11. Dezember 2002 · Quelle: Märkische Allgemeine

Neonazi-Aufmarsch in Potsdam angemeldet

Am 21. Dezem­ber wird Pots­dam möglicher­weise den drit­ten Neon­azi-Auf­marsch in diesem Jahr erleben. Nach dem 14. Sep­tem­ber und dem 23. Novem­ber ist dies­mal nicht die recht­sex­treme NPD der Anmelder, son­dern der Ham­burg­er Neon­azi Chris­t­ian Worch. Er hat die Kundge­bung der so genan­nten “Freien Kam­er­ad­schaften” unter dem Slo­gan “Schickt Schön­bohm in die Wüste” schon am 18. Novem­ber angemeldet. Ein Gespräch mit der Polizei hat er bis­lang aus­geschla­gen, so dass die Behörde nun schriftlich Genaueres über das Ziel des Auf­marsches und die zu erwartende Teil­nehmerzahl erfahren will.



Mithin sei an eine Entschei­dung über Genehmi­gung oder Ver­bot der Ver­anstal­tung noch nicht zu denken, sagte Polizeis­prech­er Rudi Son­ntag gestern der MAZ. Sich­er sei nur, dass nicht am Haupt­bahn­hof und der Lan­gen Brücke demon­stri­ert wird.

 

Die NPD hat­te in ein­er Presseerk­lärung Ende Novem­ber eine Kundge­bungsan­mel­dung für Pots­dam im Dezem­ber bestrit­ten und ver­sichert, es werde auch keine ähn­lichen Ver­anstal­tun­gen etwa von Unter­grup­pierun­gen geben. Sie wolle für Worch auch keine Hin­ter­grund­kulisse abgeben.

 

Der Presse­bericht­en zufolge vorbe­strafte und ein­schlägig bekan­nte Worch ist ein Ver­fechter des Straßenkampfes, während sich die NPD davon zurückzieht, um dem Staat weniger Hand­habe für ein Parteiver­bot zu bieten; Worch wertet das als “Feigheit” und hofft für den Fall eines NPD-Ver­botes auf zahlre­iche Über­läufer aus der Partei zu den Kam­er­ad­schaften, die es seit etwa 1995 immer zahlre­ich­er gibt. Ohne feste Organ­i­sa­tion und Ran­gord­nung, aber nachrich­t­en­tech­nisch gut gerüstet, gel­ten sie als flex­i­bel und gefährlich. Worch war 1977 neben Michael Küh­nen Grün­der der “Aktions­front Nationaler Sozial­is­ten”. Küh­nen wurde 1979 ver­haftet; Worch führte die “Aktions­front” weit­er, die 1984 ver­boten wurde. Er ist wegen mehrerer Verge­hen zu knapp zwei Jahren Haft verurteilt wor­den, die er 1997 nach nur einem Jahr wegen “guter Führung” ver­ließ. Er pflegt inter­na­tionale Kon­tak­te unter anderem zur dänis­chen Neon­azi-Szene und ist bekan­nt für “Anti-Antifa-Aktio­nen” gegen linke Gesin­nungs­geg­n­er. Worch strebt den Zusam­men­schluss los­er Kam­er­ad­schaften zu Bünd­nis­sen an, die das Ziel “nation­al befre­it­er Zonen” zum Beispiel in Jugend­klubs und Jugendzen­tren durchzuset­zen ver­suchen.

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