11. September 2005 · Quelle: Berliner Zeitung

Nationaler Deutsch-Pop zur Einheitsfeier

(Berlin­er Zeitung, 9.9.) POTSDAM. Die bran­den­bur­gis­che Staatskan­zlei hat aus­gerech­net das Duo Paul
van Dyk und Peter Hep­p­n­er, Pio­niere eines nationalen Deutsch-Pop, zur
zen­tralen Ein­heits­feier nach Pots­dam ein­ge­laden. Dort sollen sie am Vor­abend
des 3. Okto­ber gemein­sam mit dem Fil­morch­ester Babels­berg ihren Song “Wir
sind wir” (Ein Deutsch­land­lied) dar­bi­eten. Bran­den­burg richtet den zen­tralen
Staat­sakt dieses Jahr aus. In jen­em Hit vom Som­mer 2004 wird an das
Selb­st­wert­ge­fühl der Deutschen appel­liert — mit fol­gen­den Textzeilen: “Wir
ste­hen hier aufgeteilt besiegt und doch / schließlich leben wir ja noch /
wir sind wir / wir ste­hen hier .… so schnell kriegt man uns nicht klein”.
In dem dama­li­gen Video sind neben der Reich­stags-Inschrift “Dem deutschen
Volke” auch Auss­chnitte des Bern­er WM-Fußball­fi­nales von 1954 und Bilder vom
Mauer­fall zu sehen.

“Ich halte die Ein­ladung für prob­lema­tisch”, sagte Grü­nen Lan­deschef Joachim
Gessinger am Don­ner­stag der Berlin­er Zeitung. “Statt der Auseinan­der­set­zung
mit Geschichte zele­bri­ert die Band den hohlen Pathos der
Selb­stvergewis­serung”. Kri­tik kam auch von der Linkspartei: “Es ist
fraglich, ob die Poli­tik ein­er solchen Band eine Bühne geben sollte”, sagte
Torsten Krause, der jugend­poli­tis­che Sprech­er der PDS-Frak­tion. Bands, über
die in der Öffentlichkeit wegen nation­al­is­tis­ch­er Ten­den­zen disku­tiert
werde, soll­ten sich von solchen Vor­wür­fen dis­tanzieren, so Krause. Auch
Heinz-Joachim Lohmann, Vor­sitzen­der des Aktions­bünd­niss­es gegen Gewalt,
Frem­den­feindlichkeit und Recht­sex­trem­is­mus ist besorgt: “Ich finde es fatal,
wenn man 60 Jahre nach Kriegsende den 8. Mai 1945 immer noch als Nieder­lage
und nicht als Befreiung darstellt”, sagte Lohmann mit Blick auf die oben
zitierte Textzeile.

Man­fred Füger, Pots­damer Pro­jek­tleit­er der Ein­heits­feier, wies die Kri­tik
zurück: Das Lied ver­mit­tele einen Auf­bruch nach depres­siv­er Stim­mung und
werde von einem Ost-West-Duo inter­pretiert. Der Kün­stler Paul van Dyk, in
Eisen­hüt­ten­stadt geboren, gibt im Inter­net an, von einem Film über die WM
1954 zu dem Song­text inspiri­ert wor­den zu sein. DJ van Dyk: “Wie im Jahre
1954, so haben auch heute viele Deutsche in Ost und West Teile ihres
Selb­st­wert­ge­fühls ver­loren.”

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