9. Juni 2005 · Quelle: MAZ

Nazigrusel im Dickicht

Möchte man so etwas? Dass alle Welt plöt­zlich weiß, auf dem
Nach­bar­grund­stück haben die Nazis tausend­fachen Mord beschlossen? Der Name
des Heimat­dor­fes for­t­an mit diesem Makel behaftet ist? Vielle­icht am Ende
noch Neon­azis dor­thin pil­gern? Jour­nal­is­ten unan­genehme Fra­gen stellen und
irgend­je­mand von nebe­nan in die laufend­en Kam­eras Sätze sagt, wie: “Die
waren doch ganz nett, eigentlich”. Lieber nicht. Oder doch? Schließlich
kön­nten ja auch amerikanis­che Touris­ten Geld in die Gemein­dekasse spülen.

Wer alle Orte nation­al­sozial­is­tis­ch­er Selb­st­darstel­lung auf einer
Deutsch­land­karte markieren wollte, erhielte ein schwarzes Blatt, sagen der
Spiegel-Jour­nal­ist Hilmar Schmundt und der Junior­pro­fes­sor Stephan Porombka
in ihrem Sam­mel­band, den sie “Böse Orte” genan­nt haben und aus dem am
Dien­stagabend unter anderem Hen­ryk M. Broder und Jana Simon im Haus der
Bran­den­bur­gisch-Preußis­chen Geschichte lasen. Die Autoren pil­gerten, wie
jährlich Mil­lio­nen ver­schämter Touris­ten, zum Führerbunker, zu den
Fun­da­menten von Adolf Hitlers Berghof auf dem Ober­salzberg, nach Carinhall
in der Schorfhei­de und den dic­kicht­be­wehrten Kilo­me­ter­steinen der
Reich­sauto­bahn. Sie ent­deck­ten ein “wildes Gedenken”, dass noch nicht durch
Doku­men­ta­tion­szen­tren gezähmt ist und “böse Orte”, die investorenfreundliche
Bürg­er­meis­ter und allein gelassene Lokalhis­torik­er in Stre­it ger­at­en lassen.
Für die Her­aus­ge­ber kön­nte diese Irri­ta­tion Erin­nern wach­hal­ten. Auch wenn
Broder, erk­lärter Geg­n­er des neuen Holo­caust-Mah­n­mals, nach der Lesung vom
“Fluch der Erin­nerung” sprach und für das Vergessen plädierte.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Beiträge aus der Region

Monolog mit meinem „asozialen“ Groß­vater — Ein Häftling in Buchen­wald. Ein The­ater­stück von und mit Har­ald Hahn im Kul­tur­bahn­hof Biesen­thal am 12. Okto­ber 2021, 19:00 Uhr
Vom 10.–12. Sep­tem­ber ver­anstal­tet die Jugend­bil­dungs- und Freizei­tini­tia­tive Bernau e.V. (biF e.V.) mit lokalen lokalen poli­tis­chen Ini­tia­tiv­en wie „Barn­im für Alle“ und dem „Bürger*innenasyl Barn­im“ einen anti­ras­sis­tis­chen Kongress. 
Anlässlich des Som­mer­fests der AfD auf dem Eber­swalder Mark­t­platz haben wir in der Nacht zum Son­ntag, 22.08.21 die Ver­anstal­tungs­fläche mit liter­weise gereiftem Urin getränkt.

Opferperspektive

Logo de rOpferperspektive Brandenburg

NSUwatch Brandenburg

Polizeikontrollstelle

Logo der Polizeikontollstelle - Initiative zur Stärkung der Grund- und Bürgerrechte gegenüber der Polizei

Netzwerk Selbsthilfe

Termine für Potsdam

Termine für Berlin

Suche

  • Kategorien


  • Regionen



Inforiot