24. Februar 2005 · Quelle: MAZ

Mutig und geradlinig

(MAZ, 21.2.) ORANIENBURG “Ich bin ein Jude”, zwang ihn die SS auf dem Appellplatz zu
rufen, kurz nach sein­er Ankun­ft im Konzen­tra­tionslager Sach­sen­hausen. “Ich
bin ein Men­sch”, ent­geg­nete Friedrich Weißler. Wenige Tage später wurde er
im Zel­len­bau des Konzen­tra­tionslagers ermordet. 

Am 68. Jahrestag seines Todes, wei­hte die Evan­ge­lis­che Kirche in Deutschland
am Sonnabend eine Stele für Friedrich Weißler in der Gedenkstätte
Sach­sen­hausen ein. Weißler war Jurist und ein Protes­tant mit jüdischer
Herkun­ft. Nach sein­er Ent­las­sung aus dem Richter­amt 1933 durch die Nazis
arbeit­ete er aktiv in der Beken­nen­den Kirche, einem Flügel der evangelischen
Kirche, der sich den Nazis nicht anschließen wollte. Er war Mitverfasser
ein­er Protestschrift an Hitler, in der die Rassenide­olo­gie, die SS sowie die
Konzen­tra­tionslager scharf kri­tisiert wur­den. Als das Doku­ment 1936 ins
Aus­land gelangte, wurde ihm dies zu Unrecht ange­lastet und man brachte ihn
nach Sachsenhausen. 

Auf der Gedenk­feier war der Sohn Friedrich Weißlers, Johannes Weißler,
anwe­send, eben­so wie der Vor­sitzende des Rates der Evan­ge­lis­chen Kirche in
Deutsch­land, Wolf­gang Huber, und die Bun­desjus­tizmin­is­terin Brigitte
Zypries. 

Die Min­is­terin sagte in ihrer Rede, die von Weißler mitformulierte
Protestschrift sei “ein einzi­gar­tiges Zeug­nis der Auflehnung der evangelisch
en Kirche gegen die Dik­tatur”. Noch heute gelte sie als eines der
wichtig­sten Doku­mente vor allem gegen den Anti­semitismus. Auch wenn die
Erin­nerung an Weißler erst spät komme, es sei wichtig, “dass wir uns an
Men­schen wie Friedrich Weißler erin­nern. Diese Stele ist gleichzeitig
Mah­nung an uns alle, Ver­ant­wor­tung dafür zu übernehmen, dass sich solches
nie wieder­holt”, sagte die Ministerin. 

Wolf­gang Huber von der Evan­ge­lis­chen Kirche nan­nte Weißler einen “muti­gen
und ger­adlin­i­gen Men­schen”. Nicht nur die Reich­skirche, die auf Seit­en der
Nation­al­sozial­is­ten stand, habe Weißler damals in sein­er Not ver­lassen. Auch
die Beken­nende Kirche habe ihm nicht beige­s­tanden. “Wir tra­gen als Kirche
schw­er an dem, was Friedrich Weißler ange­tan wurde. Die Evan­ge­lis­che Kirche
in Deutsch­land gedenkt Friedrich Weißlers in Scham und Dankbarkeit”, sagte
Huber. 

Die Stele wurde von Huber und Johannes Weißler enthüllt. Der Sohn Friedrich
Weißlers sagte, er sei “sehr bewegt, dass so viele Leute gekom­men sind”. 

Die Gedenkver­anstal­tung wurde von der Stiftung Brandenburgische
Gedenkstät­ten mitor­gan­isiert. Anwe­send waren mehr als 300 Gäste, darunter
Poli­tik­er, Kirchen­leute und Diplomaten.

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