14. Mai 2003 · Quelle: TAZ

Nach rassistischem Angriff droht Abschiebung

Togolese, der im Dezem­ber in Rathenow ange­grif­f­en wurde, soll abgeschoben wer­den. Unter­stützer für Bleiberecht

(TAZ, Heike Kleffn­er) Ein 40-jähriger Togolese, der im Dezem­ber Opfer eines recht­en Angriffs in
Rathenow wurde, soll vom Land­kreis Havel­land abgeschoben wer­den. In der
Nacht zum Mittwoch sollte Ora­bi Mamavi, aktives Mit­glied der togole­sis­chen
Oppo­si­tion und seit acht Jahren als Asly­suchen­der in Deutsch­land, gemein­sam
mit sechs anderen zur zwangsweisen Iden­titäts­festel­lung und Beschaf­fung von
Reise­doku­menten im BGS-Bus zur so genan­nten Sam­melvor­führung zur
togole­sis­chen Botschaft nach Bonn gebracht wer­den. Beim Lan­drat­samt
Havel­land hieß es, die “Vor­führung” diene zur Vor­bere­itung der Abschiebung.

Dass Ora­bi Mamavi am 23. Dezem­ber 2002 bei einem ras­sis­tis­chen Angriff Kopf-
und Augen­ver­let­zun­gen erlitt, “ist der Aus­län­der­be­hörde nicht bekan­nt”,
erk­lärte deren Sprecherin Petra Müller. Damals war Mamavi vom Rathenow­er
Sozialamt zum Schneeräu­men verpflichtet wor­den. Auf dem Weg zum Ein­sat­zort
wur­den Mamavi und ein Begleit­er von einem 24-Jähri­gen zunächst mit Sprüchen
wie “Nig­ger, geh nach Hause” beschimpft und dann geschla­gen. Der Togolese
lei­det psy­chisch und kör­per­lich noch immer an den Fol­gen des Angriffs: Ein
Schlag traf ihn am linken Auge, das durch eine Augenkrankheit ohne­hin schon
geschädigt ist.

Nun wartet Mamawi auf das juris­tis­che Nach­spiel. Die Staat­san­waltschaft
Pots­dam ermit­telt gegen den Täter wegen Kör­per­ver­let­zung, ein erstes
Gespräch im Rah­men des so genan­nten Täter-Opfer-Aus­gle­ichs fand am Mon­tag
statt. “Der Fall zeigt deut­lich, dass ein Bleiberecht für Opfer rechter
Gewalt drin­gend notwendig ist”, betont Kay Wen­del vom Pots­damer Vere­in
Opfer­per­spek­tive. “Ger­ade in Rathenow, wo es immer wieder zu Angrif­f­en auf
Flüchtlinge kommt, hätte das eine Sig­nal­wirkung auf die Täter und ihr
Umfeld.” Bran­den­burgs Innen­min­is­ter Jörg Schöhn­bohm (CDU) hat bis­lang eine
der­ar­tige Bleiberecht­sregelung eben­so wie eine Härte­fal­lkom­mis­sion
abgelehnt.

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