14. April 2009 · Quelle: Antifa Westhavelland

No we can´t — Geschichtsrevisionismus nicht zulassen

(Neo)naziaufmarsch am 18. April in Rathenow / Gegenveranstaltung auf dem Märkischen Platz

Anlässlich des Jahrestages eines alli­ierten Bombe­nan­griffs auf eine Kampf­bomber­fab­rik während Zweit­en Weltkrieges, wollen (Neo)nazis am Sam­stag, den 18. April 2009 in Rathenow marschieren, um, wie in den Vor­jahren seit 2005 auch, an den so genan­nten “Bomben­ter­ror vor 65 Jahren” zu erin­nern.

Unter dem Mot­to “65 Jahre in Trä­nen — Gedenken an alli­ierte Bombe­nan­griffe” hat die regionale NPD Sek­tion bere­its in der ver­gan­genen Woche eine Demon­stra­tion angemeldet, die inzwis­chen auch von (Neo)nazikameradschaften aus Prem­nitz, Pots­dam, Tel­tow-Fläming, Sten­dal sowie aus der Struk­tur des so genan­nten “Nationalen Beobachters” aus Sach­sen — Anhalt bewor­ben wird.

Alle genan­nten (neo)nazistischen Organ­i­sa­tio­nen und Vere­ini­gun­gen benen­nen, deck­ungs­gle­ich mit der polizeilichen Anmel­dung, den Haupt­bahn­hof Rathenow als Start­punkt des Auf­marsches und wollen sich dort am Sam­stag ab 14 Uhr ein­find­en.

Gemäß ihres revi­sion­is­tis­chen Mot­tos pla­nen die Ver­anstal­ter während des Aufzuges auch Zwis­chenkundge­bun­gen und Kranznieder­legun­gen an einem Denkmal des “Bun­des der Ver­triebe­nen” im Fontanepark sowie an der Gedenkstätte für die Opfer der bei­den Weltkriege auf dem Wein­bergfried­hof.

Sym­bol­isch will die NPD, gemäß den dies­bezüglich einige Tage zuvor verteil­ten Flug­blät­tern, dem “Ver­brechen an der deutschen Zivil­bevölkerung in Rathenow” erin­nern, bei dem am 18. April 1944 unge­fähr 60 Men­schen durch Bomben ums Leben gaben.

Bei der Agi­ta­tion für ihre Ver­anstal­tung nimmt die Partei jedoch die his­torischen Tat­sachen nicht so genau und präsen­tiert auf den von ihr bzw. ihren Aktivis­ten verteil­ten Fly­ern eine Art Bewe­is­fo­to, welch­es das zer­störte Post­ge­bäude in der heuti­gen Berlin­er Straße sowie die Ruine der Sankt Marien Andreas Kirche zeigt.

Allerd­ings stam­men die dort dargestell­ten Schä­den gar nicht von den Auswirkun­gen des Bombe­nan­griffs im Jahr 1944, son­dern sind Zer­störun­gen die erst durch die let­zten Kämpfe im Mai 1945 ent­standen sind. Damals hat­te die nation­al­sozial­is­tis­che Wehrma­chts­führung Rathenow zur “Fes­tung” erk­lärt und die Stadt von ihren umliegen­den Stel­lun­gen mit Artillerie kurz und klein schießen lassen um die vor­rück­ende Rote Armee aufzuhal­ten.

Der Schaden den die Amerikanis­chen Bomberver­bände am 18. April 1944 an zivilen Ein­rich­tun­gen und Woh­nun­gen verur­sacht­en, war hierzu ver­gle­ich­sweise eher ger­ing. Das Hauptziel des Fliegeran­griffs war näm­lich nicht die Stadt, son­dern die ARADO Flug­w­erke in Rathenow — Hei­de­feld. Hier wurde das Kessel­haus und zwei der drei Mon­tage­hallen stark beschädigt und somit die Lizen­zpro­duk­tion der berüchtigten Heinkel — Bomber, die in den vorheri­gen Kriegs­jahren Städte wie Lon­don, Coven­try, Warschau und Rot­ter­dam in Schutt und Asche legten, endgültig gestoppt.

Das zivilge­sellschaftliche Aktions­bünd­nis “Rathenow zeigt Flagge” hat unter­dessen Gege­nak­tio­nen zum (Neo)naziaufmarsch angekündigt. Dabei sind auch alle Bürg­er, ins­beson­dere die an der Strecke wohnen, aufgerufen mit Ban­nern oder Sym­bol­en, welche die Far­ben Rot und Blau als Zeichen des örtlichen Wider­standes enthal­ten sollen, ein Zeichen des Protestes zu set­zen.

Eine konkrete Gegen­ver­anstal­tung ist auf dem Märkischen Platz im Rathenow­er Stadtzen­trum ab 11 Uhr angemeldet. Hier hat­te der Haup­tred­ner des let­zten (Neo)naziaufmarsches, der Vor­sitzende der NPD Frak­tion im meck­len­bur­gis­chen Land­tag, Udo Pastörs, am 16. Juni 2007 während ein­er Zwis­chenkundge­bung eine Het­zrede gehal­ten, in der er u.a. den Rathenow­er Bürg­er­meis­ter als “Demokraten­fratze” beschimpfte, die Umbe­nen­nung der Bun­deswehr in “Deutsche Wehrma­cht” forderte und zum Umsturz aufrief. Deshalb soll dieser Platz, an dem nach augen­blick­lichen Stand auch die diesjährige Naziroute ent­lang führt, nicht noch ein­mal als Podi­um für die (neo)nazistischen Has­spredi­ger dienen.

Dem (Neo)naziaufmarsch am 18. April  ent­ge­gen­treten!

Yes we can!

Mate­r­i­al: Stadt­plan Rathenow mit Ver­anstal­tungskennze­ich­nung (PDF 195 kB)

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