3. Dezember 2007 · Quelle: Redok

Nazi-Traum von der “Sonderbehandlung”

Barn­im — Im “Nationalen Net­z­tage­buch” träumt ein NPD-Funk­tionär aus Bran­den­burg von “Son­der­be­hand­lung” für poli­tis­che Geg­n­er. Erst vor kurzem musste dieses Neon­azi-Blog wegen ein­er wüsten anti­semi­tis­chen Tirade vorüberge­hend schließen.

Als Anlass für die neuer­lichen Has­s­parolen dient die gestrige Demon­stra­tion in Berlin-Neukölln, mit der 500 — 600 Recht­sex­treme aus NPD und parteiun­ab­hängi­gen “Freien Kräften” die Ein­rich­tung eines “nationalen Jugendzen­trums” fordern woll­ten. An ein­er Gegen­demon­stra­tion nah­men etwa 700 — 800 Per­so­n­en teil. Während es bei diesen Demon­stra­tio­nen weit­ge­hend friedlich zug­ing, war es nach ver­schiede­nen Bericht­en bere­its im Vor­feld des Neon­azi-Auf­marsches bei S- und U‑Bahnhöfen zu Zusam­men­stößen von Nazigeg­n­ern und Recht­sex­tremen gekom­men. Laut Polizeiangaben gin­gen die Angriffe von Nazigeg­n­ern aus, fünf der ange­grif­f­e­nen Recht­en wur­den verletzt.

Im “Nationalen Net­z­tage­buch” wäh­nt heute ein “Julius Fär­ber” Zustände “wie in Zeit­en der Weimar­er Repub­lik”, als ein schwach­er Staat Ver­bote gegen die “nationale Oppo­si­tion” erlassen habe. Daher habe die Linke “Ober­hand” gewon­nen und “kom­mu­nis­tis­che Schläger­ban­den” seien “mar­o­dierend, plün­dernd, verge­walti­gend und mor­dend durch deutsche Städte” gezo­gen. Den weit­eren Ver­lauf der Zeit­geschichte stellt sich “Julius Fär­ber” mit einem leicht abge­wan­del­ten Zitat aus der Sport­palast-Rede von Josef Goebbels vor: “Und das Volk stand auf und der Sturm brach los”.

Das weit­ere Vorge­hen der Nazis gegen “Mit­glieder der roten Ver­brecher­parteien und ihre Helfer­shelfer” wird offen­sichtlich mit Freude und Zus­tim­mung beschrieben: laut dem NPD-“Netztagebuch” wur­den sie “geson­derten Behand­lun­gen zuge­führt”. Offen­bar hält der “Netztagebuch”-Autor es nicht für notwendig, die Meth­ode zu präzisieren, so wie sie etwa von Hein­rich Himm­ler in ein­er Dien­stan­weisung for­muliert wurde: “Die Son­der­be­hand­lung erfol­gt durch den Strang.” In Frage­form wird im “Net­z­tage­buch” schließlich der Wun­sch geäußert: “Wieder­holt sich Geschichte?”

Bere­its vor zwei Wochen hat­te das “Nationale Net­z­tage­buch” vorüberge­hend schließen müssen, nach­dem ein von Frem­den­hass und Anti­semitismus geprägter Text Poli­tik­er wie Bun­deskan­z­lerin Merkel als “Sklave der Juden” beze­ich­net hat­te. Nach­dem der Het­zartikel drei Tage lang auf der Inter­net­seite ges­tanden hat­te, dis­tanzierte sich der NPD-Kreisver­band Barn­im-Uck­er­mark als Betreiber des “Nationalen Net­z­tage­buchs” von dem Text “aus­drück­lich und in schärf­ster Form”. Übel­wol­lende Hack­er hät­ten den Text eingeschmuggelt, so die lahme Ausrede der Recht­sex­tremen. Ken­ner der regionalen Szene ver­muten, dass der Text aus Angst vor ein­er Anzeige wegen Volksver­het­zung ent­fer­nt wurde.

Eine knappe Woche später war das “Net­z­tage­buch” wieder aktiv. Jet­zt wurde der Traum von der “Son­der­be­hand­lung” poli­tis­ch­er Geg­n­er von “Julius Fär­ber” veröf­fentlicht, der auch früher schon in recht­sex­tremen Inter­net-Foren von Nazi-Meth­o­d­en im Umgang mit poli­tis­chen Geg­n­ern geträumt hat­te. Vor einem Jahr meinte er in Bezug auf Teil­nehmer am “Tag der Demokratie” im bran­den­bur­gis­chen Halbe, “dass wir solche Leute nur als Wach­per­son­al begleit­en würden…wenn es denn wieder soweit ist.”

Hin­ter dem Pseu­do­nym “Julius Fär­ber” ver­birgt sich nach begrün­de­ten Erken­nt­nis­sen der Betreiber des “Net­z­tage­buchs”, der NPD-Kreisvor­sitzende Barn­im-Uck­er­mark Mike Sandow. 

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