28. März 2010 · Quelle: Inforiot

Nazidemo eine Stunde lang blockiert

Neuruppin: Hunderte BürgerInnen und Antifas protestierten gegen 300 Neonazis

INFORIOT Gegen eine Neon­azi-Demon­stra­tion in Neu­rup­pin haben am Sam­stag mehrere hun­dert Antifas und Bürg­erIn­nen protestiert. Durch eine Sitzblock­ade von etwa 60 Linken in der Schinkel­straße wurde der rechte Aufzug für eine knappe Stunde lang aufge­hal­ten. Dann erst schaffte es die Polizei mit­tels ein­er rup­pi­gen Räu­mak­tion die Straße für die Neon­azis freizu­machen.

Der rechte Aufzug stand unter dem reich­lich affi­gen Mot­to “Nationaler Sozial­is­mus statt Kap­i­tal­faschis­mus” (siehe dazu den Bericht der Antifa West­havel­land). Es beteiligten sich rund 300 Neon­azis, die in großer Mehrheit aus anderen Bran­den­burg­er Städten und aus Berlin kamen. Aus der von den “Freien Kräften Neu­rup­pin” angemelde­ten Ver­anstal­tung wur­den immer wieder Flaschen, Böller und Eier in Rich­tung von Protestieren­den gewor­fen.

 

Zen­traler Anlauf­punkt für Nazigeg­ner­In­nen war ein “Demokratiequadrat” in der Neu­rup­pin­er Innen­stadt, zu der for­mal etwa 50 Organ­i­sa­tio­nen — von der FDP über DKP, dem “Tol­er­an­ten Bran­den­burg” bis zur Feuer­wehr — aufgerufen und ihre Info- und Wurst-Stände aufge­baut hat­ten. Die in ersten Presse­bericht­en genan­nte Zahl von “2000 Men­schen”, die an dem Fest teilgenom­men haben sollen, dürfte indes über­trieben sein. Real­is­tisch kann man von etwa 800 Nazigeg­ner­In­nen an diesem Tag in Neu­rup­pin aus­ge­hen, davon etwa ein Vier­tel Antifas.

 

Von der Haupt­bühne des “Demokratiequadrats” aus sprachen unter anderem Bran­den­burgs Land­tagspräsi­dent Gunter Fritsch (SPD) und der evan­ge­lis­che Lan­des­bischof aus Berlin, Markus Dröge. Ein Vertreter des Bünd­nis “Neu­rup­pin bleibt bunt” betonte in sein­er Rede, dass er keinen “Antifaschis­mus” wolle, son­dern “demokratis­che Kul­tur”. Als die Nazidemon­stra­tion am Rande des Festes vor­beizog, schloss die Polizei die ohne­hin aufgestell­ten Git­ter um das Quadrat zu — es gab kein Her­auskom­men mehr.

 

Ein Antifa kom­men­tierte die Sit­u­a­tion am Rande bis­sig: “Wie in der DDR — schlecht­es Essen, es nen­nt sich demokratisch, man darf nicht raus.” Insofern war die linke Sitzblock­ade auf der Naziroute, übri­gens in direk­ter Nach­barschaft des Demokrat­ie­gat­ters, die deut­lich erfol­gre­ichere Protest­vari­ante. Die Polizei ging allerd­ings bei der Räu­mung der Block­ade über die Maßen hart vor. Einige Block­ierende wur­den von der Polizei mit dem Knie auf dem Hals zu Boden gedrückt und dann über die Straße an den Rand geschleift. Es wur­den zudem “Schmerz- und Schock­griffe angewen­det, Hände ver­dreht und Nasen blutig geschla­gen”, wie Neu­rup­pin­er Antifas bericht­en. “Flaschen und Steine” flo­gen bei der Block­ade nicht, wie in der Presse teil­weise behauptet. Auch Jour­nal­istIn­nen wur­den während der Räu­mung durch die Polizei an ihrer Arbeit gehin­dert.

Die Neon­azi-Demon­stra­tion war die dritte seit 2007 in Neu­rup­pin (2007: 60 Nazis, 2009: 200 Nazis). Es waren mehrere hun­dert PolizistIn­nen im Ein­satz. Es habe zwei Inge­wahrsam­nah­men gegen Nazigeg­ner­In­nen gegeben, jedoch keine Fes­t­nah­men von Recht­en, hieß es.

 

Die “Ini­tia­tive Neu­rup­pin­er Antifas” kri­tisierte in ein­er ersten Stel­lung­nahme das Großaufge­bot von “zwei Helikoptern, zwei Wasser­w­er­fern, zwei Räumpanz­ern, etwa 20 Motor­rädern, ein­er Hun­destaffel, hun­derten Metern Ham­burg­er Git­ter und etwa 500 Bullen (teil­weise BFE)”.

 

Auch in Lübeck gab es am Sam­stag eine neon­azis­tis­che Demon­stra­tion. Für ver­schiedene Städte im Land Bran­den­burg sind in den näch­sten Monat­en weit­ere Neon­azi-Demon­stra­tio­nen angekündigt, unter anderem in Brandenburg/Havel, Bernau, Bad Freien­walde, Eber­swalde, Straus­berg und Man­schow (Märkisch-Oder­land).

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