27. März 2010 · Quelle: [a] antifaschistische linke potsdam

Naziaktivitäten in Potsdam und Umgebung im Frühjahr 2010

Pots­dam- Ob der antifaschis­tis­che Erfolg von Dres­den und der daraus resul­tierende Frust bei den Nazis sich auf die lokalen Aktiv­itäten der Pots­damer Neon­aziszene auswirken wer­den bleibt abzuwarten.
Unsere Prog­nose fällt hier eher nüchtern aus. So waren die Pots­damer Neon­azis sowohl im Vor­feld des 13.02.2010 als auch danach nicht untätig.
Bere­its im Jan­u­ar stand wieder der alljährliche Nazi­auf­marsch in Magde­burg auf dem Pro­gramm. An diesem nahm auch eine Gruppe von ca. 10 Pots­damer Neon­azis, sowohl aus dem Umfeld der „Alter­na­tiv­en Jugend Pots­dam“ (AJP) als auch der „Freien Kräfte Pots­dam“ (FKP), teil.

Der Dreistigkeit­en Höhep­unkt

Am 07.02.2010 besucht­en Neon­azis der „FKP“ und der „AJP“ die Gedenkstätte des Konzen­tra­tionslager Sach­sen­hausen. Dazu find­en sich Berichte auf den Inter­net­seit­en bei­der Grup­pen. In diesen set­zen sie sich auf revi­sion­is­tis­che Art und Weise mit ihrem Besuch auseinan­der. Eben­so wird auf der Home­page der „FKP“ auf der einen Seite die Schuld­frage andisku­tiert, welche natür­lich nicht ohne ras­sis­tis­ches Beispiel auskommt, auf der anderen Seite wird jedoch ver­sucht, Schuld zu rel­a­tivieren, indem Opfer­zahlen in Frage gestellt wer­den.

Dieser Besuch soll in ein­er Rei­he von Besich­ti­gun­gen ste­hen. So besucht­en bere­its vom 26.06. — 28.06.09 mehrere Pots­damer Neon­azis die pol­nis­chen Städte Wroc?aw, Katow­ice sowie das Konzen­tra­tionslager Auschwitz und schrieben einen Bericht welchen sie auf der Inter­net­seite der „AJP“ veröf­fentlicht­en. In diesem Text greifen sie immer wieder revi­sion­is­tis­che The­sen auf und ver­suchen die Morde an Mil­lio­nen europäis­chen Jüd_innen zu rel­a­tivieren. So stellen sie den ganzen Text über immer wieder die Fak­ten­lage in Zweifel und meinen auch am Ende, das Ihr Besuch Zweifel „die wir zuvor hegten nicht beheben kon­nte“. Eben­so drück­en sie Ihre Sol­i­dar­ität mit inhaftierten Revisionist_innen aus.

Die Nazis hal­ten sich bei bei­den Bericht­en mit ihren The­sen offen­sichtlich sehr zurück, um nicht strafrechtlich belangt zu wer­den.
Klar wird, dass es ihnen nicht um eine his­torische Auseinan­der­set­zung geht, son­dern lediglich um eine Ver­höh­nung der Opfer.
Mit dieser Igno­ranz gegenüber den Über­leben­den und son­sti­gen Zeitzeug_innen sowie der Geständ­nisse der von ihnen gehuldigten Mörder_innen erre­ichen sie den Gipfel der Geschichtsver­drehung. Die Iden­ti­fika­tion mit Mörder_innen und die Leug­nung oder Min­derung der Opfer­zahlen kann hier wohl kaum als „wahrheitssuchend“ beze­ich­net wer­den.

In diesem Sinne bedeutet unser Kampf gegen Nazis auch Kampf gegen das Vergessen oder Rel­a­tivieren von Gräueltat­en wie der Shoa, Aufdeck­en von Leug­nung und Geschicht­sre­vi­sion­is­mus und Ver­hin­dern der­ar­tiger Pro­pa­gan­da.

Dres­den – „Totale Nieder­lage“

In der Nacht vom 11. auf den 12.02.2010 besprüht­en Neon­azis der „AJP“ eine Mauer an der Bun­desstraße 2 großflächig mit ein­er, auf die Bom­bardierung Dres­dens im zweit­en Weltkrieg bezo­ge­nen, geschicht­sre­vi­sion­is­tis­chen Parole und veröf­fentlicht­en diese Aktion am näch­sten Tag auf ihrer Inter­net­seite.

[…] macht­en wir uns in den frühen Mor­gen­stun­den des 12. Feb­ru­ars auf den Weg […] einen ca. 30 Meter lan­gen Schriftzug zu malen, so dass die Pendler die dort ent­lang fahren an das Ver­brechen von Dres­den erin­nert wer­den.“

Wieder ein­mal war es aktiv­en Antifaschist_innen zu ver­danken, dass diese Parole noch am sel­ben Tag ver­schwand.

The­ma­tisch ähn­lich aus­gerichtet wie in Magde­burg, sollte der „Trauer­marsch“ in Dres­den jedoch ein Großereig­nis wer­den, welch­es für die bun­des­deutsche Neon­aziszene eine nicht zu unter­schätzende Bedeu­tung hat. Doch dank bre­it­en antifaschis­tis­chen Protesten und einem gut organ­isierten Block­adekonzept gelang dieser den Nazis dieses Jahr nicht. Ihr Auf­marsch durch Dres­den kon­nte ver­hin­dert wer­den. So mussten sich auch die aus Pots­dam angereis­ten Neon­azis frus­tri­ert wieder auf den Heimweg machen.

Die „FKP“ stell­ten fünf Tage nach dem ver­hin­derten Auf­marsch in Dres­den einen Bericht auf ihre Home­page, nach welchem sie am 14.02.2010 zusam­men mit der „AJP“ eine Gedenkak­tion am Alten Markt durchge­führt hat­ten.

Nach der total­en Nieder­lage […] in Dres­den, war es für uns eine Selb­stver­ständlichkeit die Gedenkwoche für Dres­den, um einige Tage zu ver­längern […] Anlässlich dessen führten wir noch von Son­ntag den 14.02. bis zum darauf fol­gen­dem Mittwoch weit­er Gedenkak­tio­nen […] durch.“

Ein ähn­lich­er Bericht erschien bere­its am 14.02.2010 auf der Inter­net­seite der „AJP“. Auch sie berichteten von ein­er Aktion am Alten Markt in der Pots­damer Innen­stadt. Hier­bei hat­ten sie ihren eige­nen Angaben zufolge Kerzen angezün­det und eine Schweigeminute für die „[…] durch den alli­ierten Massen­mord vor 65 Jahren in Dres­den getöteten Deutschen.“
abge­hal­ten, während sie sich dabei fotografierten.
Von weit­eren Aktio­nen in diesem Zusam­men­hang ist bis jet­zt nichts bekan­nt.

Im Rah­men der Trauer­märsche und der damit zusam­men­hän­gen­den Pro­pa­gan­da-Aktio­nen wird ein Bild der aus­geliefer­ten deutschen Opfer pro­jiziert, welch­es im Kriegsrah­men jedoch unter keinen Umstän­den mit der sys­tem­a­tis­chen Ver­nich­tung von Mil­lio­nen Men­schen durch die Nationalsozialist_innen ver­gle­ich­bar ist, dieses recht­fer­tigt oder rel­a­tiviert. Dieses Umdeuten von deutsch­er His­to­rie zeugt von einem falschen Geschichts­be­wusst­sein sowie einem Man­gel an kri­tis­chem Denken. Es ist für uns poli­tisch inakzept­abel.

SA-Truppführer zum Helden verk­lärt

Am 23.02.2010 jährte sich der Todestag von Horst Wes­sel. Dieser wurde schon in seinem Todes­jahr 1930 zum Helden stil­isiert und gilt bis heute unter den Nazis als Mär­tyr­er und nation­al­sozial­is­tis­ch­er „Ide­al­ist bis in die let­zte Fas­er seines Herzens“. Deshalb gibt es jährlich bun­desweit zu seinem Todestag Aktio­nen.

Dabei wird wieder deut­lich, dass Nazis nicht ohne Führungsper­sön­lichkeit­en und Heldenge­denken auskom­men. Hier­ar­chis­che Struk­turen und Ori­en­tierung an gewalt­täti­gen Vor­bildern wider­sprechen ein­mal mehr dem von ihnen propagierten „Weg für Frei­heit und Gerechtigkeit“.

Auch in Pots­dam hat dies bere­its trau­rige Tra­di­tion. Schon vor zwei Jahren berichteten wir über diese Aktio­nen, welche sich in Pots­dam bis in das Jahr 2006 zurück­ver­fol­gen lassen und sich bere­its damals mit den Neon­azis der „FKP“ in Verbindung brin­gen ließen.
Dieses Jahr waren in der Nacht zum 23.02. wieder zahlre­iche Sch­ablo­nen­sprühereien mit dem Kon­ter­fei von Horst Wes­sel und weit­ere größere Parolen in Fahrland, Mar­quardt, Wald­stadt, Rehbrücke und am Stern zu find­en.

Aktiv­ität auch bei der NPD

Seit neuestem pro­duziert die Pots­damer NPD Flug­blät­ter mit dem Namen „Pots­damer Fack­el“. Hier­bei geht es darum Het­ze gegen Migrant_innen und Forderun­gen im Rah­men aktuell poli­tis­ch­er The­men bürg­er­nah zu ver­mit­teln. Alle in der öffentlichen Presse auf­tauchen­den The­men wer­den irgend­wie erwäh­nt, um ein möglichst bre­ites Mei­n­ungsspek­trum anzus­prechen ohne dabei jedoch Lösun­gen oder Alter­na­tiv­en anzu­bi­eten. Frauen wer­den auf die Rolle der Mut­ter reduziert und die einzige Ursache all der nicht erfüll­ten Forderun­gen sind natür­lich die Flüchtlinge. Über Diskri­m­inierung nicht hin­aus­ge­hend, sollen diese verkürzten Denkmuster dann auch noch bei den regelmäßig stat­tfind­en­den Stammtis­chen disku­tiert wer­den.

Auf nach Neu­rup­pin!

Momen­tan mobil­isieren die „FKP“ und die NPD Pots­dam zu einem Neon­azi­auf­marsch am 27.03.2010 nach Neu­rup­pin. Hier haben die „Freie Kräfte Neu­rup­pin“ ab 12 Uhr eine Demon­stra­tion unter dem Mot­to „Nationaler Sozial­is­mus statt Kap­i­tal­faschis­mus!“ angemeldet. Hier­bei offen­bart schon die gewählte Parole, dass die Begren­zung auf Deutsche und die unzure­ichende Auseinan­der­set­zung mit den Begrif­f­en Faschis­mus und Kap­i­tal­is­mus stat­tfind­et.
Ihr Startp
unkt wird voraus­sichtlich das Rheins­berg­er Tor in Neu­rup­pin sein.
Da zwis­chen den Neon­azis in Neu­rup­pin und Pots­dam guter Kon­takt beste­ht, ist es nicht ver­wun­der­lich, dass let­ztere für den Auf­marsch in Neu­rup­pin die Wer­be­trom­mel rühren und am besagten Tag höchst­wahrschein­lich auch vor Ort sein wer­den.

Lasst uns deshalb am 27. März nach Neu­rup­pin fahren, um uns gemein­sam den Nazis ent­ge­gen zu stellen!

Lasst uns auch 2010 den Nazis weit­er­hin ihre Aktio­nen ver­miesen und eigene Aktzente set­zen!
In diesem Sinne Antifa heißt Angriff!

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