9. September 2003 · Quelle: Antifa AktivistInnen

Naziangriff auf Veranstaltung in Wittstock

Am Woch­enende fand in Wittstock/ Dosse (Nord­bran­den­burg) eine Infover­anstal­tung mit Par­ty statt, bei der ein Film über Ros­tock- Licht­en­hagen gezeigt wurde. Anschließend gab es dazu eine Diskus­sion­srunde mit den Anwe­senden. Ver­anstal­tet wurde der Abend von Witt­stock­erIn­nen. Bei der Infover­anstal­tung waren ca. 70,vor allem jün­gere Leute anwe­send.

Witt­stock ist eine bran­den­bur­gis­che Kle­in­stadt an der Gren­ze zu Meck­len­burg- Vor­pom­mern. Bekan­nt ist Witt­stock als „Nation­al Befre­ite Zone“, Naz­iüber­griffe sind an der Tage­sor­d­nung (siehe www.inforiot.de Stich­punkt Witt­stock). Aus Angst vor möglichen Angrif­f­en der Nazis sahen es die Ver­anstal­ter als Notwendigkeit Schutz zu organ­isieren. Dazu kamen AntifaschistIn­nen aus Berlin und Nord­bran­den­burg.

Nach­dem 4 Nazis in unmit­tel­bar­er Nähe des Ver­anstal­tung­sortes die Schutz­men­schen provozierten, wur­den sie zum Gehen gezwun­gen. Sie dro­ht­en wiederzukom­men und began­nen offen­sichtlich mit ein­er Tele­fon­kette. Auf­fäl­lig waren auch die vie­len Autocheck­er der Faschos, die die ganze Zeit im Autoko­r­so an uns vor­bei­fuhren.
Gegen 24:00 ver­sucht­en zwei, mit Knüp­peln bewaffnete, Nazis Stress zu machen. Als sie real­isierten, dass wir in der Überzahl waren, flüchteten sie zurück in ihr Auto. Unter­dessen riefen die Ver­anstal­ter die Bullen, um die Infor­ei­he fort­set­zen und damit diesen Tre­ff­punkt auch länger­fristig aufrecht erhal­ten zu kön­nen.
Eine Weile war dann erst mal Ruhe bis sich gegen 1:00 größere Faschogrup­pen sam­melten (ca. 30). Der Großteil der Glatzen war stark alko­holisiert und Anfang bis Mitte 20,womit sie wohl kaum in das oft propagierte ‚Nazi- Kids’- Schema passen. Auf­fäl­lig waren auch die vie­len (Schläger-) Frauen bei den Nazis, die vor kurzem durch einen Über­fall auf eine kuban­is­chstäm­mige Deutsche auffie­len.
Im Laufe der Kon­fronta­tio­nen gab es mehrere Fes­t­nah­men auf Seit­en der Nazis, unter anderem wird auch wegen Zeigen des ‚Hit­ler­grußes’ ermit­telt.

Zwis­chen­durch wur­den immer wieder Par­tygäste nach Hause gefahren, weil sie sich vor Repres­sio­nen durch die Nazis fürchteten. Teil­weise planten die Kids eine dreivier­tel Stunde für den Heimweg ein, weil sie Umwege laufen bzw. nicht direkt vor der Haustür abge­set­zt wer­den woll­ten.

Witt­stock all­ge­mein:

Die Nord­bran­den­bur­gis­che Naziszene hat sich in Wittstock/ Dosse eine neue ‚No Go- Area’ geschaf­fen. Nach Weg­fall der ‚Bunker-Szene’(ehemaliger Nazi- Club) in Neu­rup­pin ver­lagerten sich die beste­hen­den Struk­turen nach Witt­stock. Auch am Woch­enende fiel auf, dass unter den Nazis nicht nur Witt­stock­erIn­nen, son­dern auch Neu­rup­pin­er Faschos waren. Die Stadt ist zugle­ich auch Ein­satzschw­er­punkt der MEGA- Bullen (‚mobile Ein­satztruppe gegen Gewalt und Aus­län­der­feindlichkeit’) und der Tomeg Nord (siehe www.inforiot.de Stich­punkt Tomeg Nord)
Tre­ff­punkt der Faschos in Witt­stock war und ist immer wieder die Elf- Tankstelle nahe der Innen­stadt. Auch an diesem Abend war diese Aus­gangspunkt der Nazi­ak­tion.

Trotz der weitver­bre­it­eten Angst vor den Nazis waren viele Witt­stock­erIn­nen bei der Infover­anstal­tung. Wir sehen diese Ver­anstal­tung und ihre Durch­führung als pos­i­tive Entwick­lung, da sie in ein­er der Nazi dominiertesten Städte Bran­den­burgs stat­tfind­en kon­nte. Den Men­schen vor Ort, die sich nicht dem Druck der Nazis beu­gen, gilt weit­er­hin unsere Sol­i­dar­ität und Unter­stützung.

Linke Struk­turen auf­bauen und vertei­di­gen!

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