17. Dezember 2002 · Quelle: Märkische Allgemeine

Neonazi-Marsch in Potsdam nicht am Bahnhof

Pots­dams Polizeipräsi­dent hat gestern den von dem Ham­burg­er Neon­azi Chris­t­ian Worch für näch­sten Sonnabend angemelde­ten Auf­marsch bestätigt. “Im vor­liegen­den Fall hat das Polizeiprä­sid­i­um Pots­dam auf der Grund­lage der bish­eri­gen Erfahrun­gen bei angemelde­ten NPD-Ver­samm­lun­gen in Pots­dam keine Möglichkeit gese­hen, ein Ver­bot der angemelde­ten Demon­stra­tion mit Aus­sicht auf Erfolg erge­hen zu lassen”, heißt es in ein­er Pressemitteilung.



Der Auf­marsch werde aber nicht durch die Innen­stadt und nicht, wie von Worch geplant, am Bahn­hof vor­bei über die Lange Brücke führen, sagte Polizeis­prech­er Rudi Son­ntag. Außer­dem seien strenge Aufla­gen für den Marsch der Freien Kam­er­ad­schaften erlassen wor­den. So ist es den Demon­stran­ten nicht erlaubt, Uni­for­men und Uni­formteile zu tra­gen sowie Trom­meln, Fack­eln und Fah­nen mit sich zu führen, außer der Bun­des­flagge und Bun­deslän­der­fah­nen. Das Rufen von Parolen wie “nationaler Wider­stand”, das Skandieren der Parole “Ruhm und Ehre der Waf­fen-SS” und Äußerun­gen, die das NS-Regime und seine Organ­i­sa­tio­nen glo­ri­fizieren sind eben­falls verboten.

 

Die Zahl der recht­en Demon­stran­ten lasse sich schw­er schätzen, so Son­ntag. Worch selb­st habe 200 bis 400 Per­so­n­en angekündigt. Am ver­gan­genen Sonnabend waren Worchs Ruf laut Rudi Son­ntag in Teupitz aber nur 38 Per­so­n­en gefol­gt. Wo genau die Freien Kam­er­ad­schaften marschieren wer­den, wollte Son­ntag nicht ver­rat­en. Doch: “Die Periph­erie ist nicht unendlich”. Son­ntag wies aber darauf hin, dass beim Streck­en­ver­lauf auf etwaige Gegen­demon­stra­tio­nen Rück­sicht genom­men werde.

 

Wie berichtet hat­ten die Bürg­erini­tia­tive Stern und die Bürg­er­ak­tion Drewitz sich in einem offe­nen Brief an Ober­bürg­er­meis­ter Jann Jakobs (SPD) gewandt und sich darin gegen die ständi­ge Ver­lagerung rechter Demon­stra­tionszüge in ihre Wohnge­bi­ete ausgesprochen.

 

Bis jet­zt haben sich zwei Gegen­demon­stra­tio­nen formiert. Zum einen die Ini­tia­tive “Schüler gegen Rechts” der Voltaire-Gesamtschule, die unter anderem vom Ober­bürg­er­meis­ter unter­stützt wird. Sie find­et am Sonnabend um 11 Uhr auf dem Alten Markt statt.

 

Eine zweite Kundge­bung ist von der AG Anti­ras­sis­mus geplant. Wo diese stat­tfind­et, stand bis Redak­tion­ss­chluss nicht fest.

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