14. November 2006 · Quelle: Soligruppe Potsdam

Nachtrag: 15. Prozesstag im Potsdamer Antifa-Verfahren

(25.10.2006) Am heuti­gen Tag sagte als erstes der Zeuge Stude aus, dieser ist Polizist. In der Nacht vom 18. auf den 19. Juni des let­zten Jahres war er Kom­mis­sari­at­sleit­er vom Dienst. Er sei nach der ersten Schilderung des Vor­falls zunächst von einem ver­sucht­en Totschlag aus­ge­gan­gen, der dien­sthabende Staat­san­walt habe aber zunächst die Strafver­fol­gung als gefährliche Kör­per­ver­let­zung ver­fügt. Stude berichtete weit­er von der Vernehmung ein­er der Angeklagten, diese habe erzählt, dass sie mit der Sache nichts zu tun habe und einen weit­eren Mitbeschuldigten erkan­nt hätte, dieser sei in ein­er Gruppe die sich von der Hege­lallee in Rich­tung Cafè Hei­der bewegte, der Let­zte gewesen. 

Als näch­stes sagte Sebas­t­ian Horne­mann aus, er saß zur Tatzeit im Dai­ly Cof­fee, als er Krach gehört habe. Er habe gese­hen wie das Opfer über Tis­che und Stüh­le stürzte und von 4 Angreifern umringt wurde. Wobei er nur zwei der Angreifer habe Schlag­be­we­gun­gen vollführen sehen. Diese wären alle­samt schwarz gek­lei­det gewe­sen, hät­ten Ski­masken auf dem Kopf gehabt und hät­ten von der Statur her ein ins­ge­samt sehr homo­genes Bild abgegeben. Dieser Vor­fall dauerte höch­stens 20 Sekun­den, dann ran­nten die Angreifer in Rich­tung der Hege­lallee davon. Direkt danach sei das Opfer aufge­s­tanden und habe den Tätern nachgeschaut, er habe bei ihm eine kleine Kopf­platzwunde sehen kön­nen. Ein bis zwei Minuten später seien dann zwei Kell­ner eben­falls in Rich­tung Hege­lallee ger­an­nt und hiel­ten einen der Beschuldigten fest. Eine weit­ere Beschuldigte, die neben ihm am Dai­ly Cof­fee ges­tanden hätte, sei dann mit dem Ruf “Hal­tet sie fest, sie hat Dro­gen” fest­ge­hal­ten und zum Platz vor dem Nauner Tor gebracht wor­den. Hier­nach habe Horne­mann beobachtet, wie eine Per­son mit Base­cap, die sich auf der Friedrich-Ebert-Straße mit anderen Men­schen unter­hielt, dann plöt­zlich in einem Polizeiau­to saß, ihn habe befremdet, dass dieser Men­sch als Beschuldigter behan­delt wurde. 

Hier­nach sagte der Polizist Blöss aus. Er habe per Funk von einem Vor­fall am Cafe Hei­der erfahren, bei dem sich mehrere Ver­mummte miteinan­der schla­gen wür­den. Am Tatort angekom­men sei die Berlin­er Polizistin Karo­la Meinelt auf den Streifen­wa­gen zuger­an­nt gekom­men, zu diesem Zeit­punkt befan­den sich ca. 20–25 Per­so­n­en vor dem Cafe. Die Polizistin habe ihm dann von einem Über­fall, von vier bis fünf Ver­mummten berichtet. Dann habe sie zunächst auf eine Per­son gezeigt, der von einem Kell­ner fest­ge­hal­ten wurde und diesen als den Täter benan­nt der mit dem Schlag­stock zugeschla­gen habe. Danach habe die Polizistin auf Julia gezeigt und diese als Mit­tä­terin belastet. Auf Nach­frage des Polizis­ten Blöss, habe sie dann auch zwei weit­ere Anwe­sende Per­so­n­en als Täter benan­nt, die eine habe sie wegen ihrer schwarzen Haare erkan­nt, den anderen auf­grund sein­er Statur. Weit­er berichtete der Polizist, dass alle Beschuldigten auf­fal­l­end ruhig gewe­sen seien. Bei der Tatortbesich­ti­gung habe er dann auch Blut auf ein­er Gehweg­plat­te gese­hen, dieses aber nicht gesichert. 

Als let­zter Zeuge sagte an diesem Tag dann Matthias B. aus. Dieser sei am besagten Abend zunächst mit seinem Fre­und Hagen T. im Hafthorn gewe­sen, als sie dieses ver­ließen hät­ten sie dann einige schwarz gek­lei­dete Per­so­n­en die Friedrich-Ebert-Straße in Rich­tung Nauner Tor langlaufen. Julia habe sich kurz mit Hagen unter­hal­ten und dabei sehr außer Atem gewirkt, sei dann aber in Rich­tung Nauner Tor weit­er ger­an­nt. Matthias und sein Fre­und seien dann mit dem Fahrrad hin­ter­herge­fahren. Am Nauner Tor angekom­men habe er gese­hen, wie eine schwarz gek­lei­dete Per­son von Kell­nern und “sportlichen Män­nern” fest­ge­hal­ten wurde, diese sei eben­so wie Julia, unver­mummt gewe­sen. Ob diese Per­son zu der Gruppe gehörte, die er auf der Friedrich-Ebert-Straße gese­hen habe, konte der Zeuge nicht sagen. Desweit­eren habe er mit­bekom­men, wie Julia von einem Mann mit far­biger Ober­bek­lei­dung geschla­gen wurde, dann sei die Polizei eingetroffen. 

Der Prozess wird am Mon­tag den 6. Novem­ber um 13.00 Uhr fort­ge­set­zt werden. 

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