24. Juli 2013 · Quelle: Inforiot

Nazi-Konzert bei Waldbrandstufe IV

Neonazi-Konzert der „Märkischen Skinheads 88“ am Samstag - vermutlich in Finowfurt / antifaschistische Proteste angekündigt

INFORIOT Nach ein­er anfänglichen „Ver­wirrtak­tik“ der „Märkischen Skin­heads 88“ gehen Ken­ner der Szene davon aus, dass das für den kom­menden Sonnabend geplante Nazi-Konz­ert nicht im „Schweinestall“ in Viereck, son­dern im bran­den­bur­gis­chen Finow­furt stat­tfind­en wird. Laut einem Sprech­er des Land­kreis­es Vor­pom­mern-Greif­swald habe sich die “Option Viereck” erledigt. Somit scheint im Moment Finow­furt als Konz­er­tort bestätigt zu sein. Eine antifaschis­tis­che Protestkundge­bung ist indes für Sam­stag ab 14.30 Uhr am Erzberg­platz in Finow­furt angekündigt.

Auf dem Grund­stück des ehe­ma­li­gen DVUlers und neuen Lan­desvor­sitzen­den von „Die Rechte“ Klaus Mann in den Sand­stück­en fan­den in den let­zten Jahren häu­fig Neon­azi-Events statt. Erst im Mai hat­ten gegen ein dor­tiges Recht­srock­konz­ert rund 1000 Men­schen protestiert. Klaus Mann hat sein Gelände schon für Ver­anstal­tun­gen ver­schieden­er rechter Parteien und Strö­mungen vergeben. Das Grund­stück liegt in einem Waldge­bi­et am Rande der Auto­bahn bei Finow­furt. In Bran­den­burg wurde vor eini­gen Tagen wegen der anhal­tenden Trock­en­heit für alle Wälder die höch­ste Wald­brand­stufe IV ver­hängt.

Schlüs­sel­rolle in der Szene

Anmelder der Ver­anstal­tung ist der 25-jährige Vel­tener Robert Wolin­s­ki, der als Mit­glied der NPD-Jugen­dor­gan­i­sa­tion „Junge Nation­aldemokrat­en“ und des Kreisvor­standes Ober­hav­el der NPD schon seit län­ger­er Zeit in der Recht­srock-Szene aktiv ist. Nach der Tageszeitung Pots­damer Neueste Nachricht­en (PNN) kommt Wolin­s­ki im Nor­dosten Bran­den­burgs eine Schlüs­sel­rolle bei der Ver­anstal­tung von Rechts-Rock-Konz­erten zu. So wurde sein Name auch im Zusam­men­hang mit den Razz­ien gegen die Nazi-Band „Deutsch.Stolz.Treue.“ genan­nt.

Die für das Konz­ert am kom­menden Sonnabend angekündigten Grup­pen sind teil­weise seit Jahren bekan­nte Pro­tag­o­nis­ten in der Neon­azi-Musik­szene. „Time­bomb“ aus Schleswig-Hol­stein gehören eher zu den unbeschriebe­nen Blät­tern. Denn neben ihnen treten die Szen­evet­er­a­nen der seit 1992 existieren­den Cot­tbuser Band „Frontalkraft“ und die Sen­ften­berg­er von „Con­fi­dent Of Vic­to­ry“ auf. Auch die Dres­den­er Band „Hope For The Weak“ kon­nten sich bere­its durch mehrere Sam­pler­beiträge und Auftritte bei den ver­schieden­sten Rechts-Rock-Events einen Namen machen. Hier trifft tra­di­tioneller Rechts-Rock auf nation­al-sozial­is­tis­chen Hard­core (NSHC). Auf der einen Seite alt­back­en wirk­ende Rock-Musik mit sehr direk­ten Tex­ten und auf der anderen Seite mod­erne, dem links kon­notierten Hard­core-Punk entlehnte Musik, die in ihren Tex­ten dur­chaus sub­til­er herange­ht, aber trotz­dem die gle­iche men­schen­ver­ach­t­en­den und ras­sis­tis­chen Inhalte trans­portiert. Ger­ade diese „sub­kul­turellen“ Events bieten den Neon­azis ein enormes Mobil­isierungspo­ten­tial und sind für die „Szene“ somit unab­d­ing­bar. Laut Ver­anstal­ter wer­den 600 Teil­nehmer bei dem Konz­ert erwartet.

Zusam­me­nar­beit der Anti­nazi-Bünd­nisse

Die Ver­wirrtak­tik der Neon­azi-Gruppe aus dem Land­kreis Ober­hav­el führte aber nicht, wie von den Recht­sradikalen erwartet, zu ein­er schlep­pen­deren Gegen­mo­bil­isierung, son­dern zur Zusam­me­nar­beit der bei­den zivilge­sellschaftlichen Bünd­nisse in Viereck und Finow­furt. Es wer­den kurzfristig Shut­tle-Busse von dem jew­eils anderen Ort zum tat­säch­lichen Ort des Konz­ertes bere­it­gestellt.

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