10. Mai 2011 · Quelle: Antifa Spremberg

Nazis in Spremberg stoppen — mit dezentralen Aktionen!

Aufruf zu Protesten am 21. Mai in Spremberg

Am 21. Mai 2011 möchte die „NPD-Lausitz“ ab 12 Uhr in Sprem­berg unter dem Mot­to: „Arbeit statt Abwan­derung. Gegen Glob­al­isierung und Kap­i­tal­is­mus!“ demon­stri­eren.

Bish­er fie­len Neon­azis in Sprem­berg über­wiegend durch Über­griffe auf antifaschis­tis­che Jugendliche oder Men­schen mit Migra­tionsh­in­ter­grund auf. Des Weit­eren waren sie in dem Sprühen und Verkleben von rechtem Pro­pa­gan­da­ma­te­r­i­al sehr aktiv. Die Sprem­berg­er Neon­azis blick­en dem­nach auf eine lange Tra­di­tion zurück, da sie bere­its seit den frühen 90er Jahren durch der­ar­tige gewalt­same Aktio­nen immer wieder auf sich aufmerk­sam macht­en. An diesem 21. Mai find­et nun jedoch die erste angemeldete Demon­stra­tion von Neon­azis in Sprem­berg seit der Wende statt, sodass diese Aktions­form hier also eher ein Novum darstellt.

Sprem­berg und seine braunen Prob­lemkinder rück­ten erst­mals 1992 in das Licht der Öffentlichkeit. Neon­azis, die sich damals im Musik­tr­e­ff-Sprem­berg (MTS) in der Hein­richs­felder Allee trafen, bran­nten ein Flüchtling­sheim in Schwarze Pumpe nieder. Nur durch Zufall waren zum Tatzeit­punkt keine Men­schen in dem Gebäude, welch­es bis auf die Grund­mauern zer­stört wor­den ist.

Über diesen grausamen Vor­fall berichtete in einem 90 minüti­gen Beitrag ein Filmteam des dama­li­gen ORB mit dem Titel „Die Glatzen von Sprem­berg“. Die Reak­tio­nen der Stadt auf dieses Ereig­nis fie­len äußerst kurios aus. Während sich ein eher geringer Teil der Sprem­berg­er Bevölkerung erschüt­tert über der­lei skru­pel­los­es Vorge­hen der Neon­azis zeigte, war die Mehrheit der Bewohner_innen besorgt um das Anse­hen der Stadt. So kam, was kom­men musste: Die Sprem­berg­er Neon­azis, die nachts umher­zo­gen, um Men­schen zu drangsalieren, welche nicht in ihr recht­sex­tremes Welt­bild passen, wur­den ver­harm­losend als per­spek­tivlose Ver­lier­er der Wende beze­ich­net und antifaschis­tisch engagierte Men­schen wur­den als „Nest­beschmutzer“ beschimpft. Anstatt kon­se­quent und effek­tiv gegen die recht­en Gewalttäter_innen vorzuge­hen, wurde frei nach dem Mot­to „Aus den Augen aus dem Sinn.“ gehan­delt. Dem­nach stell­ten die dama­li­gen Stadtverord­neten um Egon Wochatz den Nazis Klu­bräume auf dem Geor­gen­berg am Rande Sprem­bergs zur Ver­fü­gung. Hier traf sich nun alles was Rang und Namen in der Sprem­berg­er Naziszene hat­te. Es kamen Besucher_innen aus ganz Europa, wie der Schweiz oder Ital­ien. In diesen Klu­bräu­men wur­den Konz­erte unter anderem mit Frank Ren­nicke – einem neo­faschis­tis­chen Lie­der­ma­ch­er – oder Bands wie „End­stufe“ ver­anstal­tet. Außer­dem kon­nten rund um den Klub in den Wäldern des ehe­ma­li­gen Mil­itärgelän­des immer wieder Neon­azis beim Abhal­ten von Wehrsportübun­gen beobachtet wer­den. Die europaweit bekan­nte Recht­srock-Band „Frontalkraft“ hat hier eben­falls ihren Ursprung.

Bis zum Jahr 1997 kam es in und um Sprem­berg immer wieder zu Über­grif­f­en durch Neon­azis. Haupt­säch­lich auf benach­barten Dorffesten, dem jährlichen Heimat­fest sowie in örtlichen Diskotheken ließen die Neon­azis ihrer Gewalt freien Lauf. So avancierte beispiel­sweise die „Diskothek Schil­fhütte“, welche sich außer­halb Sprem­bergs befind­et, zur Neon­azi-Stam­mdisko.

Durch den Abzug eines Teils der Neon­azis in die Rock­er­szene, dem Einge­bun­den­sein in famil­iäre Struk­turen und nicht zulet­zt auf­grund eines kon­se­quenten Ein­schre­it­ens durch antifaschis­tis­che Aktivist_innen beruhigte sich die Sit­u­a­tion in Sprem­berg ein wenig. Trotz dieser trügerischen Ruhe verblieb der Haupt­teil der Neon­azis in Sprem­berg weit­er­hin im Hin­ter­grund aktiv und konzen­tri­erte sich auf die Agi­ta­tion jün­ger­er Men­schen. Durch regelmäßig wiederkehrende Gewal­taus­brüche etwa zum soge­nan­nten „Män­nertag“ oder zu ähn­lichen Gele­gen­heit­en zeigten die Nazis fortwährend Präsenz.

Im Jahr 2008 sorgten Klu­bräume des „Bunker 38“, die auf dem Grund­stück ein­er im Sprem­berg­er Ort­steil Schwarze Pumpe ansäs­si­gen San­itär­fir­ma ent­deckt wur­den, aber­mals für medi­ales Inter­esse. Besagte Klu­bräume fie­len beson­ders durch ihre Innenein­rich­tung auf. Schwarz – weiß – rote Wandgestal­tun­gen, Reich­skriegs­flaggen und ein Porträt der Neon­azi-Band Landser zeugten vom inneren braunen Anstrich der Klubbesucher_innen. Diese waren vor­rangig jugendliche Neon­azis aus dem Anti-Antifa Spek­trum und soge­nan­nte „Autonome Nation­al­is­ten“, was durch eigens gedruck­te T‑Shirts zum Aus­druck gebracht wurde. Ähn­lich wie beim bere­its beschriebe­nen Geor­gen­berg-Jugend­klub wur­den auch hier Konz­erte ver­anstal­tet. Außer­dem trafen sich in diesem Klub die Neon­azis, um von hier aus auf Prügel­tour nach Sprem­berg zu ziehen. Immer wieder kam es zu Über­grif­f­en auf Ange­hörige des „Pirat­en e.V.“, einem antifaschis­tis­chen Jugend­klub im Zen­trum Sprem­bergs oder auf alter­na­tive Jugendliche.

Auch hier kam es auf­grund antifaschis­tis­chen Engage­ments und medi­alen Drucks zu einem Rück­zug der Neon­azis in pri­vate Bere­iche. Seit dem Ende des Jahres 2010 kommt es in Sprem­berg nun wieder ver­stärkt zu gewalt­täti­gen Über­grif­f­en durch Neon­azis. Vor­rangige Ziele sind der „Pirat­en e.V.“ sowie Linke und alle, die nicht in das Welt­bild der Neon­azis zu passen scheinen. Haup­tak­teure und Rädels­führer der Schlägertrup­ps sind meist Jugendliche. Sie suchen die Opfer aus und organ­isieren Schlägertrup­ps. Des Weit­eren wer­den Kader­schu­lun­gen besucht und Kon­tak­te in die Cot­tbuser Hooli­gan- und Naziszene gepflegt. Die besagten Schlägertrup­ps waren es auch, die einen linken Jugendlichen während ein­er Antifa-Demo in Sprem­berg am 15. 01. 2011 angrif­f­en. Während dieser Demo wurde den Teilnehmer_innen und anderen Anwe­senden beson­ders deut­lich bewusst, welch­es Bedro­hungspoten­zial die Sprem­berg­er Neon­azis darstellen. Immer wieder kon­nten vor, während und nach der Demon­stra­tion Nazis in Grup­pen bis zu 10 Leuten gesichtet wer­den. Sie fotografierten und bedro­ht­en die Teilnehmer_innen und grif­f­en schlussendlich die Demo während der Abschlusskundge­bung an. Dieser Angriff kon­nte auf­grund des Kom­plettver­sagens der anwe­senden Polizei nur durch das Ein­schre­it­en der Antifas been­det wer­den. Auch im weit­eren Ver­lauf des Tages kam es zu ins­ge­samt drei Angrif­f­en auf die Räume des Pirat­en e.V. durch stadt­bekan­nte Neon­azis. Ins­ge­samt wur­den an diesem Abend 7 Neon­azis vor­läu­fig in Gewahrsam genom­men und auf der Wache in Cot­tbus ver­hört.

Die Sprem­berg­er Stadtver­wal­tung reagiert auf diese Vor­fälle, eben­so wie sie bere­its in den frühen 90er Jahren reagierte. Sie ver­schweigt, ignori­ert und toleriert das Treiben ihrer braunen Sprösslinge. Anstatt endlich aktiv zu wer­den und gegen die prügel­nden Neon­azis vorzuge­hen, dif­famieren und ver­fol­gen sie die einzi­gen Men­schen, die sich aktiv diesen Gewalttäter_innen ent­ge­gen­stellen. Beson­ders her­vor tun sich hier­bei Andreas Lemke (SPD), der eine Ver­schwörung von aus Großstädten her­an gekar­rten Link­sex­trem­is­ten kon­stru­iert und der Pseudoan­tifaschist Ben­ny Blatz (SPD),  dessen Aktiv­itäten gegen Rechts sich lediglich auf große Worte beschränken. Auch Hart­mut Höh­na (CDU), der hin­ter jedem Son­nen­brille und Kapuze tra­gen­den Demon­stran­ten einen Ver­brech­er ver­mutet, gehört zu den igno­ran­ten Sprem­berg­er Stadt­poli­tik­ern.

Nun wollen die Neon­azis aus NPD, JN und regionalen Freien Kräften erst­mals in Sprem­berg demon­stri­eren. Diese geplante Demo kann als direk­te Antwort auf die Antifa-Demon­stra­tion vom 15. 01. 2011 betra­chtet wer­den. Die Neon­aziszene in Sprem­berg sieht sich zunehmend in die Ecke gedrängt und ver­sucht nun Boden gut zu machen. Dazu rufen sie größ­ten­teils ihre Kam­er­aden aus Guben und Cot­tbus, um den Vor­sitzen­den der „NPD-Lausitz“ — Ron­ny Zasowk, zur Hil­fe. Dies gilt es mit allen Mit­teln zu ver­hin­dern!

Als Reak­tion auf den Nazi­auf­marsch rufen bürg­er­liche Jugend­grup­pen, Vere­ine und Einzelper­so­n­en unter dem Label „LAUT:Strak gegen Nazis – Musik ist unsere Antwort“ via Face­book und Stu­di­VZ dazu auf, mit Musik ein Zeichen gegen Nazis zu set­zen. Die Ini­tia­toren, welche aus dem Umfeld der JUSOS stam­men, ent­blö­den sich hier­bei „Rechts“ und „Links“ gle­ichzuset­zen. Mit bis zu 5 Trucks möchte men­sch mit Bands und DJ’s einen Stern­marsch formieren. Sie möcht­en keine Nazis und keine ver­mummten Linken in der Stadt. Dass Ver­mum­mung oft­mals das einzige Mit­tel gegen fotografierende Nazis darstellt, ignori­eren sie dabei völ­lig. Obwohl das Anliegen dieser „Nazigeg­n­er“ auf­grund ihrer Inten­tion grundle­gend unter­stützenswert ist, bleiben große inhaltliche Teile zu disku­tieren und in Frage zu stellen. Ein kon­se­quentes agieren antifaschis­tis­ch­er Kräfte, die sich das Ver­hin­dern und nicht nur das bloße Kri­tisieren des Nazi­auf­marsches zum Ziel set­zen, bleibt uner­set­zlich. Für uns als Antifa gilt es deshalb sich mit allen emanzi­pa­torischen, gegen den Nazi­auf­marsch gerichteten Kräften sol­i­darisch zu zeigen. Deshalb gilt auch am 21. Mai 2011 wie auch son­st in Sprem­berg und über­all:

Nazis bekämpfen. Zusam­men. Auf allen Ebe­nen. Mit allen Mit­teln.

21. MAI 2011 – AB 10 UHR IN SPREMBERGDEZENTRALE AKTIONEN!

Nazis angreifen! Sprem­berg­er Ver­hält­nisse demon­tieren! Nazi­auf­marsch Ver­hin­dern!

[ANTIFA SPREMBERG]

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