche Aktenord­ner und eine Com­put­er-Fest­plat­te -
von Experten unter­sucht. Dabei werde auch ein möglich­er Zusam­men­hang mit dem
vere­it­el­ten Sprengstof­fan­schlag auf den Dres­d­ner Haupt­bahn­hof im Juni
über­prüft. Bis­lang sei allerd­ings kein Zusam­men­hang erkennbar, sagte ein
Polizeis­prech­er. Nähere Erken­nt­nisse erhofften sich die Ermit­tler von der
Analyse des Sprengstoffs. Offen­bar sei das TNT in müh­samer Kleinar­beit “aus
Granat­en oder Minen her­aus­gepult wor­den”, sagte LKA-Sprech­er Vöst.

Bei den Festgenomme­nen han­delt es sich um Ange­hörige der
Neon­azi-Organ­i­sa­tion “Kam­er­ad­schaft Süd”, laut Polizei ein Zusam­men­schluss
von 30 bis 40 Recht­sex­tremen vor­wiegend aus der recht­en Skin­head-Szene. Auch
deren Anführer Mar­tin Wiese, 27, wurde ver­haftet. Er gilt als ein­er der
Drahtzieher der Neon­azi-Szene in Süd­deutsch­land. Im ver­gan­genen Novem­ber
meldete er zusam­men mit den bun­desweit bekan­nten Neon­azis Chris­t­ian Worch
und Stef­fen Hup­ka eine Demon­stra­tion gegen die Neuau­flage der
Wehrma­cht­sausstel­lung in München an. Im März leit­ete Wiese vor dem
US-Trup­penübungsplatz Grafen­wöhr eine Kundge­bung von Recht­sex­trem­is­ten gegen
den Irakkrieg. Ein Ermit­tlungsver­fahren wegen ver­sucht­en Totschlags gegen
ihn wurde eingestellt.

Wiese stammt wie die meis­ten Mit­glieder der “Kam­er­ad­schaft Süd” aus den
neuen Bun­deslän­dern. Trotz der offenkundi­gen Ver­net­zung zwis­chen
organ­isierten Neon­azis aus dem Süden und dem Osten Deutsch­lands ermit­telt
die Staat­san­waltschaft in München bis­lang nicht wegen der Bil­dung ein­er
krim­inellen Vere­ini­gung — es fehle an den nöti­gen Struk­turen, sagte Sprech­er
August Stern.

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