9. Mai 2007 · Quelle: [solid] Brandenburg

Nazis gibt’s in jeder Stadt” — damals wie heute: Faschismus bekämpfen

Gegen­demon­stran­tInnen, die Zeit, Geld und oft genug auch ihre Gesund­heit aufs
Spiel set­zen, um den Recht­sex­tremen nicht die Straße zu über­lassen, sehen sich
häu­fig der Krim­i­nal­isierung durch staatliche Behören und weite Teile der Presse
aus­ge­set­zt. Oft­mals wer­den sie ange­gan­gen, sie soll­ten die Nazis doch
marschieren lassen — diese seien doch friedlich. Nichts­destotrotz nehmen viele
junge und jugendliche Men­schen diese Stra­pazen immer wieder auf sich.

Nico Unkel­bach vom Lan­desar­beit­skreis Antifaschis­mus (kurz: LAK Antifa) in und
beim neuen linken Jugend­ver­band Brand­neb­urgs, erk­lärte vor diesem Hin­ter­grund
heute mor­gen: “Ger­ade dass immer mehr junge Men­schen sich den Faschis­ten
ent­ge­gen­stellen zeugt von einem couragierten und starken Grund- und
Selb­stver­ständ­nis, welch­es Nazis und ihren dumpfen Parolen keinen Platz bietet.
Es han­delt sich um junge Men­schen, die keinen revi­sion­is­tis­chen
Geschicht­sun­ter­richt à la ´Die Flucht´ brauchen, die wis­sen, dass Flucht,
Vertrei­bung, Verge­wal­ti­gung und Mord nicht mit der Roten Armee, son­dern mit den
Deutschen in die Län­der Europas getra­gen wur­den.”

Die “Zunahme staatlich­er Repres­sion” gegenüber Men­schen, die sich den alten und
neuen Nazis ent­ge­gen­stellen, beze­ich­nete Unkel­bach als beden­klich: „Es wirkt
nicht ger­ade wie eine Wer­bekam­pagne für antifaschis­tis­ches Engage­ment, wenn
nach ein­er Demo ein hoher Bußgeldbescheid oder eine polizeiliche Vor­ladung ins
Haus flat­tert.” Nur wenn die Sol­i­dar­ität untere­inan­der stark genug ist, könne
solche Repres­sio­nen gemein­sam getra­gen wer­den. Der Lan­desar­beitkreis ruft in
diesem Zusam­men­hang zur Unter­stützung der “Roten Hil­fe” auf, die auf diesem
Feld wichtige Arbeit leiste.

Unkel­bach wies weit­er darauf hin, dass der Rechtsstaat sich über­legen müsste,
was er lieber wolle: “Dass seine Bürg­erIn­nen gegen undemokratis­ches Gebaren auf
die Straße gehen oder dass sie sich das Erstarken der Recht­en im gemütlichen
Ses­sel vorm Fernse­her anschauen?”

Der 8. Mai als Tag der Befreiung spielt für den Pots­damer Stu­den­ten dabei eine
wichtige Rolle: “Es gibt viele Tage im Jahr, an denen antifaschis­tis­che
Erin­nerungskul­tur began­gen wer­den kann und auch began­gen wer­den sollte. Sei es
der 27. Jan­u­ar als Tag des Gedenkens an die Opfer des Nation­al­sozial­is­mus, der
8. Mai als Gedenk­tag an die Befreiung vom Faschis­mus oder der 29. Sep­tem­ber, an
dem beim Mas­sak­er von Babij Jar (Kiew) mehr als 33.000 Men­schen ermordet
wur­den.” Da sich vor allem am 8. Mai öffentlich­es Inter­esse gewin­nen lasse, sei
es um so wichtiger, dieses Datum nicht den Nazis und ihren revi­sion­is­tis­chen
The­o­rien zu über­lassen. Darüber hin­aus sei es wün­schenswert, wenn nicht nur an
sym­bol­is­chen Feierta­gen eine Auseinan­der­set­zung mit der deutschen Geschichte
und dem neuen Recht­sex­trem­is­mus stat­tfände: “Mod­erne Recht­sex­treme präsen­tieren
sich und ihre Gewalt heute gern als Sprachrohr ein­er ver­meintlich schweigen­den
Mehrheit. Die Bevölkerung sollte ihre Abnei­gung deswe­gen noch ein­deutiger und
entschlossen­er zeigen, sowohl wenn Nazis auf­marschieren, als auch wenn es gilt,
Sol­i­dar­ität mit den Opfern rechter Gewalt zu beweisen — seien es nun
Aus­län­derIn­nen, Homo­sex­uelle oder Linke.“

Zur laufend­en NPD-Ver­bots-Kam­pagne des VVN/BdA erk­lärte Unkel­bach im Namen des
Lan­desar­beit­skreis­es: „Die Kam­pagne geht in die richtige Rich­tung, aber mit
Ver­boten allein kann die NPD und die Ide­olo­gie, auf der sie basiert und die in
vie­len Köpfen ver­ankert ist, nicht bekämpft wer­den.” Hierzu bedürfe es großer
gemein­samer Anstren­gun­gen, ein Ende der Krim­i­nal­isierung antifaschis­tis­chen
Engage­ments und die Sich­er­stel­lung der Finanzierung von Ini­tia­tiv­en wie der
Opfer­per­spek­tive oder der Mobilen Beratung­steams gegen Rechts seien erste
wichtige Schritte.

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