9. November 2005 · Quelle: Antifaschistische Recherchegruppe

Nachwuchsnazis verunsichern Rathenow und Premnitz

Im Umfeld der ver­bote­nen Kam­er­ad­schaften „Hauptvolk“ und „Sturm 27“ tum­melt sich eine neue recht­sex­treme Grup­pierung, die im Raum Rathenow/Premnitz für Unruhe sorgt. Neue Impulse gehen jedoch nicht von ihr aus, die Retro – Nazis set­zen wie eh und je auf Gewalt und NS – Ver­her­rlichung.

Zum Phänomen des Recht­sex­trem­is­mus in Rathenow gehört es, das sich die Szene von Gen­er­a­tion zu Gen­er­a­tion immer wieder selb­st repro­duziert und 15 Jahre nach der Zusam­men­find­ung der ersten Gen­er­a­tion von Sauf – und Rauf­nazis diese in Art und Weise – plaka­tiv Gewalt­tat­en verüben und Nazi­parolen grölen – bemerkenswert ver­sucht zu kopieren.

Derzeit gibt es neben den bei­den fes­ten (ver­bote­nen) Kam­er­ad­schaften „Sturm 27“ und „Hauptvolk“ (jet­zt „Ver­botene Fre­und­schaft“) und dem Rathenow­er NPD Ortsver­band eine neue Gruppe jugendlich­er Recht­sex­trem­is­ten, die seit eini­gen Wochen für Unruhe im Raum Rathenow / Prem­nitz sorgt.
Die Mit­glieder, die sich zum Teil schon seit 2–3 Jahren in der Szene – auf­grund auch famil­iär­er Bindung im Umfeld der bei­den ver­bote­nen Kam­er­ad­schaften sozial­isiert– bewe­gen sind keine Unbekan­nten und waren bere­its in Bezug auf Über­griffe auf Aus­län­der und Linksori­en­tierte auf­fäl­lig.
Seit 2005 tritt diese neue unge­fähr 20 – 25 köp­fige Gruppe, von der bish­er keine Eigen­beze­ich­nung bekan­nt ist, und zu der u.a. Ste­fan D., Thomas K., Mick F., Ben­jamin Kö., Peer D. (Rathenow) sowie u.a. Christo­pher R., Sören S., Kevin H., Nor­man W., David Z. (Prem­nitz) gehören, jedoch zunehmend selb­st­be­wusster auf.

Zwar fehlt noch der endgültige poli­tis­che Schliff – beispiel­sweise wur­den von der Gruppe ein­er­seits während der diesjähri­gen Bun­destagswahl NPD Aufk­le­ber verklebt und ander­er­seits einige Tage später Wahlboykot­taufrufe des Schutzbund Deutsch­land verteilt — in der Frage der Gewalt­bere­itschaft und des Pro­leten­im­age ste­ht sie dem Rest der regionalen recht­sex­tremen Szene in nichts nach.
Bish­eriger Tief­punkt in der Kar­riere der Gang war der ver­suchte Bran­dan­schlag auf den Jugend­club Prem­nitz im Juni 2005, der dann so gle­ich zu einem Run­dum­schlag der Polizei – in Form ein­er Razz­ia von 18 Woh­nun­gen – führte.
Jedoch ähn­lich wie bei den Ver­boten der Kam­er­ad­schaften „Hauptvolk“ und „Sturm 27“ fruchtete auch hier die polizeiliche Repres­sion nicht. Spätestens am Dachs­bergfest Ende August 2005 war die Gruppe wieder mas­siv unter­wegs. Allein die Polizei ver­hin­derte, eige­nen Angaben zufolge, hier erneute Auss­chre­itun­gen. Erst nach dem Rathenow­er Stadt­fest Anfang Sep­tem­ber 2005, als 15 Nazipro­voka­teure um Ben­jamin Kö. und Peer D. nach dem abgrölen von Parolen vor ein­er größeren Gruppe Linksori­en­tiert­er, des Platzes ver­wiesen wur­den, herrschte einige Tage rel­a­tive Ruhe.

Seit nun­mehr drei Wochen ist die Gruppe um die oben genan­nten Per­so­n­en nun wieder aktiv­er. Am Fre­itag, vor drei Wochen fuhr beispiel­weise ein bekan­nter rot­er PKW, in dem u.a. Mick F., Peer D., und Ben­jamin Kö. saßen, mehrmals vor der Diskothek „Musik­brauerei“ vor­bei. Aus dem Auto wurde laut­stark „Sieg Heil“ und plaka­tiv der Hit­ler­gruß skandiert und später noch eine Flasche später gewor­fen.
Am darauf­fol­gen­den Fre­itag wur­den dann einige der Nazipro­voka­teure, u.a. Mick F., Ben­jamin Kö. und Peer D. von mehreren Linken in der Rathenow­er Innen­stadt angetrof­fen und ver­bal zur Rede gestellt. Da dies den Sieg-Heil-Brüllern aber unan­genehm war, wurde sofort Ver­stärkung, u.a. Mit­glieder der ver­bote­nen Kam­er­ad­schaft „Sturm 27“ und des NPD Ortsver­ban­des, mobil­isiert um eine Großau­seinan­der­set­zung zu provozieren. Kurz vor der Eskala­tion unter­ban­den jedoch Polizeikräfte die Kon­fronta­tion.
Abschreck­en kon­nten die polizeilichen Maß­nah­men aber nur eine Woche. Ver­gan­genen Fre­itag krachte es dann richtig.
In den frühen Abend­stun­den war eine Gruppe von ca. 6 Recht­sex­trem­is­ten an einem Tre­ff­punkt von mehrere jun­gen Linken am Kör­graben vor­beige­zo­gen und hat­te einen der dort anwe­senden Jugendlichen geschub­st. Da dies aber offen­bar nicht aus­re­ichte, kamen die Per­so­n­en, darunter Ste­fan D. Mick F. und Ben­jamin Kö., wieder und gröl­ten Nazi­parolen. Dann fing die Gruppe an Flaschen zu wer­fen, musste sich aber auf­grund des ungün­stigeren Zahlen­ver­hält­niss­es zum Märkischen Platz zurückziehen, bevor schließlich das Ein­tr­e­f­fen von Polizeip­kws den endgülti­gen Abbruch der Auseinan­der­set­zung bewirk­te.
Das es in den näch­sten Wochen weit­er­hin zu Auseinan­der­set­zun­gen kom­men kön­nte scheint vor­pro­gram­miert, da sich die Gruppe offen­bar in der Region etablieren will.

Antifaschis­tis­che Recherchegruppe

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