13. Januar 2002 · Quelle: Ein Gegendemonstrant / [antifanews]

Nazidemo in FF/O: Zwei Berichte

Hier ein paar Ein­drücke von der Nazi-Demo am 12. Jan­u­ar 2002 in Frank­furt (Oder). Ein­ge­laden hat­te die One-Man-Show, um den schon etwas reifer­en Georg Palet­ta, der eine “Inter­es­sen­ge­mein­schaft für die Wiedervere­ini­gung Gesamt­deutsch­lands e.V.” betreibt. Es demon­stri­erte mit ihm jedoch nur ein Häufchen von etwa 50 Nazis.

 

Der Alte mit dem Mega ist Palet­ta, halb verdeckt von dem Polizis­ten ist ein mir unbekan­nter Nazi, der als Vor­turn­er und Ein­peitsch­er fungierte.

 

Das Foto oben zeigt auch schon den Punkt, an dem die Nazi-Demo zum Ste­hen kam, weil Frank­furter Antifas zehn Minuten lang eine Sitzblock­ade macht­en.

 

Die Polizei hielt sich zurück, dann wurde die Nazi-Demo über den Bürg­er­steig an den Sitzblock­aden vor­bei geleit­et. Auf dem Bahn­hofsvor­platz dann unzweifel­haft der Höhep­unkt im Kampf um Gesamt­deutsch­land: Palet­tas Rede. Her­rrrlich, sein rrrol­len­des RRRR, wie in alten Fil­men!

 

Wie an dem eher gelang­weil­ten Habi­tus des Nazi-Pub­likums zu erken­nen, löste er nicht ger­ade eine Begeis­terungswelle aus. Es war vielmehr wie “Opa erzählt mal wieder vom Krieg”, und das 20 Minuten. Dazwis­chen hat­te er arge Schwierigkeit­en mit dem Faden, den er öfters ver­lor. Der arme Kerl ver­haspelte sich immer wieder. Als er dann auch noch aus­rief, “Das deutsche Volk ist dumm!” (weil Gen­sch­er alles ver­mas­selt habe, Gor­batschow hätte die Ost­ge­bi­ete dur­chaus raus­gerückt und der­gle­ichen), kon­nten neu­trale Beobach­terIn­nen außer­halb des Polizeiko­r­dons sich nicht mehr zurück­hal­ten. Sie stimmten spon­tan und aus ganzem Herzen in Jubel für Palet­ta ein. “Bra­vo!” “Heil!” “Zugabe!” Diese Begeis­terung aus unge­wohn­ter Ecke, die sich bis zu Lao­la-Wellen steigerten, müssen einige der echt­en Nazis doch irri­tiert haben, zumin­d­est klan­gen sie reich­lich gen­ervt. Eben­so der Ein­peitsch­er, der schrie, heute seien es zwar bloß Schnee­bälle gewe­sen, aber im Som­mer, da wür­den es wieder Steine. Worauf die jubel­nde Masse außen mit “Und Raketen! Und Granat­en! Und Bomben!” reagierte. Man kon­nte dem Mann ein­fach nur zus­tim­men. Dann rief der Ein­peitsch­er “Skan­dal!”. Damit meinte er die Schmach, über den Bürg­er­steig an den Sitzblock­aden vor­bei gegan­gen zu sein. Es war schlimm.

 

Für die näch­sten Gigs von Palet­ta (9. Feb­ru­ar Guben, 9. März Schwedt) sollte der Mann Ein­tritt nehmen. Seine Redekun­st sollte sich nie­mand ent­ge­hen lassen, der Mann hat das Zeug, die danieder liegende nationale Bewe­gung aufzuricht­en und mitzureißen — ins Grab?

 

Pein­lich, Pein­lich

Rund 30 Neon­azis zogen in Frank­furt (Oder) durch leere Straßen

 

Frank­furt (Oder) antifanews 12.01.2002 – Rund 30 Neon­azis fol­gten heute dem Aufruf der „Inter­es­sen­ge­mein­schaft für die Wiedervere­ini­gung Gesamt­deutsch­lands (IWG)“ und deren Vor­sitzen­den Georg Palet­ta und fan­den sich zu ein­er Demon­stra­tion unter dem Mot­to „Recht auf Heimat“ am Frank­furter Haupt­bahn­hof ein.

 

Eine lustige Truppe scheint die IWG alle­mal zu sein. Nur ein­er durfte anscheinend län­gere Reden hal­ten – der Chef der IWG höch­st­per­sön­lich näm­lich, Georg Palet­ta. Bevor er dies aber tat, behar­rten die 30 Neon­azis auf ihrem Demon­stra­tionsrecht und marschierten durch die Gren­zs­tadt.

 

Auf der Gegen­seite fan­den sich zir­ka 100 Jugendliche am Haupt­bahn­hof ein, um ihrem Protest gegen den braunen Mob freien Lauf zu lassen. Zuerst mussten aber die friedlichen Gegen­demon­stran­tInnen die Entschlossen­heit der Ord­nungskräfte spüren, den Auf­marsch der Neon­azis durchzuset­zen. So wur­den sie mit aller Gewalt auf den Gehweg abge­drängt. Straße frei für die Nazis.

 

Rund eine halbe Stunde gin­gen die Neon­azis durch das ver­schlafene Frank­furt. Schein­bar nie­mand hat sie gehört – außer den Gegen­demon­stran­tInnen, die mit­tels der ein­schlägig bekan­nten Sprechchöre die 30 ewig Gestri­gen übertön­ten.

 

Bere­its auf dem Rück­weg beka­men die Neon­azis dann doch noch die Entschlossen­heit der Frank­fur­terIn­nen zu spüren. Rund 50 Men­schen bilde­ten kurz vor der Kreuzung zur Heil­bron­ner Str. eine Sitzblock­ade. Der Ein­sat­zleit­er der Polizei pfiff die her­an­na­hen­den behelmten knüp­pel­wüti­gen Pots­damer Kol­le­gen sofort zurück. „Hier wird nicht geräumt“ – Zehn Minuten gab er den Protestieren­den.

 

Einige Nazis fühlten sich bere­its jet­zt ohn­mächtig, dem laut­starken Protest der linken Jugendlichen etwas ent­ge­gen­zuset­zen. Auf Sprechchöre wie „Stal­in­grad“ fol­gten Antworten wie „Wo wart ihr in Buchen­wald?“. Sofort drängten die Ord­ner den paralysierten Skin­head ab – ohne Fol­gen seit­ens der Polizei: „Das ist mit den Gericht­en abgek­lärt. Soet­was darf man sagen.“ meinte ein Polizist dazu.

 

Nach­dem die Neon­azis auf dem Gehweg die Block­ade umgin­gen, liefen sie zurück zum Haupt­bahn­hof, wo ihr Ver­samm­lungsleit­er, Georg Palet­ta, eine grandiose Grund­satzrede hielt. Vielle­icht mag sein hohes Alter einiges entschuldigen, aber fall­en fol­gende Zitate auch darunter?

 

„Michail Gor­batschow hat im Rah­men der 2+4-Verträge Deutsch­land die Rück­gabe der Ost­ge­bi­ete ange­boten. Sog­ar Polen war damit ein­ver­standen. Aber der ehe­ma­lige Außen­min­is­ter Hans-Diet­rich Gen­sch­er machte ein Strich durch die Rech­nung.“

 

Über solche und ähn­liche Äußerun­gen und Palet­tas weit­ere Aus­führun­gen über die gestiege­nen Ben­zin- und Heizöl­preise, den bösen Euro und Sätze wie „Das deutsche Volk ist dumm gewor­den.“ macht­en sich nur die herum­ste­hen­den Polizis­ten und die Antifas hin­ter den Polizeiket­ten lustig. Das Gelächter der Linken brachte die Nazis offen­sichtlich so durcheinan­der, dass sie nicht mehr wussten, wem sie zuhören soll­ten. Offen­bar haben sie das Klatschen ver­lernt – ver­ständlich, denn Palet­ta ließ es sich nicht nehmen glat­te 30 Minuten im Führerstil einen Unfug zu erzählen, den selb­st die nationale Jugend nicht mehr ver­stand.

 

Um die Schmach ein wenig abzukürzen sang die von Palet­ta als „Zukun­ft Deutsch­lands“ beze­ich­nete Glatzen­schar noch die erste Stro­phe der deutschen Nation­al­hymne, bevor sie sich in ihre Züge und Autos verkroch.

 

Eine Fest­stel­lung ließ sich der Megaphon-Hal­ter Palet­tas aber vor der Abreise nicht nehmen:

„Es ist unmöglich, wenn wir hier mit Schnee­bällen bewor­fen wer­den. Den wir wis­sen, heute sind es noch Schnee­bälle – im Früh­jahr wer­den es Steine sein, die sie auf uns wer­fen.“

 

Mögen all seine Wün­sche in Erfül­lung gehen! Am 9. Feb­ru­ar geht es weit­er – die gle­iche Demo unter dem gle­ichen Mot­to in Guben. Weit­ere Infos und noch mehr Müll hierzu direkt bei Palet­tas Pri­va­tini­tia­tive IWG im Inter­net unter http://www.gesamtdeutschland.de.

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