15. Februar 2007 · Quelle: PNN

Naziaufmarsch aufgelöst

Innen­stadt – In Pots­dam ist es am Dien­stagabend erst­mals in der Geschichte der Stadt zu einem nicht angemelde­ten Auf­marsch von Neon­azis gekom­men. Dies bestätigte gestern Ange­li­ka Chris­ten, Sprecherin der Polizei, den PNN auf Nach­frage. „So etwas gab es hier noch nicht in dieser Form“, sagte Chris­ten.

Nach Polizeiangaben hat­ten Bürg­er gegen 20.30 Uhr etwa 25 schwarzgek­lei­dete Per­so­n­en am Bran­den­burg­er Tor gemeldet, die offen­sichtlich der recht­sex­tremen Szene zuzuord­nen waren. Sie sollen zwei bren­nende Fack­eln und ein schwarzes Stoff­plakat mit der Auf­schrift „Im stillen Gedenken an die Opfer des Alli­ierten Bomben­ter­rors“ getra­gen haben. In der Folge soll die Gruppe in Rich­tung Bass­in­platz über die Bran­den­burg­er Straße marschiert sein. Laut Polizei waren die Teil­nehmer zwis­chen 15 und 21 Jahren alt, sie sollen zum größten Teil in Pots­dam und im Umland leben.

Auf diesem Weg sei der Auf­marsch von Polizis­ten an der Lin­den­straße aufge­hal­ten wor­den, berichteten Zeu­gen gestern. Als Ver­samm­lungsleit­er stellte die Polizei zwei durch bere­its recht­sex­trem motivierte Straftat­en aufge­fal­l­ene Pots­damer im Alter von 19 und 21 Jahren fest, gegen die Anzeige wegen des Ver­stoßes gegen das Ver­samm­lungs­ge­setz aufgenom­men wurde. Nicht bestäti­gen wollte Polizeis­precherin Chris­ten, dass sich unter den Teil­nehmern des Aufzugs die bekan­nten Neon­azis Sebas­t­ian G. und Ben­jamin Oe. befan­den. G. zählt zum engen Umfeld der ver­bote­nen Berlin­er Kam­er­ad­schaft Tor und soll laut Antifa-Kreisen inzwis­chen in Pots­dam wohnen sowie vielfach bei Über­grif­f­en auf linke Jugendliche aufge­fall­en sein. Oe. wurde dage­gen als Opfer des Über­falls am Café Hei­der bekan­nt, lebt in Fahrland und gilt als eben­so dem mil­i­tan­ten Teil der Neon­azi-Szene zuge­hörig. Zeu­gen wollen bei­de erkan­nt haben.

Neben den zwei Anzeigen gegen die Ver­samm­lungsleit­er wurde am Dien­stag noch eine Anzeige wegen Ver­stoßes gegen das Waf­fenge­setz aufgenom­men: Bei einem weit­eren 19-Jähri­gen wurde laut Polizei ein Schla­gring gefun­den.

Während die Beamten die Per­son­alien der Recht­sex­tremen auf­nahm, näherte sich laut Polizeis­precherin Chris­ten eine Gruppe von etwa 30 Per­so­n­en, die „laut­stark“ gegen den Auf­marsch protestierten. „Die Polizis­ten kon­nten ein direk­tes Tre­f­fen der bei­den Grup­pen ver­hin­dern“, so Chris­ten. Die Recht­sex­tremen seien schließlich mit mehreren Ein­satz­fahrzeu­gen in die Polizei­wache Mitte und von dort zum Haupt­bahn­hof gebracht wor­den sein. Unter weit­er­er polizeilich­er Begleitung seien sie dann „vor­rangig in Rich­tung Wald­stadt und Wohnge­bi­et am Stern gefahren. „Wir hat­ten Hil­fe von Bun­de­spolizei, von Berlin­er Kol­le­gen und weit­eren Polizeikräften aus anderen Schutzbere­ichen“, so Chris­ten.

Hin­ter­grund des Auf­marsch war offen­bar der gestrige Jahrestag der Bom­bardierung Dres­dens 1945. Bun­desweit hat­te das so genan­nte „Aktions­bünd­nis gegen das Vergessen“ im Vor­feld der Jahrestages zu eigen­ständi­gen Aktio­nen aufgerufen. Das Bünd­nis beste­ht unter anderem aus Vertretern der NPD-Frak­tion im säch­sis­chen Land­tag. Recht­sex­treme nutzen den Jahrestag seit Jahren, um die Kriegs­geg­n­er Deutsch­lands als Ver­brech­er zu verunglimpfen.

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