4. Dezember 2001 · Quelle: Indymedia

Naziüberfall im Zug von Berlin nach Elsterwerda

Hal­lo,

Ich wollte von einem Naz­iüber­fall bericht­en der sich
gestern (Der Artikel ist schon einige Tage bei Indy­media gepostet. Anmerkung von Infori­ot.) nach der Demo im Zug Rich­tung Elsterwerda
zuge­tra­gen hat. 

Wir sind Bahn­hof Zoo eingestiegen und waren sehr froh
darüber das keine Nazis an Bord sind. Das änderte sich
schla­gar­tig am Bahn­hof Friedrich­straße als ca. 120
Nazis ein­stiegen in Begleitung von 5 Polizis­ten. Die
Antifa wurde daran gehin­dert den Zug zu betreten.
Nun war die Sit­u­a­tion für uns sehr ungemütlich, weil
um uns herum nun eine Menge Glatzen saßen. Welche sich
aber friedlich ver­hiel­ten und uns in Ruhe ließen.
Dies ändert sich nach 1h Fahrt, unter uns ( wir saßen
in einem Dop­pel­stock­zug) wurde ein Fran­zose geschlagen
er wollte dass spätere Oper schützen. Darauf hin haben
wir den Zug nach Polizei abge­sucht doch zu unserem
Erschreck­en befand sich kein einziger Bulle im Zug.
Einige Sta­tio­nen später kamen 3 Polizis­ten welche aber
den Zug wieder verließen. 

Bei Herzberg oder eine Sta­tion in der Nähe forderte
ein älter­er Mann (70 Jahre, graues Haar, in Begleitung
ein­er älteren Frau) ein Teil der Nazis auf den Zug zu
ver­lassen, da er mit Polizei rechnete.(sie wollten
nach Zwickau)

Er war offen­sichtlich der geistige Führer der
Trup­pen­teile in unserem Abteil. Am Bahn­hof Falkenberg
wurde nun unter uns ein weit­er­er Men­sch von zwei
riesi­gen Schränken zusammengeschlagen.
Er wurde von einem Kranken­wa­gen abge­holt und ins
näch­ste Kranken­haus gebracht. Evtl. wurde noch eine 2.
Per­son geschla­gen zu min­destens wurde sie auf dem
Bahn­hof gejagt. Doch das kon­nten wir nicht in
Erfahrung brin­gen da wir sel­ber uns nicht frei bewegen
konnten. 

Die Nazis wur­den von zwei Polizis­ten aufge­fordert den
Zug zu ver­lassen. Nun standen ca.70 Faschis­ten auf dem
Bahn­steig und brüll­ten was von “Hier marschiert der
nationale Wiederstand”. 

Die Lage entspan­nte sich erst als der Schaffn­er den
Anschlusszug für sie durchsagte.
In Begleitung von nor­malen Pas­sagieren kon­nte unsere
kleine Gruppe schließlich unbe­hel­ligt entkom­men. Dazu
muss erwäh­nt wer­den das es offen­sichtlich war das wir
die einzige nicht faschis­tis­che Gruppe im ganzen Zug
sind. (die Polizei bestätigte uns dies) Doch kein
Bulle kam auf die Idee uns zu helfen.
Mit Erstaunen mussten wir dann fest­stellen das am
Bahn­hof 6 Ein­satzwa­gen standen. Doch der Einsatzleiter
erk­lärte das es nicht zu seinem Auf­gaben­bere­ich gehört
im Zug zu helfen, das sei Sache des Bgs. Na ja von
Bullen braucht man wirk­lich nichts mehr erwarten.
Es waren im Zug Leute welche die Uni­form der Waf­fen SS
anhatten. 

Ich habe da keine Ahnung, doch die Nazis haben sich
dies nei­disch erzählt.

Die Antiantifa ist an der Aktion beteiligt gewesen
dies haben wir aus den Gesprächen her­aus­ge­hört. Ein
Antiantifa trug ein Pal­i­tuch und ein weit­er­er hatte
einen kurzen Iro, es ist aber nicht klar ob diese an
der Aktion beteiligt waren.
Mich würde sehr inter­essieren ob es gestern Abend noch
mehr solche Über­fälle gab? 

Ich bin jet­zt sehr niedergeschla­gen über eine solche
Zusam­men­bal­lung an Rohheit und Dummheit bei denn Nazis
und den Bullen. Welchen das Schick­sal des Opfers egal
war, sie haben keine Befra­gung über das Ausse­hen der
Täter gemacht. 

Sol­i­dar­ität mit allen Opfern faschis­tis­ch­er Gewalt!
Eine Frage noch, kann man gegen die Polizei klagen
wegen unter­lassen­er Hilfeleistung? 

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