13. März 2008 · Quelle: Teilnehmerbericht

Nazis zum Anschauen

Wenn Sie jet­zt aus dem Fen­ster sehen, kön­nen Sie erken­nen wie Nazis heutzu­tage auftreten. Am äußer­lichen Erschei­n­ungs­bild erken­nt man sie kaum noch, aber das heißt nicht, dass sie weniger gefährlich sind“, erk­lärte Michael Weiss vom Antifaschis­tis­chen Pressearchiv und Bil­dungszen­trum Berlin e.V.

Am ver­gan­genen Sam­stag ver­anstal­tete die Friedrich- Ebert- Stiftung (FES) im Rathenow­er Kul­turzen­trum (KuZ) ein Sem­i­nar zum The­ma „Erleb­niswelt Recht­sex­trem­is­mus: Musik, Klei­dung, Sym­bole“. Einige wenige (Neo-) Nazis hat­ten dies zum Anlass genom­men, um eine — wie sie es nan­nten – „Mah­nwache gegen Aus­gren­zung“ am Rande des Märkischen Platzes zu erricht­en.

Doch vor­erst lauscht­en mehr als 40 inter­essierte Bürg­erIn­nen, Stadtverord­nete, Mit­glieder des Aktions­bünd­nisse „Rathenow zeigt Flagge“ und der Land­tagspräsi­dent Gun­ther Fritsch den Rede­beiträ­gen der Ref­er­enten. Zu Beginn berichtete Frauke Pos­tel vom Mobilen Beratung­steam (MBT) aus Pots­dam von den recht­sex­tremen Struk­turen in Rathenow und Umge­bung.

„In Rathenow gibt es feste und vielfältige Struk­turen der recht­sex­trem­istis­chen Szene“, so Pos­tel „zum Beispiel wird der NPD Kreisver­band Hav­el – Nuthe von Rathenow aus geleit­et.“ Des Weit­eren ver­wies sie auf die Kom­mu­nal­wahlen am 28. Sep­tem­ber 2008 und auf den bevorste­hen­den Wahlkampf: „Nie­mand von der NPD gehört auf ein Podi­um, da sich die NPD klar gegen die Men­schen­rechte und gegen unser Grundge­setz richtet. Diesen has­s­geprägten Posi­tio­nen darf kein Raum geboten wer­den“, erk­lärte die Ref­er­entin vom MBT.

Frauke Pos­tel und ihr Kol­lege Thomas Wei­dlich berat­en und unter­stützen Men­schen sowie Ini­tia­tiv­en in Pots­dam- Mit­tel­mark, Havel­land sowie in den kre­is­freien Städten Bran­den­burg / Hav­el und Pots­dam zu dem The­ma Umgang mit Recht­sex­trem­is­mus.

Im Anschluss an diesen regionalen Bezug der FES- Ver­anstal­tung referierte Michael Weiss über den Lifestyle recht­sori­en­tiert­er Jugendlich­er. Durch bes­timmte Sym­bole und Marken­klam­ot­ten bauen sich rechte Jugendliche eine eigene Lebenswelt auf. Durch die Kom­bi­na­tion bes­timmter Sym­bole, beispiel­sweise der hei­d­nisch- ger­man­is­che Thor­sham­mer in einem Zah­n­rad, entste­ht ein hoher Wieder­erken­nungswert unter den (Neo-) Nazis.

Auch Jan Buschbom vom Vio­lence Pre­ven­tion Net­work e.V. beschäftigt sich mit Iden­ti­fika­tion­s­möglichkeit­en Jugendlich­er mit dem Recht­sex­trem­is­mus. Beson­ders von Musik wür­den Jugendliche ange­lockt wer­den. Aus diesem Grund verteilte die NPD im Jahre 2005 kosten­los die „Schul­hof CD – Der Schreck­en aller linken Spießer und Pauk­er!“ in Schulen. „Rechte Musik ist mit allen Musik­stilen kom­pat­i­bel“, so Buschbom „von Hip Hop über Schlager bis hin zu Hard­core, was Nazis jedoch als Hate­core beze­ich­nen.“ Über Musik wird die rechte Ide­olo­gie durch bru­tale Tex­tin­halte wieder gegeben. Nicht sel­ten geht es dabei um die Glo­ri­fizierung des drit­ten Reich­es und die Macht der über alles ste­hen­den weißen Rasse.

Auch in Rathenow sind zwei recht­sex­treme Bands bekan­nt: „Opas Enkel“ und „Silence II“ set­zen sich aus Mit­gliedern der freien Kam­er­ad­schaften zusam­men. Frauke Pos­tel ver­laß ein Tex­tauszug aus dem Lied „Tötet ihr Kinder“ der Band „Silence II“: „Zieht alle voran in die heilige Schlacht und tötet Mil­lio­nen Juden in der Nacht!“

Die Ver­anstal­tung wurde kurzzeit­ig vom Aktions­bünd­nis „Rathenow zeigt Flagge“ unter­brochen. Der Vor­stand des Bünd­niss­es bat die Teil­nehmer des Sem­i­nars gemein­sam mit ihnen hin­unter zu gehen, um den Recht­en zu zeigen, dass man sich nicht ver­stecke. Im Vor­feld hat­ten die Mit­glieder des Kinder- und Jugend­par­la­ments Plakate mit Auf­schriften wie „Die Würde jedes Men­schen ist unan­tast­bar“ und „Auf Eure Parolen fall­en wir nicht rein“ in den Fen­stern des KuZ aufge­hangen. Alle Sem­i­narsteil­nehmer, das Aktions­bünd­nis und die Antifa West­havel­land posi­tion­ierten sich vor dem KuZ, um friedlich gegen die „Mah­nwache gegen Aus­gren­zung“ der (Neo-) Nazis zu demon­stri­eren.

„Mit solchen Aktio­nen gren­zen sich die Recht­en sel­ber aus, um von irgendwem Mitleid zu bekom­men“, meinte Susanne Meier vom Vor­stand des Aktions­bünd­niss­es. Es sei eine aus­druck­slose Protestreak­tion auf eine Aktion des Bünd­niss­es und der FES gewe­sen. Die NPD hat­te geplant, dass sich viel mehr Parteim­it­glieder an der Mah­nwache beteili­gen, aber obwohl die Nationalen ständig Gehor­sam propagieren, scheinen sie es mit der eige­nen Diszi­plin doch nicht so ernst zu nehmen.

Prof. Dr. Richard Stöss Pro­fes­sor an der Freien Uni­ver­sität Berlin, for­mulierte es ein­mal so: „Recht­sex­trem­is­mus ist eine auf Ver­fol­gungswahn und Größen­wahn gegrün­dete Ide­olo­gie.“ Wieder ein­mal wurde bewiesen, dass er mit diesem Ausspruch Recht hat.

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