14. April 2009 · Quelle:

Neonazistische Aktionen in Lübben nehmen permanent zu

Lübben - Einschätzungen einer lokalen Antifagruppe.

Nach­dem eine Mitar­bei­t­erin der Land­tagsab­ge­ord­neten Karin Weber eine Zeitung der Linkspartei, den “Heimat­spiegel”, in eini­gen Teilen Lübbens verteilt hat­te, bekam Frau Weber eine dieser Zeitun­gen wenige Tage
später beschmiert mit Nazi­parolen zurück. Der “Heimat­spiegel” wurde mit nazis­tis­chen Sym­bol­en wie dem Hak­enkreuz und der “88” (für “Heil Hitler”), sowie Dro­hun­gen in Form eines Gal­gens an dem ein rot­er Stern hing und Parolen wie “Wir kriegen euch alle!” und “Lübben bleibt braun!” verun­stal­tet. Let­zteres spielt ver­mut­lich auf den Ausspruch “Halbe bleibt bunt!” an, der im Zuge des jährlichen Heldenge­denkens in Halbe von Gegen­demon­stran­ten gebraucht wurde und später auch zum Slo­gan des “Send-a-Sign”-Festivals in Halbe wurde. Karin Weber ist zudem
Mitini­tia­torin des “Aktions­bünd­niss­es gegen Heldenge­denken und Nazi­aufmärsche” in Halbe. Doch das war nicht die erste Aktion dieser Art mit der die Land­tagsab­ge­ord­nete kon­fron­tiert wurde.  Bere­its zum fün­ften Mal wurde Frau Weber von Nazis ange­grif­f­en. Ihr Haus wurde beschmiert, der Briefkas­ten ihres Bürg­er­büros in Lübben mehrfach entwen­det, etc.

Jedoch ist nicht nur die linke Szene von solchen Über­grif­f­en betrof­fen, auch Bürg­er und Men­schen  mit Migra­tionsh­in­ter­grund wer­den Opfer rechter Gewalt­tat­en. Die Polizei wird alarmiert, beschäftigt sich im weit­eren
Ver­lauf aber sehr unge­nau mit den Vor­fällen oder die Tat­en wer­den gekon­nt ver­tuscht! Ein Beispiel dafür ist der Polizeibericht der LR vom  14./15.03.2009, indem es lautet: “Unbekan­nte Täter haben in der Nacht
zum Fre­itag in der Bahn­hof­sstraße in Lübben vier Scheiben eines Restau­rants einge­wor­fen. Es sei ein Sach­schaden von 1500 Euro ent­standen.” In der Bahn­hof­s­traße gibt es nur ein Restau­rant und das ist ein Asiarestau­rant. Am Fol­ge­tag war jedoch nir­gend­wo etwas von einem solchen Scheibenein­wurf zu sehen. Wahrschein­lich wurde die Sache gekon­nt ver­tuscht. Auch der Bürg­er­meis­ter weiß von dem Vor­fall ange­blich nichts. Das würde auch das Anse­hen der Stadt gefährden, wo doch Lübben “Stadt der Vielfalt 2008” gewor­den ist und der ehe­ma­lige Neon­az­itr­e­ff “Bunker 88” neuen Woh­nun­gen weichen muss. Zudem ist da auch noch ein “Thor-Steinar-Laden” im Gespräch, der direkt gegenüber vom Lübben­er Rathaus entste­hen soll, was auch sehr beschä­mend für Her­rn Bret­ter­bauer wäre. Jedoch wurde mit der Ver­mi­eterin ver­han­delt und sie hat sich let­z­tendlich gegen den Nazidress­code entschlossen. Die geplante Eröff­nung am 01.04.09 blieb zumin­d­est aus. Jedoch soll­ten wir uns nicht in Sicher­heit wiegen und uns
darauf ver­lassen, dass dieser Aprilscherz zunächst mit einem Lach­er auf unser­er Seite endete.

Lübben und seine Umge­bung wer­den immer häu­figer Anlauf­punk­te für extrem rechte Aktiv­itäten. Es etabliert sich eine autonome Neon­aziszene die ständig präsent ist. Sie kleben Aufk­le­ber für die “Jugend­of­fen­sive”, Sprühen ihre Parolen an die Wände der Stadt, mis­chen sich ver­mummt unter Fast­nachtsver­samm­lun­gen, etc. Zudem besitzen sie eine neue Inter­net­präsens, die sich “Spreelichter” nen­nt.  Die “Spreelichter”-Gruppe hin­ter­lässt beina­he jede Woche in Lübben ihre Spuren. Ihre let­zte Aktion wid­me­ten sie dem The­ma Abtrei­bung. Mit weißer und rot­er Farbe wur­den abgetriebene Embryos auf Brück­en, Fußwege und vor Kindergärten gemalt. Daneben waren Schriftzüge wie “Getötet”, “Abgetrieben”, “BRDigt” und “Die Demokrat­en brin­gen uns den Volk­stod” zu lesen. Auf ihrer Inter­net­seite ist dazu beispiel­sweise zu lesen: “Auch die Anti-Baby-Pille ist für die Sub­stanz unseres Volkes bis zum heuti­gen
Tage ver­heeren­der gewe­sen als bei­de Weltkriege zusam­mengenom­men.” Hier wird wieder ein­mal deut­lich wie emo­tion­al drama­tisiert sie ihre men­schen­ver­ach­t­ende Ide­olo­gie ver­pack­en. Wer zwei Weltkriege anzettelt,
braucht sich nicht darüber zu wun­dern, dass das “arme deutsche Volk” auch Opfer für diese brin­gen musste. Vielle­icht  soll­ten diese Neon­azis ihren Wider­stand­skampf ein­stellen, um “ihrem Volk” nicht noch mehr
Ver­luste zu bescheren. Immer­hin hat Deutsch­land bei­de Weltkriege ver­loren und wer möchte schon, dass die BRD endgültig von der Land­karte ver­schwindet. Das solche holen Phrasen den mil­lio­nen­fachen Mord an Juden
und die Euthanasiepro­gramme der Nation­al­sozial­is­ten zur Ver­nich­tung “leben­sun­werten” Lebens unter­schla­gen, darf nicht vergessen wer­den. Sie sind diejeni­gen, die Leben zer­stören und nur davon kön­nte ihr “reines,
deutsches Volk” existieren. Ihre Macht ist begrün­det auf der Ver­nich­tung Schwächer­er.

Die Stadt­bevölkerung bleibt unwis­send, weil kein­er sich traut, etwas gegen diese Untriebe zu sagen und die Instanzen, die die nöti­gen Infor­ma­tio­nen haben, diese ver­schlossen hal­ten. Wir müssen den Faschos
ihre Legit­im­ität nehmen und ihnen offen und mit klaren Posi­tio­nen gegenübertreten. Schwammiges Demokratengetue bringt uns in diesem Fall auf keine Fall weit­er. Antifaschis­tisch zu sein bedeutet nicht gle­ich
linksradikal zu sein, auch wenn das die Masse der Bevölkerung zu denken scheint.

Keine Tol­er­anz für Nazis !!!


Antifa-Puel­la Lib­er­tas, 10.04.2009

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