7. Februar 2015 · Quelle: Presseservice

Nauen: Unbekannte hissen Banner und verkleben Plakate gegen geplantes Asylbewerberheim / Dubiose „Bürgerinitiativen“ formieren sich

Titelbild
Während in der Stadtverord­neten­ver­samm­lung der Kle­in­stadt Nauen (Land­kreis Havel­land) noch kon­tro­vers über einen Stan­dort ein­er Unterkun­ft für unge­fähr 250 Asyl­suchende disku­tiert wird, haben jet­zt offen­bar auch Unbekan­nte die Ini­tia­tive ergrif­f­en und sich eben­falls zum The­ma posi­tion­iert. Im Gegen­satz zum schwarze-Peter-Spiel der Abge­ord­neten, um den geeignet­sten Platz, scheinen diese Per­so­n­en hinge­gen eine fun­da­men­tale Ablehnung zur Auf­nahme von Flüchtlin­gen und Asyl­suchen­den zu propagieren. Nach ein­er ersten Ban­ner­ak­tion gegen geplante Unterkün­fte am 28. Jan­u­ar 2015, die auch auf der Inter­net­seite der neon­azis­tis­chen Vere­ini­gung „Freien Kräften Neuruppin/Osthavelland“ Erwäh­nung fand, fol­gten gestern und heute früh weit­ere gle­ichar­tige Aktio­nen. Am Fre­itag­mor­gen war an einem leer­ste­hen­den Wohn­haus in der Damm­straße Ecke Herte­felder Straße ein Lak­en mit der Auf­schrift: „Nauen sagt Nein zum Asy­lanten­heim!“ aufge­taucht und am heuti­gen mor­gen eines mit der Auf­schrift: „Nein Nein Nein zum Asy­lanten­heim“, an der Bah­nun­ter­führung B273 (Graf Arco Straße). Bei­de Ban­ner wur­den inzwis­chen von Passant_innen ent­fer­nt, doku­men­tiert und der Polizei übergeben. Weit­er­hin waren heute Mor­gen u.a. in der Damm­straße, in der Garten­straße, in der Neue Str sowie schw­er­punk­t­mäßig im Wohnge­bi­et Karl Bernau Ring / am Bre­dow­er Weg / Feld­straße / Kreuz­taler Straße / Walde­mar­damm dutzende A3-Papi­er-Plakate mit der Auf­schrift „Nein zum Heim“ aufge­taucht. Der Walde­mar­damm 20 gilt übri­gens als der wahrschein­lich­ste Stan­dort des geplanten Asyl­be­wer­ber­heimes. Hierzu will die Stadt, nach ein­er Abstim­mungsver­schiebung bei der let­zten Stadtverord­neten­ver­samm­lung am 26. Jan­u­ar 2015, nun am 12. Feb­ru­ar 2015 Fak­ten schaf­fen. Entsprechend waren die genan­nten A3-Plakate for­muliert. „Ganz Nauen“ solle, nach dem Willen ein­er „Bürg­erinia­tive Nauen“, nun dort erscheinen, um das Heim zu ver­hin­dern.
„Zukun­ft Nauen“
Der plöt­zlich recht drastis­che Wider­stand kommt über­raschend. Bere­its am 17. Novem­ber 2014 wurde die Unter­bringung von Asyl­suchen­den in Nauen erörtert. Die Sitzung im Kreishaus wurde öffentlich bewor­ben, Inter­essen­ten seit­ens eines „besorgten“ Bürg­er­tums gab es jedoch keine. Auch nicht von der neuen Bürg­erini­tia­tive „Zukun­ft Nauen“, welche nun die ange­blich spär­liche Informierung zum Asyl­heim anprangert. In einem am 4. Feb­ru­ar 2015 veröf­fentlicht­en Posi­tion­spa­pi­er wird zudem mit den üblichen Vorurteilen gegen der­ar­tige Unterkün­fte gespielt. Das Heim liege zu nahe an ein­er Schule, ein­er Kita und einem Wohnge­bi­et. Zudem befän­den sich Gara­gen und eine Klein­gartensparte in der Nähe.
Welch­es Bild über Asyl­suchende wird hier entwick­elt? Die üblichen Stereo­type: alles Diebe und Krim­inelle. Da darf natür­lich auch nicht der Hin­weis fehlen, dass in einem Asyl­be­wer­ber­heim „Men­schen aus völ­lig unter­schiedlichen Kul­turkreisen mit kom­plett ver­schiede­nen Weltan­schau­un­gen … unweiger­lich aufeinan­der“ tre­f­fen. Als ob dies ein Indiz für krim­inelles Ver­hal­ten wäre. Der bit­tere Beigeschmack des Ras­sis­mus ist offen­sichtlich.
Hin­ter „Zukun­ft Nauen“ soll übri­gens der Nauen­er Heiko K. steck­en. Dieser ist auch Admin­is­tra­tor der Social­me­dia-Präsenz der „Nauen­er Patri­oten gegen die Islamisierung des Abend­lan­des“ (PEGIDA Nauen). Anson­sten ist nur recht wenig über ihn bekan­nt.
„Nein zum Heim in Nauen“
Eine typ­is­che NPD Kreation scheint hinge­gen die Social­me­dia-Präsenz „Nein zum Heim in Nauen“ zu sein. Diese ist seit Novem­ber 2014 online und wird seit dem fort­laufend aktu­al­isiert. In der Regel wer­den ein­er­seits Presse­berichte, ander­er­seits aber auch Artikel und State­ments der neurecht­en Zeitschrift „Junge Frei­heit“, der NPD Ini­tia­tive „Nein zum Heim in Bad Belzig“ oder der NPD sel­ber geteilt. Am 27. Jan­u­ar 2015 veröf­fentliche „Nein zum Heim in Nauen“ einen Artikel über eine Zusam­menkun­ft der Nauen­er Stadtverord­neten­ver­samm­lung am 26. Jan­u­ar 2015, der etwas später, am 2. Feb­ru­ar 2015, auch 1:1 auf der Social­me­dia-Präsenz der „NPD Hav­el Nuthe“ als Bericht des Stadtverord­neten Erik Brün­ing (NPD) pub­liziert wurde. In diesem wurde sich ein­mal mehr über eine ange­blich „man­gel­nde Infor­ma­tion­spoli­tik“ beschw­ert. Des weit­eren wurde darüber berichtet, dass es zu ein­er „laut­starken Diskus­sion zwis­chen Ein­wohn­ern und Bürg­er­meis­ter“ gekom­men sei und „der Saal kurz vor der Räu­mung durch die Polizei“ stand. Des Weit­eren, so „Nein zum Heim in Nauen“, soll „die kom­plette Frak­tion“ von „Bauern- und frisch­er Wind für Nauen“ sich ablehnend gegenüber des Heim­neubaus gezeigt haben, eben­so wie einige Mit­glieder von SPD und CDU. Dies trifft allerd­ings, laut MAZ, zumin­d­est zu let­zt genan­nter Behaup­tung so nicht zu. Grund­sät­zlich wurde zunächst erst ein­mal betont, dass gegen die Auf­nahme von Asyl­suchen­den nichts spricht. Lediglich der Stan­dort, neben einem von der Stadt aus­gewiese­nen sozialen Bren­npunkt, einem Plat­ten­bau­vier­tel am Rande Nauens, mache den ablehnen­den Abge­ord­neten sor­gen.
Doch genau auf diese Karte wollem jet­zt offen­bar auch die „Bürg­erini­tia­tiv­en“ set­zen, indem Sympathisant_innen heute an nahezu jedem Hau­sein­gang in diesem Gebi­et Plakate, mit dem Aufruf sich am 12. Feb­ru­ar 2015 zur Stadtverord­neten­ver­samm­lung einzufind­en und das Heim zu ver­hin­dern, anbracht­en.
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