16. April 2009 · Quelle: Antifa Westhavelland

Naziaufmarsch in Rathenow findet statt

Versammlungsbehörde genehmigt Marsch zum 18. April durch die Stadt / Zwischenkundgebung auf dem Friedhof wurde verwehrt

Der geplante Auf­marsch der (neo)nazistischen NPD kann am 18. April 2009 in Rathenow, nach Prü­fung der zuständi­gen Ver­samm­lungs­be­hör­den, weit­ge­hend im angemelde­ten Rah­men stat­tfind­en. Die (Neo)nazis dür­fen demzu­folge gegen 14.30 Uhr vom Dunck­er­platz / Haupt­bahn­hof Rathenow  über den Friedrich Ebert Ring sowie durch die Fontanes­traße zum Denkmal des „Bun­des der Ver­triebe­nen“ marschieren und dort eine erste Zwis­chenkundge­bung abhalten. 

Zwar ver­samm­lungsrechtlich erlaubt, wird diese Teil­ver­anstal­tung aber sog­ar vom „Bund der Ver­triebe­nen“ abgelehnt. Wohl nicht zufäl­lig, wer­den deshalb in dieser Zeit am Denkmal gewisse Instand­set­zungsar­beit­en stat­tfind­en, die eine Absicherung des Are­als mit Bauza­un erfordern und eine von der NPD geplante Kranznieder­legung somit unmöglich machen.

Nach der Zwis­chenkundge­bung soll der Nazi­aufzug die Forststraße fol­gen, in der Goethes­traße den Märkischen Platz tang­ieren und von dort aus durch die Berlin­er Straße bis zum Post­platz Ecke Wil­helm Külz Straße führen. 

Am Platz vor der Post wird es eine weit­ere Kundge­bung geben, die als Ersatz für die von der Ver­samm­lungs­be­hörde nicht genehmigte Aktion auf dem Rathenow­er Fried­hof fungiert. Diese Teil­ver­anstal­tung kann auch als das Sym­bol für die Geschichtsver­fälschung durch die NPD gew­ertet wer­den. Im Vor­feld hat­te näm­lich die regionale Parteisek­tion A5-Flug­blät­ter verteilt, auf denen die Ruine des im zweit­en Weltkrieg zer­störten Post­ge­bäudes, qua­si als Beweis für den „Bomben­ter­ror“ der Alli­ierten, zu deuten ist. Tat­säch­lich, und das sei hier noch expliz­it ange­merkt, wurde dieses sowie der Großteil aller Gebäude in der Stadt aber erst Ende April bzw. Anfang Mai 1945 zer­stört, als Rathenow von den Nation­al­sozial­is­ten zur „Fes­tung“ erk­lärt und die in das Stadt­ge­bi­et vor­rück­ende Rote Armee von Wehrma­cht­sein­heit­en mas­siv mit Artillerie beschossen wurde.

Nach der Zwis­chenkundge­bung auf dem Post­platz soll der Nazi­auf­marsch dann die Berlin­er Straße fol­gen, in die Bran­den­burg­er Straße ein­biegen, von dort in die Große Milow­er Straße weit­er­führen und schließlich über die Straße „Am Kör­graben“ und die Schopen­hauer­straße zum  Dunck­er­platz / Haupt­bahn­hof Rathenow zurückführen.

Das zivilge­sellschaftliche Aktions­bünd­nis „Rathenow zeigt Flagge“  wird mit vielfälti­gen Aktio­nen zu ver­ste­hen geben, dass (Neo)nazis in Rathenow nicht erwün­scht sind. Geplant ist u.a. Plakate und Ban­ner ent­lang der Strecke anzubrin­gen und die Eröff­nung des Optik­parks am Schwe­den­damm unter dem Mot­to des Aktions­bünd­niss­es zu stellen.

Eine konkrete Gegen­ver­anstal­tung ist hinge­gen auf dem Märkischen Platz ab 14 Uhr geplant und auch polizeilich genehmigt wor­den.  Hier wer­den auch die (Neo)nazis direkt vorbeilaufen.

Das Aktions­bünd­nis wird sich am Sam­stag auch schon ab unge­fähr ab 11 Uhr auf dem Märkischen Platz präsen­tieren und ste­ht dem inter­essierten Bürg­er für Fra­gen und Infor­ma­tio­nen zum 18. April zur Verfügung.

Die offen­sichtlichen Ver­suche der Ver­fälschung regionaler Geschichte durch die NPD wur­den inzwis­chen auch durch die Region­al­presse in ihren Tage­spub­lika­tio­nen beachtet und mit his­torischen Fak­ten wider­legt. Auf der Inter­net­seite des NPD Kreisver­band Hav­el Nuthe führte dies indes wiederum zu wüten­den Reak­tio­nen und Ver­bal­at­tack­en gegen eine Lokalredaktion.

Um ins­beson­dere kör­per­liche Angriffe der (Neo)nazis auf Gegen­demon­stran­ten, sowie unlängst bei einem NPD Info­s­tand in der Nach­barstadt Prem­nitz, zu ver­hin­dern, wird die Polizei am Sam­stag mit einem Großaufge­bot vor Ort sein. 

Mate­r­i­al: Aktu­al­isiert­er Stadt­plan Rathenow mit Ver­anstal­tungskennze­ich­nung (PDF 204 kB)

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