22. Dezember 2001 · Quelle: Ruppiner Anzeiger

Noteingang-Umfrage in Rheinsberg

Erst Mei­n­ungs­bild, dann Note­ingänge

Rheins­berg­er Jugendliche verteilen Bögen zur Schutz bietenden Aktion

RHEINSBERG Jugendliche verteilen in den kom­menden Wochen Frage­bö­gen der „Aktion Notein­gang“ an Rheins­berg­er Geschäft­sleute. Darin wollen sie wis­sen, welchen Men­schen die Gewer­be­treiben­den Hil­fe anböten, falls diese vorm Laden gepeinigt wür­den. Hin­ter jed­er möglichen Reli­gion­szuge­hörigkeit, poli­tis­chen oder sex­uellen Aus­rich­tung kön­nen die Befragten ein Kreuz machen. Eine weit­ere Frage will wis­sen, weshalb manchen Men­schen nicht geholfen würde. Die Bögen wer­den anonym aus­gew­ertet und eben­so an Stadtju­gendpflegerin Alexan­dra Willers geschickt. Die Ini­tia­toren hof­fen, ein möglichst objek­tives Stim­mungs­bild zu erhal­ten, um in Ver­anstal­tun­gen gegen Klis­chees arbeit­en zu kön­nen. Erst dann lohne es sich, Schilder „Aktion Notein­gang“ anzubrin­gen.

Braucht Rheins­berg Note­ingänge?

Anonyme Antworten von Geschäft­sleuten und Ver­wal­tung sollen Stim­mungs­bild zeich­nen

RHEINSBERG Wür­den sie einem Men­schen helfen, der Hil­fe sucht und vor ihrer Ein­rich­tung ste­ht, wenn sie wis­sen, dass er ein soge­nan­nter Link­er, ein Jude, ein Obdachlos­er oder ein Homo­sex­ueller ist? Rheins­berg­er Jugendliche verteilen dieser Tage Frage­bö­gen zur Aktion Notein­gang. Deren Ziel ist es, Hil­fe suchen­den Men­schen die Möglichkeit zu geben, in Geschäften oder Ver­wal­tungs­büros vor Peinigern geschützt zu sein.

Der Rheins­berg­er Koor­di­na­tor gegen Gewalt und Frem­den­feindlichkeit, Her­mann Nehls, und die Stadt-Jugendpflegerin Alexan­dra Willers unter­stützen die Aktion. Wie Willers berichtete, sei in Rheins­berg oft das Argu­ment zu hören, dass es in der Stadt wed­er Aus­län­der­feindlichkeit, noch Hass auf Rand­grup­pen gebe. Doch dies stimme so nicht. Auf den Frage­bö­gen wer­den die Geschäftsin­hab­er, aber auch die Ämter der Stadtver­wal­tung befragt, welchen Men­schen sie Hil­fe anbi­eten wür­den. Hin­ter jed­er Gruppe kann ein Kreuz gemacht wer­den. Doch die Befragten brauchen dies nicht: Die Anonymität sichert ihnen zu, dass nie­mand erfährt, welchen Men­schen sie nicht helfen wür­den. So könne vielle­icht ein objek­tives Stim­mungs­bild geze­ich­net wer­den, hof­fen die Rheins­berg­er Mäd­chen und Jun­gen.
Ziel der Aktion, der sich im Land bish­er die Städte Bad Freien­walde, Bernau, Cot­tbus, Eber­swalde, Frankfurt/Oder, Fürsten­walde, Neu­rup­pin, Straus­berg, Wriezen und Rheins­berg angeschlossen haben, ist es, schließlich möglichst viele Geschäfte und Büros mit dem Aufk­le­ber der Aktion auszus­tat­ten, um gepeinigten Men­schen zu helfen. Auf dem Weg dor­thin ist es jedoch wichtig, Aufk­lärungsar­beit zu leis­ten. Daher wird auch nach den Grün­den gefragt, aus denen her­aus die Ange­sproch­enen bes­timmten Grup­pen zuge­höri­gen Men­schen nicht helfen wür­den.

Wer sich an der Aktion beteili­gen möchte, kann seinen Bogen im Büro der Stadtju­gendpflegerin über den Räu­men der Stadt­bib­lio­thek, Schlossstraße 17, abgeben. Alexan­dra Willers ist dazu verpflichtet, geheim zu hal­ten, von wem welch­er Frage­bo­gen stammt. Wer seine Anonymität auf diesem Wege nicht gewahrt sieht, kann den Frage­bo­gen auch – ohne Angabe der eige­nen Anschrift – an das Büro senden. Bis Ende Jan­u­ar sollen die Antworten aus­gew­ertet sein. Nur die Aufk­le­ber anzubrin­gen, wie von eini­gen Geschäft­sleuten angeregt, bringe wenig, find­en die Ini­tia­toren. Denn es gehe darum, dass hin­term Schild auch die entsprechende Mei­n­ung ste­ht.

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