18. April 2006 · Quelle: Tagesspiegel

Neonazis in Potsdam und Berlin arbeiten eng zusammen

(Jan Brun­zlow) Eine „auf­fäl­lig gute Zusam­me­nar­beit zwis­chen Berlin­er und Bran­den­burg­er Neon­azis“ sagen Vertreter antifaschis­tis­ch­er Vere­ini­gun­gen der recht­en Szene in Pots­dam nach. Vor allem seit dem Jahr 2004 seien wieder ver­mehrt Bestre­bun­gen zu verze­ich­nen, „bess­er organ­isierte Struk­turen aufzubauen“, heißt es im Berlin­er Mag­a­zin der Antifa, „fight.back03“.

Die antifaschis­tis­che Szene Pots­dams verze­ich­nete in der Stadt im Gegen­satz zum Lan­destrend im ersten Hal­b­jahr 2005 mehr Über­griffe mit recht­sradikalem Hin­ter­grund als im gesamten Jahr zuvor. Trau­riger Höhep­unkt war die Aktion ein­er Gruppe Neon­azis, die in der Innen­stadt eine Straßen­bahn per Not­bremse stoppten, um zwei junge Män­ner anzu­greifen. Die bei­den Stu­den­ten, ein­er von ihnen ist in ein­er antifaschis­tis­chen Gruppe organ­isiert, wur­den zusam­mengeschla­gen und mit abge­broch­enen Bier­flaschen im Gesicht ver­let­zt. Die Täter, die auch als Drahtzieher der Neon­azi- Szene in Pots­dam gel­ten, erhiel­ten zulet­zt mehrjährige Haft­strafen. Die „Gewalt­spi­rale“ zwis­chen linken und recht­en Jugendlichen im Vor­jahr in Pots­dam wurde von der Polizei anfangs ver­schwiegen, „aus ermit­tlungstak­tis­chen Grün­den“, hieß es seit­ens der Polizei.

Pots­damer Antifaschis­ten beze­ich­nen vor allem die unor­gan­isierte Szene in der Lan­deshaupt­stadt als Prob­lem. Haupt­tr­e­ff­punkt sei der Haupt­bahn­hof, heißt es im Infoblatt „Nazi­ak­tiv­itäten in Pots­dam“. Weit­er heißt es darin, dass sich die rechte Szene seit Beginn der 1990er Jahre in Pots­dam formiere. Die recht­sex­treme Band „Prois­senheads“ wurde eige­nen Angaben zufolge 1993 in Pots­dam gegrün­det und probte bis 1998 im Klub 18, einem Jugend­klub im Plat­ten­bauge­bi­et Am Stern. Erst nach ein­er Aufk­lärungskam­pagne fünf Jahre später erhielt die Band ein Ver­bot, dort zu üben. Inzwis­chen spie­len einige der Band­mit­glieder in der Com­bo „Blood­shed“, die eben­falls der recht­sex­tremen Szene zuge­ord­net wird.

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