8. Juli 2008 · Quelle: Rosen auf den Weg gestreut

Nazi-Aktivitäten in Bernau und Biesenthal

(Erschienen in 6.“Rosen auf den Weg gestreut” )

In der let­zten Aus­gabe wurde bere­its über die bevorste­hen­den Kom­mu­nal­wahlen im Sep­tem­ber in
Bran­den­burg berichtet. Nun fol­gt ein Text von aktiv­en Antifaschist_innen aus Bernau und
Biesen­thal – zwei Städte nordöstlich von Berlin (Land­kreis Barnim).

Part 1: Der „Alte Dor­fkrug“ in Schönow und die gestörte Ruhe

Die Stadt Bernau – auch bekan­nt als Hus­siten­stadt und schon immer eine rote Insel im braunen
Meer, trat in den let­zten Jahren vor allem durch seine alter­na­tive und antifaschistische
Jugend­szene in die Öffentlichkeit. Ver­suche von Bran­den­burg­er und Berliner
Neon­azikam­er­ad­schaften in den Jahren 2004 und 2005 in Bernau Fuß zu fassen scheiterten
kläglich. Doch seit eini­gen Monat­en sorgt der ca. 5.900 Einwohner_innen starke Ort­steil Schönow
für Gesprächsstoff.

Im ver­gan­genen Dezem­ber fand in ein­er Gast­stätte, dem „Alten Dor­fkrug“ in Schönow
der Lan­desparteitag der NPD statt. Daraufhin berichtete die Polizei Barn­im von regelmäßigen
monatlichen Tre­f­fen der NPD im Dor­fkrug. Im März diesen Jahres kam es dann zu einem weiteren
größeren Neon­az­itr­e­f­fen. Bei einem so genan­nten „Kam­er­ad­schaftsabend“ waren neben „freien
Kam­er­ad­schaftlern“ und NPD´lern aus Berlin und Bran­den­burg auch bekan­nte Neon­azis, wie Jörg
Häh­nel (seit kurzem NPD- Lan­desvor­sitzen­der Berlin) und Mike Sandow (NPD- Kreisvorsitzender
Barn­im-Uck­er­mark) anwe­send. Eben­so wie Michael „Lunikoff“ Regen­er, Sänger der verbotenen
Neon­az­iband „Landser“.

Seit eini­gen Jahren ist der „Alte Dor­fkrug“ im Besitz von Frau Spahn und ihrem Lebensgefährten.
Regelmäßi­gen find­en neben den bere­its erwäh­n­ten Ver­anstal­tun­gen, Konz­erte und Par­ties statt.
Gegen die Annahme, der Dor­fkrug habe schon lange finanzielle Prob­leme, und die NPD kam zur
recht­en Zeit mit dem nöti­gen Geld, spricht u.a.:

Punkt 1: Die Wirtin hat nicht nur ein finanzielles, son­dern auch ein ide­ol­o­gis­ches Inter­esse. So
sind Lebens­ge­fährte und beson­ders der Sohn selb­st aktiv in der recht­en Szene.
Neben örtlichen Neon­azis wur­den auch die so genan­nten „Recht­spop­ulis­ten“ — Verord­nete der
„Unab­hängi­gen Frak­tion“ der Bernauer Stadtverord­neten­ver­samm­lung, ehe­mals „Schill­partei“, bei
den NPD Ver­anstal­tun­gen in Schönow gese­hen. Diese Verbindung wun­dert nicht, so ist Mike
Sandow – Vor­sitzen­der der NPD Barn­im bei einem Mit­glied der, drei Per­so­n­en starken Fraktion,
als Haus­meis­ter angestellt ist.

Punkt 2: Bere­its im Sep­tem­ber 2004 sollte ein recht­sex­tremer Lieder­abend im Dor­fkrug stattfinden.
Dieser, zu dem sich bere­its 70 bis 80 Nazis ver­sam­melte, wurde schon im Vor­feld durch die Polizei
ver­hin­dert. Damals hat­ten auch die örtlichen Neon­azis der „Nationalen Jugend Barn­im“ und des
„Nationalen Bünd­nis Preußen“ zu dem Abend aufgerufen.

Punkt 3: Vor eini­gen Jahren sollte der Saal – weil er der einzige größere Raum in der Umgebung
ist — für Jugendliche im Ort geöffnet wer­den. Nach ersten Prob­le­men mit Wirt und Wirtin, die ihre
rechte Pro­pa­gan­da an den Jugendlichen aus­pro­bierten, suchte man nach einem anderen Ort für
die Jugendlichen.

Geht man nach der Orts­bürg­er­meis­terin Adel­heid Reimann (SPD) oder anderen Bürger_innen des
Ortes, stellen die regelmäßi­gen Tre­f­fen und Ver­anstal­tung jedoch kein Prob­lem dar. Da die Nazis
nicht offen­sichtlich mit Springer­stiefeln, Glatze und Bomber­jacke im Ort herum­laufen und Jagd auf
Migrant_innen, Homo­sex­uelle, Behin­derte oder Linke machen, son­dern „ordentlich“ und meist in
Anzü­gen auftreten, stört sich nie­mand an den Ver­anstal­tun­gen im Dorfkrug.
Die Bürger_innen wollen ihre Ruhe im Ort, deswe­gen sollte lieber nicht über die Nazis geredet
wer­den. Das kön­nte auch dem Anse­hen der ganzen Stadt schaden.


Im Alten Dor­fkrug in Schönow haben die Nazis nun einen „ruhiges Plätzchen“ gefun­den um sich
ungestört auf die kom­menden Wahlen vorzubereiten.

Doch es gibt einige Wenige, die nicht länger mit anse­hen wollen, wie sich die Nazis bre­it machen.
Z.B. sagte der örtliche Sportvere­in seine Wei­h­nachts­feier im ver­gan­genen Jahr im Dor­fkrug ab,
nach­dem bekan­nt wurde, dass dort der NPD- Lan­desparteitag stat­tfand. Verschiedene
Bürger_innen des Bernauer Net­zw­erkes für Tol­er­anz und Weltof­fen­heit, darunter auch
Schönower_innen, wollen nun im Ort aufklären.


Part 2: Biesen­thal: Mikey, die NPD und das Schulungszentrum

Immer wieder liest man in der Zeitung „NPD plant Schu­lungszen­trum“, NPD will Grundstück
erwer­ben“, etc. Zulet­zt gab es solch eine Ver­mu­tung Anfang Mai in Rheins­berg (Land­kreis
Ost­prig­nitz-Rup­pin). Nun hieß es Ende Mai in diversen Zeitun­gen: „Nazis im Flüchtlingsheim?“
oder auch „NPD will ins Asylbewerberheim“.

Der Grund: Die NPD sei bei ihrer fieber­haften Suche nach ein­er Immo­bilie endlich fündig
gewor­den. Das ehe­ma­lige Asyl­be­wer­ber­heim in Biesen­thal solle nun Schu­lungszen­trum werden.
Bere­its im August des let­zten Jahres hieß es, die NPD habe Inter­esse an einem Objekt, welches
bis dahin als so genan­ntes Asyl­be­wer­ber­heim genutzt wurde. Der Mietver­trag des Heimes lief im
März diesen Jahres aus und der Besitzer weigerte sich den Ver­trag zu ver­längern. Viele Zeitungen
berichteten, dass die NPD noch im Mai mit ersten Ver­anstal­tun­gen anfan­gen wolle. Der
Tagesspiegel, hat­te dies aus so genan­nten Sicher­heit­skreisen ver­nom­men. Dort heißt es weiter:
„In Biesen­thal habe die Partei offen­bar genau die Immo­bilie ent­deckt, die sie gesucht hat­te“. Auch
der Ver­fas­sungss­chutz bestätigt dies. Nur der Besitzer bestre­it­et gegenüber Stadt und Presse
einen Mietver­trag mit der NPD zu haben. Biesen­thals Bürg­er­meis­ter André Stahl kündigte an: “Wir
wer­den eine NPD-Ein­rich­tung ver­hin­dern und dabei alle Möglichkeit­en des Ord­nungs- und
Ver­wal­tungsrecht­es auss­chöpfen.“ Kurz darauf ver­an­lasste der Land­kreis Barn­im eine Verfügung
gegen eine mögliche Ansied­lung der NPD. Dem­nach dür­fen die Gebäude auf dem Gelände nicht
für einen Pen­sions­be­trieb genutzt werden.

Mit diversen Aktio­nen wehrt sich die Stadt nun gegen die Ansied­lun­gen der NPD:
Nach Bekan­ntwer­den der NPD Pläne, grün­dete sich ein Net­zw­erk gegen Rechts, welch­es zu
einem Friedens­ge­bet gegen die NPD aufrief. Ende Mai steck­ten junge Antifaschist_innen Fly­er in
Briefkästen in Biesen­thal um für die Kam­pagne „Keine Stimme den Nazis“ im Vor­feld der
Kom­mu­nal­wahlen aufmerk­sam zu machen. Weit­ere Aktio­nen sollen folgen.

Die Möglichkeit­en von Stadt, Land und Zivilge­sellschaft sich gegen die Ansied­lung der NPD zu
wehren, sehen allerd­ings nicht immer rosig aus. In einem Artikel des Tagesspiegel Mitte Juni,
wurde die Brisanz nun deut­lich­er: Auf dem Gelände wolle nicht nur die NPD einen „Stützpunkt“ für
die Kom­mu­nal­wahlen im Sep­tem­ber auf­bauen, auch für die neon­azis­tis­che Musik­szene oder
andere Neon­azivere­ini­gung wie die „Heimat­treue Deutsche Jugend“ (HDJ), sei es ein „ein
zen­trales Objekt“, das „bun­desweit in die Szene ausstrahlt“.

Ob Schu­lungszen­trum oder nicht, Biesen­thal ist hin­sichtlich neon­azis­tis­ch­er Aktiv­itäten kein
unbeschriebenes Blatt.

So wohnen der Vor­sitzende der NPD- Kreisver­ban­des Barn­im- Uck­er­mark Mike Sandow, welcher
sich im Dezem­ber 2006 grün­dete, und weit­ere NPD Mit­glieder in Biesen­thal. Ab und an trifft man
Mikey bei der Biesen­thaler Stadtverord­neten­ver­samm­lung oder liest Kom­mentare auf der
Inter­net­seite der Stadt.

Auch auf dem Inter­net­por­tal des NPD Kreisver­ban­des, dem „Nationalen Net­z­tage­buch“, find
en
sich anti­semi­tis­che und ras­sis­tis­che Äußerun­gen der Partei. Ende Mai bejubelte die NPD eine
Frau, die einen „dunkel­häuti­gen“ Mitar­beit­er der Berlin­er Verkehrs­be­triebe geschla­gen und
beschimpft hat­te. Im let­zten Jahr musste die Seite wegen ein­er anti­semi­tis­chen Äußerungen
vorüberge­hend offline gehen.

Weit­ere Infor­ma­tio­nen find­et ihr bei der Antifaschis­tis­chen Aktion Bernau www.antifa-bernau.tk und
unter www.inforiot.de

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